Ganz kurzfristig habe ich mich entschieden, auf Empfehlung von Detlef Kaden, dem Gründer des Radweges R1, eine Inselumrundung um Taiwan zu machen. Dabei wird mich Roland Müller, besser bekannt als „Gento“ aus Bad Waldsee begleiten. Gento hat ja seine „Feuertaufe“Jungfernfahrt“ bei der diesjaährigen Radtour nach Norwegen glänzend überstanden. Jetzt heißt es für beide bei dieser Tour in eine ganz neue Kultur einzutauchen.
Nach einer 2 tägigen Akklimatisation mit Kurztouren rund um Taipeh werden wir zu einer ca. 1000 km langen Inselumrundung aufbrechen und dabei die vielseitigen Landschaften dieser Insel kennenlernen. Dabei bringe ich mein eigenes Gravelbike mit, Gento wird sich ein Rad auf der Insel mieten.



Tag 22 27.11. 2024
Und zum Abschluss noch einmal hoch hinauf
Heute stand gleich nach dem Frühstück das Verpacken des Rades in den Radkarton auf dem Programm. Gottseidank musste ich nicht erst einen Radkarton organisieren, sondern konnte den mitgebrachten Originalkarton verwenden. Um 12 Uhr hatte ich nochmals ein Treffen am Taipeh-Tower mit Julia und Luis ausgemacht. Wir haben uns ja im zweiten Teil unserer Inselumrundung kennengelernt, den extremen Sturm-Tag zusammen gemeistert und uns dann immer wieder getroffen. Vielleicht werden wir uns auf dem Rad wieder treffen?

Ein absolutes Highlight ist natürlich, mit dem Aufzug mit 60 km/h die 90 Stockwerke und über 500 m hochzufahren. Wir haben uns tatsächlich den besten Tag ausgesucht, um von oben beste Sicht auf die Millionenstadt Taipeh genießen zu können. Der Taipeh Tower war ja eine Zeit lang das höchste Gebäude der Welt und bekannt durch das Feuerwerk an Silvester
Wenn es bei uns an Silvester 17 Uhr ist, begrüßen Sie in Taipeh mit diesem Feuerwerk das neue Jahr

Heute haben wir erstmals die tolle Metro genossen. Es ist alles sehr übersichtlich strukturiert und auch Landkinder können sich hier gut zurechtfinden. Die Züge sind natürlich meistens voll, eine Hektik ist aber nicht zu spüren. Und 95% der Leute starren genauso wie die Leute in der Metro von Santiago de Chile, Vancouver, Panama oder Moskau unablässig auf ihr Handy.
Morgen werden wir letztmals bei unserem Lieblingsbäcker frühstücken. Wir haben heute einen Treuebonus von 20 TWD bekommen. Ich werde die Bäckerin morgen fragen, wie das Gebäck hier heißt:

Und ich bin gespannt, ob ich einen Schneemann bauen kann, wenn ich heimkomme. Es wird auf jeden Fall nicht nur die Umstellung auf winterliche Temperaturen, sondern auch die Umstellung auf einen anderen Tagesablauf sein, was Gento und mir gelingen muss.
In der Hoffnung auf eine problemlose Rückreise grüße ich alle, die unseren Taiwan-RadReise „virtuell“ miterlebt haben.

Tag 21. 26.11.2024
Sightseeing Taipeh
Eigentlich sollte es heute den ganzen Tag regnen. Es war zwar überwiegend bewölkt, aber geregnet hat es nicht. So unternahmen wir heute eine Besichtigungstour auf Vorschlag des Radreiseführers „Taipeh und Umgebung von Detlef Kaden is.radweg.de
Die Räder ließen wir heute stehen und machten uns zu Fuß auf den Weg. Dieser führte uns zuerst in den Zhishan Ökopark mit der Aussichtsplattform, dem 1752 erbauten Huiji-Tempel und dem „ZishanCultural and Ecological Garden.



Danach geht es weiter zum Nationalen Palastmuseum. Viele Busse auf dem Parkplatz liessen vermuten, dass dieses Museum stark besucht wird.
Es beherbergt fast 700 000 Kunstwerke aus der 8 000jährigen Geschichte Ostasiens. Sie stammen aus der verbotenen Stadt Peking und wurden 1949 durch Chiang Kai-Shek mit nach Taiwan gebracht.



Nach zwei Stunden eintauchen in die chinesische Geschichte und Kultur war ich erschlagen von den Eindrücken.
Ich muss zugeben, dass ich bisher über die ostasiatische Kultur und Geschichte viel zu wenig wusste, um die vielen Eindrücke einordnen zu können.
Nach einem kurzen Kaffeestopp auf dem Rückweg kamen wir von der langen Gehstrecke ziemlich geplättet zurück.
Zum Ausgleich werden wir morgen noch mit der Metro in die City von Taipeh fahren.
Tag 20. 25.11.2024
Ausfahren
Es hat schon gutgetan, nach 2 Wochen morgens nicht weiterfahren zu müssen. Heute haben wir mal ohne Zeitdruck gemütlich gefrühstückt. Danach habe ich eine Wäscherei gesucht, um meine regengeplagte Radkleidung wieder sauber zu bekommen. Ein freundlicher, junger Taiwanese hat mir dabei geholfen. Übrigens tragen hier viele Taiwanesen immer noch Mundschutz. Drinnen wie draußen. Das Personal an Schaltern oder Rezeptionen tragen immer Masken. Da ihr Englisch meist ziemlich rudimentär ist, wird es durch die Maske meistens ganz unverständlich.
Nachmittags genoss ich nochmals die Sonne und Temperaturen von 25 Grad, um mich locker auf den schönen Radwegen entlang der Flüsse auszufahren.




