Antigua

18.3. 2018 Antigua

Ausgeruht und gut erholt von den Strapazen des Vortages nehmen wir die Halbetappe nach Antigua unter die Räder. Hermann hat gestern nochmals beide Räder gewartet und meine erlahmte Kette nachgespannt und geölt. Die Absicht, diese wenigen Kilometer im Großraum Guatemala Stadt und Antigua am Sonntag zu machen, geht voll auf. So hält sich der Verkehr in Grenzen und keine Trucks blasen uns die Abgaswolken ins Gesicht. Es reichen aber auch die unzähligen bunten Guatemala-Busse, die fast im Minutentakt an uns vorbeiziehen.  Erst in San Pedro Sacatepequez wird es ruhiger, es begegnen uns viele Jogger – es scheint ein Volkslauf im Gange zu sein. Die Landschaft wandelt sich wieder. Hier wird viel Gemüse angebaut. Nochmals ein letzte Steigung vor San Lucas – wir sind weiter über 2000 m unterwegs – dann geht es auf gut ausgebauter Schnellstraße ziemlich steil nach unten. Hermann muss mehrmals anhalten, um die Felgen zu kühlen. Es sind immerhin 645 hm und 42 km, die wir heute zurückgelegt haben.

Antigua versetzt uns erstmals einen Schock. Alle Straßen in der Ortschaft sind hier antik – es scheint, dass es noch die gleichen Mulipfade sind wie vor 400 Jahren. Hier fährt kein Auto mehr als 20 km/h – wenn er die Stoßdämpfer nicht schrotten will. Hier sind meine breiten Reifen wieder sehr komfortabel.

Schnell haben wir ein Hotel gefunden – das Casa Antigua. Es besitzt wie die meisten Hotels hier – einen atemberaubenden Innenhof – schattige Balustraden, Palmen, Blumen, Pflanzen.

Antigua wurde durch mehrere Erdbeben schwer zerstört. Das schwerste war 1773, es folgten weitere 1970 und 1977. Dabei wurde das Wahrzeichen Antiguas zerstört und mit UNESCO-Hilfe wieder restauriert. So ist Antigua  eines der ersten Weltkulturerben der UNESCO.

Das Leben pulsiert hier an diesem Sonntag, eine Woche vor der Karwoche, unglaublich intensiv. Viele Menschen haben sich die Lila-Tracht übergezogen und prägen das Bild dieser Stadt. Bereits heute werden Straßen gesperrt, um sie mit Blumen zu schmücken. Die Karwoche in Antigua soll eine der einprägendsten  Erlebnisse überhaupt sein.

Am Nachmittag unternehme ich einen Spaziergang zur Kathedrale La Merced – eine der imposantesten Bauwerke hier. Und im Hintergrund erhebt sich der mächtiger Vulkan Aqua

Ich habe in Süd- und Mittelamerika jetzt schon viele koloniale Städte gesehen – doch Antigua toppt sie alle. Hier kannst du spanische Kolonialgeschichte auf Schritt und Tritt inhalieren. Wir werden morgen an unserem Ruhetag noch viel zu besichtigen haben. Freue mich jetzt schon auf das Abendessen in einem der vielen tollen Restaurants.

Die Etappe: San Juan Sacatepequez – Antigua, 42 km, 645 hm, 4:15 St. Unterwegs, 32° Temp. Max. Hotel Casa Antigua

 

 

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19.3. 2018 Feliz Cumpleanos, Brigitte

Heute feiert meine Frau Brigitte, etwa 12 000 km entfernt von mir, Geburtstag. Trotzdem fühlen wir  uns an diesem Tag sehr nah! Es ist sicher nicht leicht, 3 Monate auf den Partner verzichten zu müssen. Vielen Dank für Dein Verständnis.

Hermann und ich gehen den Tag sehr relaxt an. War gestern noch der große Menschenauflauf in der Stadt, so ist heute Ruhe eingekehrt. Gestern Abend noch konnten wir einer ersten Semanasanta-Prozession beiwohnen. Weihrauchschwaden und  schwere, sentimentale Blechmusik hingen über den Pflasterstraßen Antiquas. Die Heiligenfiguren drückten schwer auf die Schultern der Männer und Frauen, die sie würdevoll durch die Gassen trugen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück in einem der vielen tollen Cafes und Restaurants in dieser Stadt, unter nahmen wir eine ausgiebige Besichtigungstour, um die vielen Kirchen, Paläste und  von den vielen Erdbeben übriggebliebenen Ruinen zu besichtigen. Das Highlight war dann eine kleine Wanderung auf einen Mirador oberhalb der Stadt. Von hier konnten wir uns einen Überblick über diese  geschichtsträchtige Stadt verschaffen. Und im Hintergrund war trotz den Wolken der Vulkan Aqua sichtbar.

Wir haben uns entschlossen, morgen nochmals einen Ruhetag  anzuhängen. Diese faszinierende Stadt lässt uns noch nicht los.

Dafür werden wir dann am Mittwoch mit dem Rad in Richtung Lago Atitlan aufmachen – einem weiteren Höhepunkt unserer Reise.

Habe gestern mit Siemen, dem Belgier Kontakt aufgenommen. Wir wollten uns ja hier in Antigua treffen. Sie sind auch hier, allerdings leidet seine Partnerin Jana seit zwei Tagen an hohem Fieber und sie waren gestern noch im Krankenhaus für einen Bluttest. Ich werde ihm heute nochmals eine Mail zukommen lassen.

 

 

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20.3.2018  Relaxen in Antigua

Heute haben wir uns außer essen und trinken nichts vorgenommen – wir wollen einfach in unserem botanischen Garten vor der Zimmertüre relaxen. Und uns nochmals von den tollen Angeboten der Restaurants und Cafes verführen lassen.

