Bogota

8.2.2018    Bogota

 Wir haben gestern noch einen VW-Transporter für heute 9 Uhr beim Busterminal gebucht. Pünktlich sind wir dort und alles klappt wie am Schnürchen. Wir haben den 8-sitzer ganz für uns. Das brauchen wir auch. Bis die Räder und das Gepäck verladen sind, ist der Kleinbus voll. Der Fahrer ist so wortkarg wie er schnell fährt. Eigentlich hätten wir es gar nicht so eilig gehabt. Aber dieser VW hatte es dem Fahrer wohl angetan. Bei uns wäre er auf den gut 100 km wohl 10mal den Führerschein los gewesen. Fast die ganze Strecke war Autobahn, aber das darf man nicht mit einer deutschen Autobahn vergleichen. Das einzige was gleich ist: Es gibt keinen Gegenverkehr, also zwei getrennte Fahrbahnen.  Aber es gibt Ortsdurchfahrten, Zebrastreifen und Bushaltestellen. Rechts überholen ist Standard. Nach gut 3 Stunden stiegen wir ziemlich gestresst am Busterminal in Bogota aus. Jetzt hatten wir noch ca. 10 km mit dem Rad durch den Stadtverkehr zu navigieren. Dies war weniger anstrengend als die Busfahrt. Viele Radwege, Fußgängerbrücken über Kreuzungen und gesitteter Verkehr erleichterten uns die Fahrt ins Herz Bogotas zur Calendaria /Altstadt. Hier erwartete uns im Hotel Gran Park schon freundliches Personal und ein nicht mehr gewohnter Luxus.

Morgen werden wir Torsten Trempin treffen um mit ihm das weitere Programm in Bogota und danach zu besprechen. Er arbeitete früher bei Miller-Reisen und war mit Manuel Federau befreundet. Jetzt ist er Miteigentümer einer Reise-Agentur in Bogota.

 

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9.2. 2018
Heute seit langer Zeit mal kein Rührei mit Würstchen und Reis, sondern im Hotel Gran Park ein Frühstücksbüffet, für das manche sogar einen Urlaub buchen sollen. Wir genießen es und auch Urlaubsgefühle kommen heute auf. Es zeigt sich, dass die Lage des Hotels günstig gewählt ist. In zwanzig Minuten Fußmarsch sind wir an der Talstation des Montserate-Schrägaufzuges. Nach einer halben Stunde anstehen geht die außergewöhnliche Fahrt auf 3150 m des bekannten Aussichtsberges von Bogota – den Montserate. Schon von unten sieht man die leuchtend weiße Kirche, deren Turm in den blauen Himmel ragt.
Die Aussicht von oben auf die 9 Millionenstadt ist gigantisch. Wir haben Glück, die Sicht ist klar, was nicht immer der Fall ist. Oft verschwindet die Stadt in einer Dunstglocke. Trotz der Höhe ist alles Grün und Sträuche, Bäume und Blumen leuchten in allen Farben.
Die Stimmung ist trotz der vielen Leute sehr entspannt. Wir genießen den Ausblick mehr als eine Stunde, bevor uns wieder der Lärm der Großstadt einfängt. Mit dem Taxi geht es ins Goldmuseum. Wahrscheinlich hat noch keiner von uns so viel Gold in allen Facetten gesehen. Wir versuchen zu verstehen, welche Rolle dieses Edelmetall in Südamerika und speziell in Kolumbien gespielt hat. Wieviel davon ist jetzt auf unserem Kontinent? Wie viele Menschen mussten dafür ihr Leben opfern?
Nachmittags fahren wir mit dem Taxi zu Torsten Krempin, der bei Miller-Reisen in Schlier eine Lehre zum Reisekaufmann absolviert hat und seit 22 Jahren eine eigene Reiseagentur in Bogota hat. Gerne erinnert er sich an die Zeit in Schlier zurück. Er gibt uns wertvolle Tipps für die weitere Reise nach Cartagena. Für die Hinfahrt benötigen wir mit dem Taxi für ca. 15 km Stadtfahrt eine Stunde und 15 Minuten. Für die Rückfahrt nur 45 Minuten. Nicht weil der Verkehr nachgelassen hat, sondern weil wir wieder mal einen Taxifahrer haben, der sich für Ayrton Senna hält. Nach dem Motto: Wer 25 cm Platz lässt, ist selber schuld. Das ist wie Boxauto fahren auf der Kirmes.
Da wir den autofreien Sonntag für die Weiterfahrt nützen wollen, haben wir morgen nochmals einen „Urlaubstag“ eingelegt. Am Sonntag ist wie in vielen südamerikanischen Großstädten „CICLOVIA“. Das heißt, da gehören die Straßen den Radfahrern.