Die nächsten zwei verbleibenden Tage werden wir noch nützen, um einige Sehenswürdigkeiten zu besuchen, bevor es an das Verpacken geht.
Tag 19. 24.11.2024 Etappe 12
Jiaoxi -Taipeh, 95 km, 725 hm
Regen, später bewölkt
Der Kreis hat sich geschlossen
Das positive war heute morgen, dass es nicht schon geregnet hat, als ich Punkt neun zur letzten Etappe der Umrundung Taiwans gestartet bin. Aber schon eine halbe Stunde später musste ich mich voll regendicht machen. Die Jungs, die an den Pazifikbuchten auf dem Brett auf die nächste Welle warteten, denen konnte der Regen nichts anhaben. Sie lieben das Wasser. Was man von den meisten Radlern nicht behaupten kann. Auch ich genieße lieber die Sonne beim Radfahren. Dann blieb es aber doch mal für ca. Zweieinhalb Kilometer trocken von oben. Nämlich, als ich, wie hunderte andere Radfahrer an diesem Sonntagmorgen, durch den Old Coaling Radtunnel fuhren. Dieser alte Bergwerkstunnel wurde zu einem Radweg umfunktioniert und ist bei Einheimischen und Touristen sehr beliebt. Doch es sollte nicht der einzige Tunnel auf der heutigen Strecke bleiben. Die sehr ansprechende Wegführung wurde kurviger und kupierter und endete mit einem richtigen Pass. Und auf der Scheitelhöhe wartete dann ein ca. 3 Kilometer langer Straßentunnel. Die kurvige Abfahrt auf tollem Asphalt war wieder purer Genuss. Mein Canyon Grizzl war in seinem vollen Element. Der letzte Teil der Tour führte dann dem Keelung-Fluss entlang zurück nach Taipeh. Das Wetter besserte sich zusehends und die Radwege links und rechts des Flusses waren an diesem Sonntag wieder dicht bevölkert. Spaziergänger, Jogger und Radfahrer mussten die Wege unter sich aufteilen. Es war höchste Konzentration gefragt, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Von der Stadtgrenze bis zum Hotel war ich immer noch mehr als eine Stunde unterwegs. So war es wieder einmal dunkel, als ich müde, aber auch stolz ankam.
Vor genau 2 Wochen war ich zusammen mit Gento aufgebrochen, um die Inselumrundung mit mehr als 1100 km und 10 000 hm zu bewältigen. Nachdem Gento wegen den radtechnischen Problemen mit dem Leihrad aufgeben musste, bin ich die zweite Hälfte alleine gefahren.
Die vielen guten ausgebauten Radwege, die freundlichen und hilfsbereiten Menschen, die grüne, oft dschungelartige Vegetation und die gute Radinfrastruktur lassen jedes Radlerherz höher schlagen. Und die Temperaturen immer jenseits der 20 Gradmarke ermöglichen immer ein Radfahren in kurzen Hosen.
Die Wermutstropfen gibt es auch. Dazu zählen bei uns die relativ wenigen Sonnenstunden, der teils ruppige (Gegen) Wind, der dichte Autoverkehr vor allem auf der Westseite und die vielen Verkehrsampeln. Aber um es auf den Punkt zu bringen:
TAIWAN IST ALLEMAL EINE RADREISE WERT.




Tag 18. 23.11. 2024 Ruhetag
Ob die Entscheidung, heute einen Ruhetag einzulegen richtig war, wird sich erst morgen zeigen. Heute war es vormittags zwar bewölkt, aber erst um 15 Uhr hat es zu regnen begonnen. Wie wird es morgen sein? Vom Wetterbericht her eher schlechter. Aber dann ist es halt so, dass ich bei der letzten Etappe der Tour noch einmal gewaschen werde…
Heute blieb mir nichts anderes übrig als zwischen dem Auschecken aus dem Hotel und dem einchecken in eine kleine Privatunterkunft einige hundert Meter weiter, die Füße ins Thermalbecken zu hängen und in einem kleinen Imbiss etwas zu essen zu bekommen. Und am Abend traf ich mich mit dem Berliner Paar zu einem Abendessen. Und dazu mussten wir ein Stück zu Fuß unterm Regenschirm in Kauf nehmen. Doch es lohnte sich. Das Essen war ausgesprochen gut. Die beiden werden morgen noch einen Tag hier bleiben. Vielleicht werden wir uns in Taipeh nochmals treffen. Sie fliegen einen Tag später zurück nach Deutschland.


Tag 17. 22.11.2024 Etappe 11
Hualien – Jiaoxi, Zug Rad 18 km, Regen
Auch heute morgen gibt es wieder ein 7/11 Frühstück. Ich habe ja gestern schon das Ticket für den Zug gekauft. Trotzdem bin ich früh am Bahnhof. Mein Gefühl sagt mir, dass es irgendwie ein Problem geben wird. Und so ist es dann. Die Kontrolleurin am Ticketgate lässt mich nicht durch. Sie sagt, das geht nur mit verpacktem Rad. Ich sage ihr, dass ich keine Verpackung habe. Sie nimmt mich mit zum Infoschalter. Die Frau erklärt mir, dass ich ein Fernverkehrsticket habe und das Rad nur mit den Local Trains (Nahverkehr) mitnehmen dürfe. Dort gäbe es Stellplätze für Räder. Also tausche ich mein Ticket um und fahre problemlos mit dem Nahverkehrszug eine Stunde später. Immer wieder geht es durch längere Tunnels, denn die Berge reichen hier bis ans Meer. Beim Ausstieg aus dem Zug empfängt mich sehr unfreundliches Wetter. So lege ich den Radanteil an der heutigen Etappe bei Dauerregen zurück.
Es bleibt noch eine Etappe von ca. 95 km, dann bin ich wieder dort, wo ich vor knapp zwei Wochen begonnen habe. Da wir das Hotel erst ab Sonntag wieder gebucht haben, werde ich morgen hier an dem Thermalbadeort noch einen Pausentag einlegen. Und vielleicht morgen wieder das junge Radlerpaar aus Berlin treffen.