Allerdings habe ich etwas „Bauchweh“ bekommen beim nochmaligem Durchlesen der aktuellen Seite des Auswärtigen Amtes betreffs Sicherheit in der Region Lago Atitlan. Dort wird geraten, sich mit der guatemaltekischen Sicherheitsbehörde in Verbindung zu setzen. Das tun wir auch. Schnell habe ich die Adresse in Google Maps gefunden.  Es sind nur 800 m von unserem Hotel aus. Ein freundlicher Beamter empfängt uns. Er rät uns dringend ab, die von uns gewählte Route zu fahren. Wir sollten sicherheitshalber auf der Hauptroute bleiben. Diese bedeutet jedoch eine längere Strecke, mehr Höhenmeter und mehr Verkehr. Da der Atitlan-See eigentlich nicht auf unserer Reiseroute liegt, haben wir umgeplant und werden ihn morgen doch mit dem Bus anfahren. Das wird ein langer Tag. Wir starten um 5.30 Uhr und kommen um ca. 7.30 Uhr abends zurück.

Dafür können wir dann auf unserer Hauptroute Richtung San Salvador bleiben und die Grenze schon am Freitag erreichen. Die Entscheidung fiel uns nicht leicht. Aber dieser Beamter von INGUAT hat uns dringend von unserer geplanten Tour abgeraten

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21.3.2018 Zum Lago Atitlan

Der Wecker klingelt wieder einmal schon vor 5 Uhr. Um 5.30 Uhr ist die Abfahrt mit dem Shuttlebus zum Lago Atitlan geplant. Es dauert eine Stunde, bis alle eingesammelt sind. Das bedeutet 1 Stunde lang im Minibus auf den groben Pflastersteinen auf nüchternen Magen durchgeschüttelt zu werden.

Auf den rund 130 km zum Atitlan-See versucht der guatemaltekische Fahrer dann, die verlorene Zeit wieder „einzufahren“. Wieder einmal verstärkt sich mein Eindruck, dass die Lateinamerikaner eigentlich relaxte Menschen sind. Aber nur solange sie nicht am Steuer eines Autos – oder wie sich noch herausstellte – eines Schiffes sind.

Der Lago Atitlan gilt als einer der schönsten Binnenseen weltweit. Das besondere ist aber eigentlich nicht der See, sondern die sich dahinter auftürmenden Vulkane.

Wir steuern mit dem Boot die drei  Dörfer San Juan, San Pedro und Santiago  – am See gelegen – an.  Alle drei Dörfer sind voll auf Tourismus getrimmt. Ziemlich penetrant versuchen die zahlreichen Verkäufer, ihre Waren an die Touristen loszuwerden.

Am Nachmittag geht es dann in einer halbstündigen Fahrt zurück nach Panjachel. Der Wind hat aufgefrischt und das kleine Boot springt von Welle zu Welle, mit einem dumpfen, harten Aufprall dazwischen. Dem Bootsführer scheint es zu gefallen – wir werden ordentlich durchgeschüttelt.

Nach einer langen Busfahrt bei teils dichtem Verkehr kommen wir spät zurück ins Hotel.

Wir sind froh, nach einigen Fahrrad-Abstinenztagen morgen wieder im Sattel zu sein.

 

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22.3. 2018  Der Vulkan Acotenango sendet uns Rauchzeichen

Endlich wieder im Sattel – es geht uns beiden gleich. Der Busreisetag gestern war anstrengend. Wir haben beide gut geschlafen. Wehmütig verabschieden wir uns von der Hotelleitung und von Antigua – nicht ohne noch ein gutes Frühstück in unserem Lieblingsrestaurant genossen zu haben.

Der Verkehr ist angenehm ruhig heute morgen. Bis Ciudad Viejo ist eigentlich alles dicht besiedelt, trotzdem kommen wir gut vorwärts. Jetzt geht es zwischen den beiden Vulkanen Aqua und Acatenango durch. Ein Blick hoch – und wir glauben unseren Augen nicht zu trauen. Der Acatenango  stößt gewaltige Rauchwolken aus. Einmal sogar speit er Lava, das dann brennend den Hang hinunterkullert. Immer wieder halten wir an, wenn er wieder Rauchsignale sendet. Das ist sicher 6-7  so. Andererseits sollten wir die Straße beobachten. Es geht immer mehr oder weniger bergab mit teils heftigem Rückenwind. Wir sind mehr am bremsen als am Kurbeln. Bei einer Abfahrt übersehe ich prompt ein „Tumulo“ (Bumb) Es ist nicht gekennzeichnet. Ich habe es meinem stabilen Rad zu verdanken, dass ich nicht stürze. Ich kann es gerade noch mit den über 20 kg Gepäck beherrschen.

Unweigerlich muss ich an Jörg Baldauf denken, der ja vor 2 Jahren in Peru an einer solchen Stelle nicht so viel Glück hatte und übel stürzte. Ich nehme mir vor, wieder besser aufzupassen. Auch von Hermann bekomme ich einen „Anschiss“ . Nach geschätzten 1349 Tumulos wird man leichtsinnig und übersieht das 1350te. Das viele Bergabfahren bedeutet natürlich auch, dass wir von 1500 m jetzt auf 300 m sind. Das spüren wir schnell an dem Thermometer, das weit über 40° klettert.

Nach 94 km können wir einem Hinweisschild nicht widerstehen. Es deutet auf  ein Hotel mit Swimmingpool, schattigem Garten, Internet und kühlem Cerveza hin.

Morgen werden wir die letzten Kilometer in Guatemala nochmals genießen, bevor wir die Grenze zu El  Salvador erreichen.

 

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