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10.2. 2018

Diesen „Urlaubstag“ nützen Michael und Herbert, um mit dem Rad eine ca. 40 km Runde in den angrenzenden Bergen um Bogota zu drehen.  Ganz begeistert kehren sie zurück. Kaum zu glauben, dass man aus einer solchen Millionenstadt heraus tolle und ruhige Radtouren machen kann. Sie waren wohl nicht die einzigen unterwegs. Viele Bogotaner waren vor allem mit ihren Rennrädern unterwegs. Man kann wohl von der Fahrrad-Hauptstadt Südamerikas sprechen.

Ich nutzte den Vormittag, um mein und Herberts „Übergepäck“ bei der Transportfirma Servientrega aufzugeben. Da wir die Campingausrüstung auf dem letzten Teil der Reise nicht mehr brauchen werden, fahren wir mit rund 5 kg weniger nach Cartagena.

Außerdem habe ich jetzt endlich einige Sportgeschäfte gefunden, die das offizielle Trikot der kolumbianischen Nationalmannschaft verkaufen. Ich habe mir natürlich das von James mit der Nummer 10 gesichert.

Nachmittags unternahmen wir dann zusammen einen Spaziergang durch den botanischen Garten und zum Museum der modernen Künste. Wir waren sehr beeindruckt von der fast überbordenden Kreativität der jungen Kolumbianer.

Zum letzten Mal können wir uns auf das komfortable Hotel freuen, bevor es morgen wieder in die Provinz geht.

11.2.2018
Nach einer komplizierten Abrechnung der Frühstücke im Hotel kann es endlich losgehen. Sofort sind wir mitten im Ciclocvia. Wie in vielen anderen südamerikanischen Städten sind auch in Bogota jeden Sonntag viele Straßen gesperrt für Radfahrer. Ich habe solche Ciclovias schon in Quito und Santiago erlebt. Aber sowas wie in Bogota habe ich noch nicht gesehen. Da sind die Stadtmarathons in Berlin oder New York Kirmesveranstaltungen gegen den Ciclovia in Bogota. Geschätzte 1 Million Menschen, von Kleinkindern bis zum 85jährigen Radrennfahrer, nützen jeden Sonntag die Gelegenheit, auf bis zu 25m breiten Straßen zu radeln, zu joggen oder zu inlinern. Ca. 25 km lang sind wir Teil dieser Veranstaltung. Dann sind wir am Nordrand dieser 9Millionenstadt. Jetzt geht es wieder im normalen Verkehr weiter. Das erste Ziel ist Zipaquira mit seiner berühmten Salzkathedrale. Eigentlich müssten wir uns am Eingang in der Schlange anstellen, denn heute am Sonntag ist dieses kolumbianische Heiligtum Ziel vieler in- und ausländischer Touristen. Wir machen dem Personal klar, dass wir mit dem Rad da seien und noch weiter müssten. Es klappt, wir dürfen nach vorne. Diese Kathedrale ist tief in einem Salzbergwerk. Viele Gänge in dem Salzstollen führen zu einer beeindruckenden Kathedrale. Dies ist auch ein Wallfahrtsort für viele Katholiken. So ist auch ein Kreuzweg Jesu angelegt. Tief beeindruckt von diesen unterirdischen, religiösen Kunstwerken verlassen wir nach gut 90 Minuten die unterirdischen Gänge.
Nach einem Mittagessen geht es weiter auf den zweiten Teil dieser Etappe. Da wir den zweiten Ruhetag in Bogota wieder reinholen müssen und der verbleibende Zeitplan ziemlich eng ist, haben wir uns entschlossen, noch bis Ubate` weiterzuradeln. Das sind nochmals 42 km mit einem 500 hm langen Anstieg auf letztmals über 3000 m. Knapp vor Dunkelheit erreichen wir ziemlich ausgepumpt Ubatè.
Die Zahlen: 96 km, 700 hm, 9 Stunden unterwegs, max. 28° Temperatur