Tag 16. 21.11.2024 Etappe 10 Yuli – Hualien, 94 km, 508 hm
Bewölkt, Nieselregen, 24 Grad
Ich wache früh auf, suche und finde auch gleich ein kleines Café, wo es ganz heißen Kaffee und kleine Croissants dazu gibt. Und schon kurz nach halb neun sitze ich wieder im Sattel. Dunkle Wolken hängen über den Bergen, aber es bleibt erst mal trocken. Der Gegenwind ist heute kaum spürbar. Es geht durch viele schnurgerade Alleen, gesäumt von alten Bäumen.

Später geht es auf einem breit ausgebauten Radweg entlang der Provinzialstrasse. Immer wieder überquere ich Brücken mit bis zu 2 km Spannweite. Die Flüsse sind zwar derzeit in ihrem Flussbett, die breiten Geröllfelder auf beiden Seiten lassen aber erahnen, wie gewaltig der Fluss nach einem Taifun anschwellen kann.



Immer wieder muss ich die Regenhose und Regenjacke anziehen, um sie wenig später wieder auszuziehen.
Die Besiedlung wird wieder dichter und der Verkehr nimmt wieder zu. Aber schon vor 14 Uhr bin ich heute am Tagesziel Hualin, das wieder am Pazifik liegt.
Da ich erst um 16 Uhr einchecken kann, fahre ich sofort zum großen Bahnhof in Hualin

Denn morgen muss ich erstmal für ca. 100 km den Zug nehmen. Die einzige Strecke, die über Klippen am Pazifik entlangführt ist durch Erdrutsche nach dem letzten Taifun vor zwei Wochen beschädigt und wird durch viele Kieslaster frequentiert. Nach kurzem Suchen finde ich im 3stöckigen Bahnhof den Ticketschalter und buche die Zugfahrt für morgen. Punkt 16 Uhr bin ich an einem kleinen Hotel und kann einchecken. Das Hotel ist nicht überragend, deckt aber meine Grundbedürfnisse. Es kostet umgerechnet 28 Euro. Allerdings ohne Frühstück. Aber zum Seven Eleven sind es nur 150 Meter. Und dort gibt es für umgerechnet 3 Euro einen guten Kaffee und Croissants.

Tag 15 20.11. 2024 Etappe 9 Taitun – Yuli, 84 km, 684 hm,
Sonnig, Gegenwind
Da es seltsamerweise in einem B&B kein Frühstück gibt, muss ich ein Kurzfrühstück im 7/11 einnehmen. Ich komme recht zügig weg, der Verkehr ist nur mäßig, viele Ampeln aber stehen auf Rot. So brauche ich doch eine gute halbe Stunde bis ich wieder auf den Hauptweg Nr. 1 stoße. Die Sonne brennt auf den Rücken und der Schweiß tropft. Es geht von Meereshöhe auf letztlich 400 m. Bei einem Reststop treffe ich 3 Radler, die auch auf Umrundung sind. Es sind zwei Engländer und ein Taiwaner. Der eine Engländer ist in Istanbul vor einem Jahr gestartet und inzwischen in Asien gelandet. In Südkorea hat er einen Landsmann getroffen und seit dem sind die beiden zusammen auf Tour.
Der Wind hat nachgelassen. Trotzdem bläst er manchmal ganz ordentlich von vorne. Aber das ist fast immer so auf Taiwan. Auf der Strecke vom Norden nach Süden kannst du mit komfortablem Rückenwind rechnen, auf der anderen Seite zurück nach Norden mit hartnäckigem Gegenwind.
Schon ziemlich früh bin ich heute am Ziel. Aber die Gastgeberin des gebuchten Homestays schickt mich zu einer Nachbarin, denn sie ist belegt.
Heute war ich viermal in einem 7/11 Shop. Dieser Shop ist genauso wie der andere namens Family Mart in jedem Ort zu finden. Er hat von morgens 7 Uhr bis nachts 11 Uhr geöffnet. Es sind kleine überschaubare Läden, die auch kleine Imbisse und Kaffee anbieten. Sie sind oft die Rettung für durstige oder hungrige Radler. Wenn abends um 7 Uhr schon alle Restaurants zumachen, gibt es dort auf jeden Fall noch was zu essen. Es war auch heute Abend die letzte Rettung.

Tag 14. 19. 11. 2024
Etappe 8 Checheng-Taitung, 115 km, 1384 hm, Starkwind, Gegenwind, bewölkt

