Rückblick
Seit wenigen Tagen bin ich zurück von meiner Radreise – begonnen Ende Juli in Helsinki/Finnland, beendet am 1. September in Kazan/Russland.
Sehr oft bin ich in den vergangenen Wochen gefragt worden, warum ich ausgerechnet in diesem Jahr diese Radreise gemacht habe. Eigentlich wollte ich bereits 2020 diese Reise unternehmen. Dann machte mir aber die Pandemie nicht nur in dem Jahr, sondern auch im folgenden Jahr 2021 die Pläne zunichte. Im letzten Jahr schien alles bis zum 22. Februar möglich. Dann aber kam es zu der russischen militärischen Intervention in der Ukraine. Und die weitere Entwicklung war nicht absehbar.
Auch in diesem Jahr 2023 gab es natürlich viele Unabwägbarkeiten. Ich war hin- und hergerissen. Sollte ich es wagen? Meine russischen Bekannten rieten eher dazu, meine deutschen Radfreunde rieten eher ab. Begleiter für die Radreise waren in Deutschland nicht zu finden. In Russland hatte ich Zusagen von Radreisenden, die mich begleiten wollten. Ein Visum zu bekommen war kein Problem, ein Flug direkt nach Russland war zwar nicht möglich, wohl aber nach Finnland.
Meine Frau Brigitte stimmte meinem Vorhaben letzten Ende schweren Herzens zu, wohl wissend, dass es eine Reise in die große Unbekannte war.
Jetzt, mehr als 5 Wochen später, bin ich nicht nur wohlbehalten zurück, sondern kann von einer Radreise berichten, wo das Radfahren fast zur Nebensache wurde.
Sehr bald wurde mir auf meiner Reise klar, dass ich in meinem Gepäck auch eine Botschaft nach Russland mitbrachte:
Diese Reise dient der Völkerverständigung, des Friedens und der Freundschaft zwischen unseren Völkern.
Fast an jeder Station, wo ich halt machte, war die Neugier und das Interesse an meiner Radreise riesengroß. Täglich musste ich Ferhnsehteams und Zeitungsreportern über meine Radreise berichten. Manches Mal sogar vor meiner Abreise am Morgen und abends nach der Ankunft. Seit drei Jahren schien ich der erste Ausländer, auf jeden Fall aber der erste Radfahrer aus Deutschland zu sein. Ein solches Interesse und eine solche Hilfsbereitschaft hatte ich noch auf keiner meiner bisherigen Radreisen erlebt. Ich wurde förmlich von einem Ort zum nächsten „getragen“
Sehr oft wurde ich privat eingeladen, um übernachten zu können. So bekam ich auch Einblick in das Leben der russischen Menschen mit all den Problemen und Freuden des Alltags. Im Grunde identisch mit unserem gesellschaftlichen Leben in Westeuropa.
Ganz besonders fiel mir die spontane Hilfe der russischen Rotarier auf. Sie bauten ein regelrechtes Netzwerk auf, um mir jederzeit hilfreich zur Seite stehen zu können.
Besonderen Anteil am Gelingen meiner Radreise hatten Nathalie Wenzel, Elena Reutova und Nathalia aus Waldimir, die mir jederzeit weiterhelfen konnten.
Die drei Tage zusammen mit Anton Kasanov vom Radclub velorussia auf dem goldenen Ring waren unvergesslich. Genauso wie das Treffen mit Ildus Yanishev, der 2017 mit dem Fahrrad die Welt umrundete. Ihn kannte ich seit drei Jahren. Jedoch nicht persönlich. Nur über die sozialen Medien.

Ein Highlight der Reise war zweifellos das Treffen mit dem Journalisten Ulrich Heyden in meinem Hotel in Moskau und die Radfahrt mit ihm entlang der Moskwa zum roten Platz.
Das volle Interview können Sie hier hören oder sehen:
An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Lesern der Nachdenkseiten, die mir eine Rückmeldung per e-mail geschickt haben, herzlich bedanken.
Ich war sehr berührt von den vielen Kommentaren zu dem Beitrag von Ulrich Heyden in den Nachdenkseiten. Sie haben mir gezeigt, dass nicht nur ich mich für Frieden und Völkerverständigung einsetze, sondern eine grße Anzahl von Menschen hinter mir habe, die ebenso die Freundschaft und den Frieden mit anderen Völkern, und ganz besonders mit Russland, möchten. Ich werde ihre Kommentare an die Menschen, die ich in Russland kennen- und schätzen gelernt habe, weiterleiten. Sie werden sich freuen, wenn so viele Menschen in Deutschland die Beziehungen und Freundschaft zum russischen Volk nicht abreißen lassen wollen.