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12.2.2018
Jetzt hat es mich also doch noch erwischt. Musste nachts mehrere Male die Toilette aufsuchen wegen Durchfalls. Eigentlich dachte ich, dass sich meine Verdauung den südamerikanischen Verhältnissen angepasst hat. Gottseidank habe ich in meiner Reiseapotheke Immodium-Tabletten.
Lange berieten wir die Strecke nach Villa de Leyva, unserem heutigen Etappenziel und Ziel vieler Touristen. Fast jede Reisegesellschaft hat diese ursprüngliche Kolonialstadt in ihrem Programm.
Den weiteren, aber durchweg asphaltierten Weg über Chiquinquira wollten wir nicht nehmen, da wir den starken Verkehr ohne Seitenstreifen fürchteten. So mussten wir auch gestern einige Male die Flucht aufs teilweise 30cm tiefere Bankett wählen, wenn uns Trucks oder Busse einfach den Weg abschnitten.
Die Alternative war kürzer, aber über 50 km üble Piste. Trotzdem entschieden wir uns für diese Variante, was sich bald als Fehlentscheidung zeigte. Der Untergrund war grausig, viele Trucks unterwegs, die uns immer wieder in Staubwolken verschwinden ließen und trotz Navi kamen wir von der Route ab. So blieb nur eine Möglichkeit: Umkehren und auf die offizielle, asphaltierte Straße zurück. Total verstaubt kehrten wir nach knapp 2 Stunden und 18 km an den Stadtrand von Ubatè zurück.
Wie falsch die Entscheidung war, sahen wir auf den 50 km nach Chiquinquira. Kaum Verkehr und eine herrliche Strecke, vorbei an Lagunen.
Inzwischen war es 14 Uhr und wir waren noch knapp 50 km von unserem ursprünglichen Etappenziel Villa de Leyva entfernt.
So entschlossen wir uns, in Chquinquira zu bleiben und eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Voraussichtlich werden wir morgen vormittag dorthin radeln. Oder wir lassen es ganz weg, da es eigentlich nicht auf unserer vorgesehenen Route liegt.

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13.2.2018

Haben gestern Abend noch Milton kennengelernt. Er arbeitet als Maler im Gran Hotel, wo wir übernachteten. Er wollte uns noch die mächtige Kathedrale von Chiquinquira zeigen. Wir waren sehr beeindruckt von diesem mächtigen Bauwerk, um einiges größer als die Basilika in Weingarten. Danach lud er uns zu einem Cerveza ein. Es wurden mehrere. Er klärte uns auf, dass diese Stadt die kolumbianische Metropole für Smaragde ist. Wir konnten uns davon überzeugen beim Besuch mehrerer Geschäfte, die diese verarbeiteten oder verkauften. Wir fragten ihn, wie wir unsere Pläne am besten verwirklichen konnten: Villa de Leyva besuchen und anschließend einen Bustransfer nach St. Gil. Sofort hatte er sein Handy zur Hand und telefonierte mit seinem Amigo. Und prompt hatten wir die Lösung: Sein Freund Nestor würde uns morgen früh zuerst nach Villa de Leyva fahren, anschließend zum Hotel zurück, den Fahrradträger montieren und uns dann nach St. Gil fahren. Das war ein Angebot, dem wir nicht widerstehen konnten. Auch der Preis war okay. Das Ganze würde jeden 50€ kosten für mehr als 300 km Fahrt. Wir verabredeten uns auf 7.30 am nächsten Morgen.

Und ganz entgegen südamerikanischen Gepflogenheiten stand sein Freund Nestor pünktlich mit seinem Mazda 2 vor dem Hotel.

Er fuhr mit uns nach Raquira und Villa de Leyva, beides imposante Reiseziele fast jeden Kolumbien-Reisenden. Zwar hat der Kommerz auch hier mächtig Einzug gehalten, aber irgendwie haben beide Städte ihren kolonialen Charme nicht verloren. Diese  Art der Bauweise mit den vielen Holzbalkonen und den herrlichen Innenhöfen habe ich sonst nur in Cusco/Peru gesehen. Hier in diese Orte bringen auch die vielen Touristen keine Hektik – alles ist tranquillo.

Nach einer kurzen Mittagpause verluden wir die Räder auf den inzwischen montierten Fahrradträger, was sich nicht ganz einfach gestaltete. Würde der die Fahrt überstehen? Schon beim ersten „Pump“ war ein Schlag zu hören und das Auto hatte eine Delle im Koffe

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rraumdeckel. Doch danach ging es ganz gut. Auch aufgrund der sehr sicheren Fahrweise von Nestor.

Die Fahrt war  für ihn zwar anstrengend, wir konnten uns jedoch an der tollen Landschaft mit vielen Canyons erfreuen.

Nach genau 4 Stunden Fahrt waren wir sogar noch eine Station weiter als St. Gil gefahren. Ansonsten wäre morgen die Etappe durch den Chicamocha-Canyon nicht möglich gewesen. Diese wird uns zwar nochmals alles abverlangen. Aber wir sind jetzt fest im Zeitplan. Am 19. Februar, zwei Tage vor dem Rückflug von Herbert und Michael wollen wir ja in Cartagena sein.

 

 

3 Kommentare zu „Bogota

  1. Wunderbar anschauliche Texte und Bilder. Es ist eine Freude, mit euch die Reise miterleben zu dürfen. Zum Thema:
    Montezumas Rache: Cook it – peel it – or forget it… Viel Glück in Zukunft mit Essen und Trinken
    Liebe Grüße
    Lisa und HP

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  2. Hätte ich noch beinahe vergessen: 90 % aller Durchfallerkrankungen sind in heißen Ländern auf Salzmangel zurückzuführen.
    LG Lisa

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