Als ich morgens aufwache, höre ich immer noch das Heulen des Windes. Was soll ich machen? Unschlüssig gehe ich zum Frühstück. Gestern Abend sind noch 2 Radler im Hotel angekommen. Eine junge Frau und ein junger Mann aus Berlin. Der junge Mann ist Mexikaner. Ich frage sie, in welche Richtung sie fahren. In die gleiche wie ich. Sie wollen es trotz dem starken Wind riskieren. Ich schließe mich ihnen an. Die ersten 5 Kilometer sind grausam. Gegenwind und Seitenwind wechseln sich in nicht vorhersehbaren Momenten ab. Es ist schwer, das Rad in der Spur zu halten. Erst als die ersten Berge und Anstiege kommen, wird es besser. Glücklicherweise sind die Steigungen nicht allzu steil. Doch erst nach 38 km ist der höchste Punkt auf knapp 500 Meter erreicht. Die Straße ist in gutem Zustand, die dichte Vegetation reicht bis zum Straßenrand und auch darüber. Hier turnen Affen auf den Bäumen herum. Die Abfahrt ist dann grandios. Auf einer top ausgebauten breiten Straße geht es in gefühlt 100 Serpentinen nach unten. Es fühlt sich besser an als Achterbahn fahren. Unten am Pazifik angekommen heißt, jetzt auf der anderen Seite der Insel wieder Richtung Norden zu fahren. Was erst mal mit heftigem Gegenwind anfängt. Dazu kommen immer wieder längere Steigungen, bei denen man teilweise über dem Meer fährt. Kurz vor dem Etappenziel in Teitung treffe ich wieder meine beiden Leidensgenossen/innen. Wir verabreden uns zum Abendessen und einem kurzen Spaziergang durch die vorweihnachtlich dekorierte Stadt. Meine beiden Radbegleiter werden morgen einen Tag Pause einlegen wegen einem Vostellungsgespräch. Aber vielleicht werden wir ja irgendwo wieder treffen. Es hat Spaß gemacht mit den beiden. Und ich bin glücklich, diese Monsteretappe gut überstanden zu haben.



Tag 13. 18.11.2024
keine Etappe, Regen und Sturm
Die Wettervorhersage war eigentlich gar nicht so schlimm. Aber sie ändert sich stündlich. Ein bisschen Regen war vorhergesagt. Aber kein Sturm. Ich setze mich nach dem Frühstück auf das Fahrrad, drehe aber schnell wieder um. Es regnet, aber es wäre nicht das Problem. Doch der Starkwind mit Böen bis zu 100 km/h lässt mich mein Fahrrad nicht beherrschen. So bin ich leider schnell wieder im Hotel zurück. Und kann einen weiteren Tag bleiben.
Es bleibt mir nichts anderes übrig, als den freien Tag vom Wind geschützt im Zimmer zu genießen. Die Situation erinnert mich an die schlimmsten Tage in Patagonien. Ich hoffe, er wird morgen nachlassen….
Tag 12. 17.11.2024 Etappe 7
Donggang- Checheng, 64 km, 320 hm, sonnig, warm
Die Sonne scheint heute morgen schon vom fast wolkenlosen Himmel und reflektiert von den Dächern dieser Stadt. Gut zu sehen aus dem Fenster im 10. Stock unseres Hotels. Gestern haben wir noch unsere Bikekleider gewaschen und getrocknet. Es fühlt sich gut an, in frische Kleidung zu schlüpfen. Das Frühstück ist unterdurchschnittlich. Weder warm noch kalt. Nur der Kaffee verdient eine gute Note. Eigentlich wollen wir es heute ja gemütlich angehen lassen. Es ist nur der zweite Teil der gestrigen Regenetappe, den wir heute schaffen wollen. Gento will noch auf den bekannten Fischmarkt. Und dort noch frischen Fisch essen. Ich warte 300 Meter vor dem Markt auf ihn. Als er zurück kommt, schiebt er sein Fahrrad. Wieder ist der Mantel von der Felge. Vier Speichenbrüche, vier mal Plattfuß in einer Woche – Gento hat genug. Er will trotz gutem Zureden nicht mehr weiter fahren.
So trennen sich unsere Wege nach der Hälfte der Tour. Er plant, einige Tage in der Stadt am Pazifik zu bleiben und dann mit dem Zug zurück nach Taipeh zu fahren. Dort sollten wir uns am kommenden Sonntag wieder treffen.
Das ist zwar schade, aber ich kann es verstehen, dass bei so vielen Defekten der Spaß verloren gegangen ist.
Kurz vor 12 Uhr fahre ich dann alleine weiter. Es sind immerhin noch fast 64 km bis zum geplanten Etappenort. Den erreiche ich heute vor Anbruch der Dunkelheit und finde dann auch gleich eine ansprechende Unterkunft an der Strecke. Etwas nach mir kommen zwei Radtraveller in der gleichen Unterkunft an. Das Mädchen kommt aus Schweden. Der Junge aus Spanien. Sie kommen aus der entgegengesetzten Richtung. Daher können wir uns gegenseitig austauschen. So wie es aussieht, wird ihnen und mir auch ab Morgen Gegenwind das Radeln erschweren.




Tag 11. 16.10.2024 Etappe 6
Koahsiung – Donggang
53 km, 230 hm,
Starkregen-Regen -Starkregen, 25 Grad
Es hat ja gestern Abend schon angefangen zu regnen. Nachts kam noch ein Gewitter und Starkwind dazu. Während dem heute wieder kargen Frühstück überlegten wir uns, ob wir heute überhaupt losfahren sollen. Nachdem der Regen zwischenzeitlich nachgelassen hatte, entschlossen wir uns, mal loszufahren. Beziehungsweise wollten wir losfahren. Bei GentoS Leihrad war die nächste Speiche gebrochen. Doch wir hatten Glück. Eine kleine, unscheinbare Radwerkstatt war nur 400 m entfernt. Und der ältere Mann nahm sich sofort unserem Problem an. Offensichtlich hatte er schon öfter solche Probleme gelöst. Ohne dass Gento sein Gepäck abladen musste, zauberte er in der tiefen Hocke eine neue Speiche rein. Eine ältere Frau, die zufällig vorbei kam, spielte mit ihrem kargen Englisch Dolmetscherin. Als Gento den prompten Service bezahlen wollte, lehnte er energisch ab. Es war ihm scheinbar eine Ehre, uns helfen zu können.
So konnten wir unsere Regenfahrt schnell wieder fortsetzen. Wenn der Regen heftiger wurde, suchten wir ein Dach. Jedenfalls war die Regenkleidung innen und außen gleich nass. Denn bei 25 Grad kommst du unter der Regenhaut gleich zum Schwitzen. Trotz Regen und Grossstadtverkehr hatten wir noch Blicke übrig für die monumentalen Bauten und Meisterwerke von Brücken.




So wurde unsere Regenetappe mit Radreparatur doch noch mehr als 50 km lang. Zwar haben wir nur 2/3 der geplanten Tagestour geschafft, aber noch sind wir gut im Zeitplan. In Donggang am Pazifik haben wir jedenfalls eine gute Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Und morgen sollte das Wetter laut Wetterbericht wieder besser werden.
Tag 10. 15.10. 2024 Etappe 5
Chiayi-Kaohsiung, 125 km, 300 hm, sonnig, neblig, zum Schluss Regen
Nach einem 5gängigen Frühstück kommen wir nicht zügig weg. Es ist schon ordentlich warm, die Sonne scheint und meine Sonnenbrille fehlt. Also nochmals zurück ins Zimmer und suchen- ohne Erfolg. Später stellt sich heraus, dass ich sie gegen meine Gepflogenheit in den Rucksack gepackt hatte. Bei GentoS Rad schleift etwas. Später stellt sich heraus, daß es der Bremsbelag an der Felge war. Zu allem Überfluss geraten wir in eine Großbaustelle und das Navi führt uns danach im Kreis herum. Wir verlieren viel Zeit. Die uns zum Schluss der längsten Etappe fehlen werden. Und es ist letztlich so, dass die Dunkelheit und der Regen gleichzeitig einsetzen , ohne dass wir schon ein Zimmer haben. Unter dem Dach eines McDonald’s Imbiss buchen wir dann ein nicht zu weit entferntes Hotel. Die 5 km bei Dunkelheit, starkem Verkehr und Regen strapazieren unsere Nerven nach der langen Fahrt nochmal zusätzlich. So wird es heute fast 19.30 Uhr als wir einchecken.


Tag 9 14.11. 2024. Etappe 4
Sonne-Mondsee -Chiayia , 94 km, 340 hm, sonnig, später bewölkt
Der Tag fängt gut an. Frühstück gibt es heute morgen schon vor 8 Uhr bei Starbucks. Auf der Terrasse direkt am See gibt es Latte Macchiato bei Sonne, die gerade den Nebel über dem See durchbricht. Und zuhause hat es scheinbar zum ersten Mal geschneit in diesem Herbst… Hier haben wir schon morgens 25 Grad
Der Schock folgt aber schnell. Bei GentoS Leihrad sind am Hinterrad zwei Speichen gebrochen. In diesem Touristischen Ort am Mondsee gibt es zwar hunderte Bikeverleihshops, aber ein Reparaturservice zu finden, ist nicht einfach. Der erste repariert nicht, der zweite hat geschlossen und erst beim dritten, den mir Google empfiehlt, sieht es besser aus. Der sehr runde, aber freundliche Chinese schaut sich das Malheur an. Und sofort zeigt er seine Fertigkeiten- nämlich am Handy. Er telefoniert seinen Chefmechaniker herbei. Was sein Chef Zuviel um den Bauch hat, hat er Zuwenig. Dafür scheint er nicht zum ersten Mal Speichen gewechselt zu haben. Er packt mehrere Bündel Speichen aus, aber keine haben die richtige Länge. Und jetzt passiert etwas, was ich öfters schon in sogenannten Entwicklungsländern erlebt habe: Auch er ist ein Meister der Improvisation. Er baut einfach aus einem Rad in dem MERIDA-Bikeshop , das die gleiche Radgrösse wie GentoS Rad hat, einfach die Speichen aus und bei GentoS Rad ein. Dabei bemerkt er, dass noch eine weitere Speiche gebrochen ist. Auch die wird noch ausgetauscht, und nach der Zahlung strahlen alle über ihre Gesichter. Der Chinesische Shopbesitzer, weil er Kohle gemacht hat, ohne sich die Finger schmutzig zu machen, der Leidenschaftliche Mechaniker mit seinem Improvisationstalent und letztlich Gento, der schon die Hoffnung aufgegeben hatte, heute noch weiter fahren zu können. Sie geben uns noch auf den Weg, vorsichtig und langsam den nächsten Berg herunter zu fahren.



Es war gut, dass der Mechaniker uns gewarnt hatte, den Berg langsam herunter zu fahren. Fast unten angekommen, ereilt Gento der nächste Defekt. Wieder ist es der Hinterreifen, der von der Felge springt. Nach einem Schlauchwechsel geht es wieder weiter, in der Hoffnung, dass dieses zumindest für heute der letzte war. Und Gottseidank ist es so. In rasanter Fahrt geht es zurück auf den Radweg Nr 1 und nach weiteren 25 km haben wir das Tagesziel erreicht. Auch die Hotelsuche ist heute kein Problem, sodass wir wieder einmal vor Einbruch der Dunkelheit einchecken können. So endet der Tag versöhnlich bei einem guten Abendessen und einem Taiwa Beer.
Tag 8. 13.11. 2024
Rund um den Sonne-Mondsee, 30 km, sonnig warm
Nach dem anstrengenden gestrigen Tag gönnen wir uns heute einen halben Ruhetag. Wir genießen die Spazierfahrt mit den Besichtigungen verschiedener Tempel und anderen Sehenswürdigkeiten. Am Ende der Runde treffen wir noch eine Mutter mit ihrer Tochter aus Krumbach/Schwaben. Es tut mal richtig gut, wieder mit anderen Leuten schwäbisch „schwätzen „ zu können. Und beim Abendessen treffen wir nochmals auf die beiden und können unsere Konversation vertiefen.
Es tut gut, heute mal keine Unterkunft suchen zu müssen. Überhaupt war der Tag ohne Navigation und Verkehr sehr entspannend.




Tag 7 12.11. 2024 Etappe 3
Taichung – Sonne-Mondsee, 74 km, 920 hm, bewölkt, leichter Regen
Das Frühstück ist dürftig, der Kaffee kalt. Die Frühstücksdame wirkt desinteressiert. Von ihr ist heute keine Hilfe zu erwarten. Nach dem Frühstück steht die Entscheidung für uns an: Bleiben wir auf dem Unrundungskurs oder nehmen wir einen herausfordernden Abstecher zum Sonne-Mondsee ? Der liegt mehr im Landesinneren und auf 800 Meter Höhe. Unter Radlern gehört er scheinbar zu den „Must do“ Touren. Wir nehmen die Herausforderung an. Da wir die Tour von der Dauer her großzügig geplant haben, wird dieser Abstecher 2 zusätzliche Tage in Anspruch nehmen.
Nach einer knappen Stunde lassen wir den Großstadtverkehr von Taichung hinter uns. Der Verkehr lässt merklich nach, die Steigungen nehmen merklich zu. Die ganz kleinen Gänge kommen jetzt auch zum Zug und das feuchtheiße Klima lässt die Schweißtropfen im Wechsel mit den Regentropfen zu Boden fallen. Gento braucht eine kleine Pause, die ich nütze, um in einer Tourist-Info nach verfügbaren Unterkunftsmöglichkeiten am Sonne-Mondsee zu fragen. Die Frau dort versteht kein Englisch. Erst ein herbeigerufener jüngerer Mitarbeiter kann mir weiterhelfen. Das Problem war, eine Unterkunft schon hier zu buchen. Denn es wäre fatal gewesen, weitere 400 Höhenmeter hochgefahren zu sein und kein Quartier zu bekommen. So reserviert uns der junge Mann ein B&B Zimmer oben am See. Nach weiteren 90 Minuten Bergfahrt sind wir dann froh, kein Zimmer mehr suchen zu müssen. Die freundliche Frau erwartet uns schon und weist uns in das hochwertige, neue Zimmer ein.
Und gleich nebenan kommen wir in einem kleinen Restaurant noch in den Genuss eines guten Abendessens. Morgen werden wir dann zu der 33 km langen Umrundung des Sees starten. Wir sind gespannt, was die hochgepriesene Strecke an Überraschungen bringen wird…



Tag 6. 11.11.2024, Etappe 2
Es gibt sie doch- die Sonne auf Taiwan
116 km, 600 hm. Sonnig, 29 Grad, heftiger Rückenwind
Eigentlich hätte man in unserem Hotel den ganzen Vormittag mit Frühstücken verbringen können. Wenn man nicht mehr als 100 km vor den Reifen gehabt hätte….. So aber hieß es , früh wegzukommen, um den ganzen Tag nützen zu können. Nachdem wir die große Industriestadt Hsinchu hinter uns gelassen hatten, ging es erstmals direkt an den Pazifik. Leider ging es schon bald wieder herunter vom Pazifik-Bike-Highway und auf einer stark befahrenen Schnellstraße weiter. Unzählige Ampelstopps stoppten immer wieder unsere rasante Fahrt, begünstigt durch starken Rückenwind. Es mögen wahrscheinlich 70-80 Stopps gewesen sein, nach denen wir immer wieder mit dem Gepäck Fahrt aufnehmen mussten. Und dazu kam noch ein erster Pannenstopp von Gento. Auf seinem Giant Leihrad löste sich der Reifen von der Felge.
Trotzdem waren wir eigentlich recht früh an unserem Etappenziel in Taichung. Doch die Suche und die Navigation nach einem geeigneten Hotel gestaltete sich schwierig , sodass wir doch erst nach Einbruch der Dunkelheit einchecken konnten. Das Abendessen mussten wir heute im 9/11 zu uns nehmen. Die Imbisse hatten heute schon geschlossen.
Das 9 Eleven ist wie der Family Mart eine kleine Einkaufsmöglichkeit, wo es auch kleinere Gerichte und Kaffee gibt. Sie sind überall und unsere erste Anlaufstelle, wenn wir Wasser oder schnelle Kalorien brauchen.


Tag 5 10. 11. 2024
Einmal im Gegenuhrzeiger-Sinn um die Insel Taiwan
Etappe 1 Taipeh- Hsinchu, 86 km, 580 hm, 25 Grad, bewölkt, leichter Nieselregen
Jetzt geht es wirklich los, eine leichte Nervosität ist spürbar. Funktioniert es mit dem Leih-Rad von Gento? Bringen wir alles Gepäck unter? Nach einem schnellen Frühstück geht es kurz vor 10 Uhr los. Die ersten 30 km geht es wieder auf den schönen Uferradwegen leicht voran. Einziges Handicap am heutigen Sonntag ist ein Marathon genau auf der Strecke. Tausende Teilnehmer laufen in beide Richtungen. So ist hohe Aufmerksamkeit und viel Slalomfahren gefragt.

Und plötzlich sind wir auf einer normalen Autostrasse und es geht im geschäftigen Autoverkehr weiter. Die Straße steigt jetzt ständig und am Ende nimmt die Steigung nochmals zu. Doch es sollte nicht die letzte Herausforderung für den ersten Tag sein. Nach einigem Auf und Ab folgt noch eine intensive Steigung. Dabei haben wir auch ständig den Verkehr im Auge zu behalten. Doch der Lohn folgt umgehend: Die Abfahrt ist auf einer kleinen, fast verkehrsfreien Straße, mit dichtem, seitlichem Bewuchs, der einem Dschungel ähnlich ist.
Der Verkehr und die Besiedlung nimmt zum Schluss wieder zu. Trotzdem haben wir schon um 15.30 Uhr unser Tagesziel erreicht. Als erstes besichtigen wir dort den Gottes-Tempel, ein im Jahr 1891 erbautes Heiligtum, heute nationalhistorisches Denkmal.
Bis zu unserem Hotel sind es noch weitere 11 km durch den dichten Verkehr von Hsinchu. Aber wir erreichen es müde, aber vor Einbruch der Dunkelheit.


5. und 6. November 2024. Tag 1 und 2 Ankunft in Taiwan
Nach einer anstrengenden, fast 2 Tage langen Anreise sind wir planmäßig auf Taiwan angekommen. Sowohl der Zwischenhalt in Peking als auch die visapflichtige Einreise nach Taiwan gestaltete sich aufgrund der vielen Beschränkungen schwierig. Doch letztlich lief alles reibungslos, mit der Ausnahme, dass bei der Ankunft in Taipeh meine Tasche fehlte. Die freundlichen Mitarbeiter von Air China versicherten mir, dass sie die Tasche noch am selben Abend im Hotel nachliefern werden. Und das passierte wirklich. Nach dem Einchecken im zentral gelegenen Hotel im Stadtteil Shilin unternahmen wir noch einen Spaziergang zum ca. 1,5 km entfernen Nachtmarkt von Shilin.
Nachdem der Schlaf bei der Anreise zu kurz gekommen ist, wachten wir heute erst kurz vor 10 Uhr auf. Heute hieß es, erstmal für Gento ein geeignetes Rad zu finden. Nach langem hin und her gelang es uns, ein geeignetes Fahrrad zu finden, allerdings erst m 10.11. Das sind zwei Tage später als geplant. Da wir die Zeit aber großzügig geplant hatten, war das das kleinere Problem. Eine Hotelverlängerung war aber nicht möglich, sodass wir vor dem Start zur Rundfahrt nochmals ein anderes Hotel finden müssen. Was für Wochentage anscheinend kein Problem ist, wohl aber über das Wochenende.
Nachdem ich gesehen habe, wie schwierig es ist, ein adäquates Rad zu finden, bin ich froh, mein eigenes mitgenommen zu haben. Heute Nachmittag baute ich es zusammen und machte es reisefertig. Eigentlich wollte ich noch eine kleine Probefahrt entlang des Keelung Rivers machen. Doch die hereinbrechende Dunkelheit überholte mich, bevor ich auf dem Rad saß. So werde ich erst morgen die ersten Kilometer auf Taiwan abspulen können. Bei hoffentlich trockenem Wetter.
Apropos Wetter: Die Sonne haben wir scheinbar zuhause gelassen. Sie lässt sich – bisher – hier fast gar nicht blicken. Dafür ist es trotz der Bewölkung und kurzen Regenschauer mit weit über 20 Grad gemütlich warm.
Gento hat sich heute von Taiwanesischen Frisörinnen verwöhnen lassen. In eineinhalb Stunden haben sie ihm eine standesgemäße Tsan-Kai-Tscheck Inselfrisur verpasst. Trotzdem hat er sich nochmals auf den Nachtmarkt getraut…




Tag 2. 7.11. 2024
Erste Kilometer auf dem Rad
Kaum verlässt ihr das Land- gerät alles außer Rand und Band. Schreibt mir Brigitte. Und sie meint damit wohl, jetzt wo wir uns ca. 8000 km von unserem Heimatland entfernt haben, wissen sie in der Politik nicht mehr, wie sie weitermachen sollen. Aber so ist das halt: In manchen Ländern wird die Regierung gestürzt, in anderen Ländern stürzen sie sich selbst. Hier auf Taiwan sind wir weit weg und die Gedanken kreisen um banalere Dinge wie Radfahren und die Verdauung umstellen auf gute, aber ungewohnte chinesische Kost.
Wieder wachen wir spät auf und das Frühstück wird zum Mittagessen. Nach dem flottmachen der ungleichen Räder, mein Gravel-Bike und Gentos City-Limousine mit Einkaufskörbchen sind wir auch gleich auf dem wunderschönen Keelung-River Radweg, der uns an mehreren Stadtteilen Taipehs vorbei führt. Immer wieder tropfen aus den dunklen Wolken kleine Regentropfen, die aber dank den warmen Temperaturen von 22 Grad sofort auf der Haut verdunsten. Auf der anderen Flussseite geht es dann wieder zurück. Am Horizont kämpft die Abendsonne kurz vor ihrem Untergang nochmals gegen die dunklen Wolken an. Aber kurz darauf scheint es, dass jemand den „aus“ Knopf gedrückt hat- es ist stockdunkel. Und wir sind froh, ein Licht dabei zu haben. Aber es sind nur noch wenige Minuten, dann haben wir unseren gut beleuchteten Stadtteil Shilin erreicht. Am Ende der Eingewöhnungstour haben wir dann doch 40 km zurückgelegt und einen entsprechenden Appetit, der sich mit einer doppelten Portion chinesischem Abendessen gut bekämpfen lässt. Heute mal mit gewohntem Werkzeug- nämlich mit Gabel und Löffel. Auch heute wird Gento wieder den Nachtmarkt besuchen, während ich die nächsten Tage plane.
Heute Abend haben wir organisiert, dass wir nach der Inselumrundung wieder in dieses Hotel einziehen können und solange unser Gepäck- Radkarton und Reisekoffer hier deponieren können. So werden wir morgen den Umzug in das andere Hotel- knapp 4 km entfernt- mit dem Rad machen können.



Tag 3 8.11.2024
Hotelwechsel
Leider müssen wir unser Zimmer im Archess-Hotel erstmal verlassen. Da wir ja morgen zur Inselumrundung starten wollten, hatte ich nur für 3 Tage gebucht. Nachdem wir aber jetzt erst 2 Tage später starten können, weil Gento erst ab Sonntag ein Leihfahrrad bekommt, mussten wir uns für 2 weitere Tage eine Unterkunft organisieren. Dazu suchten wir uns ein Motel aus, das nicht zu weit vom bisherigen Standort entfernt und zugleich ein guter Ausgangspunkt für unsere Inselumrundung ist.
So hieß es schon vor dem Frühstück alles einzupacken und mit dem Rad ins andere Hotel umzuziehen. Eigentlich hätten wir da erst um 18 Uhr einchecken können. Doch gegen Zahlung einer kleinen Gebühr durften wir schon am frühen Nachmittag einchecken.
Da ich außerhalb des WLAN keinen Internet-Zugang habe, wollte ich mich um ein portables Wifi bemühen. Doch der angepeilte Shop hatte wegen Dismanagment, wie mir ein Nachbar erklärte, geschlossen. So musste ich umdisponieren und mir die Datennutzung durch eine e-Simkarte sichern.
So wurde es heute nichts mit einer weiteren Aufwärmrunde. Diese mussten wir auf morgen verschieben.


Tag 4. 9.11.2024
Mit dem Rad ins Zentrum Taipehs
Immer noch tun wir uns schwer, morgens aus dem Bett zu kommen. Eigentlich wollten wir unsere heutige Tour früh starten, denn die kombinierte Rad- und Sightseeingtour verspricht, viel Zeit in Anspruch zu nehmen. Und außerdem gibt es heute in unserem Motel ein Frühstück, das wir uns nicht entgehen lassen wollen.
Die Temperaturen sind heute nochmals um 5* höher als bisher. Und die Luftfeuchtigkeit ist natürlich mitgestiegen. Immer wieder nieselt es leicht, die Feuchtigkeit verdunstet aber noch auf der Haut.
Während wir im ersten Teil unserer Tour wieder entspannt dem schönen Radweg am Fluss entlang rollen können, werden wir uns im zweiten Teil dem heftigen Verkehr einer Großstadt stellen müssen. Doch schnell haben wir uns der Fahrweise der heimischen Autofahrer und vor allem der zahlreichen Motorroller- und Motorradfahrer angepasst, sodass der Adrenalinspiegel sich bald wieder normalisiert.
Und überraschend schnell stehen wir vor den gläsernen Fassaden der Hochhäuser, überragt vom Taipeh Tower, bis 2007 mit 508 Metern Höhe das höchste Gebäude der Erde. Wolken verdecken immer wieder den oberen Teil des Towers.

Vielleicht werden wir am Ende der Tour uns mit dem 60 km/h schnellen Lift nach oben heben lassen. Und im 33. Stock die deutsche (nicht diplomatische) Auslandsvertretung besuchen.
Weitere Sehenswürdigkeiten unterbrechen immer wieder die kurzen Radabschnitte. Dies sind z.B. die City Hall, der Da‘an Park als grüne Lunge, die Universität mit ihrer palmenbesäumten Allee vor dem Haupteingang und die großzügigen Sportanlagen für alle denkbaren Sportarten. Übrigens sind hier alle paar Kilometer schöne Rebound Ace Tennisplätze zu sehen. Und auf denen wird auch immer gespielt.
Im dritten Teil der Tour geht es auf der anderen Seite auf schönen Radwegen wieder zurück. Diese und auch die vielen Sportanlagen sind besonders heute, am Samstag, sehr stark frequentiert.
Und wieder überrascht uns die Dunkelheit, bevor wieder im Motel zurück sind. Obwohl die Straßen und auch die Radwege gut beleuchtet sind, ist es beruhigend, ein gutes Licht am Fahrrad zu haben.
Nach 4 Tagen auf der Insel glauben wir, ein Zwischenfazit ziehen zu können. So fällt uns auf, dass alles sehr sauber ist. Kein Müll auf den Straßen oder daneben. Obwohl es nirgendwo, auch auf Märkten oder in Parks, Mülleimer gibt. Alle scheinen ihren Müll zu Hause zu entsorgen. Auch in Supermärkten gibt es keine Mülltüten.
Obwohl der Taifun vor wenigen Tagen große Schäden angerichtet hat, sind fast alle Spuren beseitigt. Nur vereinzelt liegen noch aufgehäufte Äste und Bäume am Wegesrand. Auch sind die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit. Wenn du länger als 2 Minuten auf dein Navi oder eine Karte schaust, sind sie da und fragen, ob sie helfen können. Auch im dicksten Verkehr bleiben sie entspannt, kein Gängeln oder drängen. Die Zebrastreifen gehören sowohl den Fußgängern wie den Radfahrern. Trotz den teils 4spurigen Straßen kommt keine Hektik auf.
Jetzt müssen wir uns nochmals ins Getümmel stürzen und beim Radverleiher Gentos Fahrrad abholen. Denn am Sonntag öffnet er erst um 12 Uhr und wir kämen erst einen Tag später auf unsere Tour.
Wenn alles gutgeht, können wir morgen zu unserer Insel -Umrundung starten.



