Moskau, Goldener Ring

Mit dem roten Velotraum auf dem Roten Platz

16.8.2023 Mit dem Fahrrad entlang der Moskwa zum Roten Platz

Viele haben mich belächelt, als ich erzählte, dass ich mit dem Fahrrad nach Moskau fahren will. Ich glaubte es ja ehrlich bis vor wenigen Tagen selbst nicht. Es war ein erhebender Moment, vom Hotel entlang der Moskwa mit dem Journalisten Ulrich Heyden an meiner Seite, zum Roten Platz in Moskau zu radeln. Ein weiterer Meilenstein in meinem Radreiseleben ist gesetzt worden.

Für morgen hat mir Nathalie eine Stadtführerin organisiert, die mir weitere Kulturelle und geschichtliche Hintergründe näher bringen will. Auch hat sich für morgen eine weitere Journalistin angemeldet, die mit mir ein Interview machen will.

Die Basilius-Kathedrale mit ihren 7 Türmen
Das sind noch richtige Bauwerke, keine Gläserpaläste

17.8.2023 Moskau- die größte Stadt Europas

Von der Fläche her größer als Luxemburg, von der Einwohnerzahl mit 15 Millionen mehr als Österreich, die Schweiz und Belgien und nur wenig hinter der Einwohnerzahl von den Niederlanden.

Das alles hörte ich heute von meiner Stadtführerin Svetlana , die mich heute in die historische, kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung einweihte.

Doch der Reihe nach: Svetlanas resolutes Auftreten war erstmal gefragt, um mein Hotelzimmer für weitere 2 Nächte behalten zu können. Es entbrannte ein enges Werben, wer die knappen Zimmer bekommt. Andere Alternativen gab es nicht. Es schienen wieder einmal alle Hotelzimmer belegt zu sein. Wir wurden weggeschickt mit dem Versprechen, dass wir unterwegs Bescheid bekommen würden. Es dauerte dann mehr als 3 Stunden, bis es hieß, ich könne um 21 Uhr wieder ein Zimmer im gleichen Hotel beziehen. Uff- ich war froh, mit meinem Fahrrad und dem Gepäck nicht nochmals das Hotel wechseln zu müssen.

Die Führung begann mit einer 2,5 ständigen Bootsfahrt auf der Moskwa. Das ist bei Temperaturen von 30Grad. entspannend und man bekommt einen guten Überblick über die Stadt. Danach folgte eine Sehenswürdigkeit nach der anderen. Leider konnten wir nicht in den Kreml, der ist Donnerstag immer geschlossen. Aber mit dem Roten Platz, dem Mahnmal des unbekannten Soldaten, dem größten Kaufhaus GUM, dem KGB-Gebäude, den Sperlings-Bergen und des Luschniki-Sportparks gab es noch viel zu sehen. Ein absolutes Highlight sind die verschiedenen Stationen der Metro. Ein Kunstwerk nach dem anderen- im Untergrund von Moskau.

In etwas mehr als neuneinhalb Stunden lernte ich viel über Moskau kennen. Trotzdem ist das wahrscheinlich nur ein kleiner Teil dieser lebendigen, kraftvollen, aber auch ein bisschen geheimnisvollen Millionenstadt

Die passende Kleidung zum Roten Platz
Das Bolschoi-Theater
Das Grab des unbekannten Soldaten an der Kremlmauer
Im Kaufhaus GUM
Das Luschniki-Stadion
Eine der kunstvollen Metro-Stationen
Glasmalerei an einer anderen Metro-Station

18.8.2023 Fast ein Ruhetag in Moskau

Nach der anstrengenden Stadtbesichtigung schlafe ich sehr gut und wache erst kurz nach 8 Uhr auf. Hurra, ich habe keine Termine heute. Ich kann also in Ruhe frühstücken und mich bei meinen vielen Unterstützern rückmelden.

Erst am frühen Nachmittag setze ich mich auf das Rad und fahre ziemlich ziellos der Moskwa entlang. Es regnet leicht, aber durch die warme Temperatur verdunstet der Regen sofort auf der Haut oder auf der Kleidung. Ich fahre bis zum Lushniki-Sportpark. Dort ist heute sowas wie Tag der offenen Tür mit vielen Sportangeboten für Erwachsene und Kinder. Am Ausgang gibt es kostenlose Verpflegung für alle in Form eines Tellers Buchweizen- der russischen Leibspeise- und Tee dazu.

Mit Einbruch der Dunkelheit fahre ich ein letztes Mal zum Roten Platz. Die Kenner sagen, dass es dort nachts noch eindrucksvoller sein soll. Und so ist es dann auch. An einem Souvenir-Shop, wo ich eine Moskau-Cap kaufe, komme ich noch ins Gespräch mit einem Algerier. Sein Wunsch sei es immer gewesen, in Deutschland zu arbeiten, doc die nähmen ja keine gut ausgebildeten Leute sondern nur Bootsflüchtlinge. die nicht mal ihren Namen schreiben könnten.

Obwohl ich heute früh ins Bett wollte, da ich mich morgen früh schon um 5.30 Uhr mit Anton Kasanov treffe, der mit mir auf den goldenen Ring will, wird es wieder einmal spät.

Der Lusniki-Sportpark
Es gibt kostenlos Buchweizen mit Brot und Tee
Es wird an allen Ecken und Enden renoviert.
Eine Einkaufsstraße am roten Platz bei Nacht
Ein ganz besonderes Flair-Moskau bei Nacht

19.8. 2023 Zum ersten Mal Begleitung- auf dem goldenen Ring, 200 km Autofahrt, 75 km mit dem Rad

Pünktlich um 5.30 am Morgen holt mich Anton Kasanov mit dem Transporter von velorussia am Hotel ab. So kommen wir noch einigermaßen schnell aus dem Großraum Moskau heraus. Da Anton nur 3 Tage Zeit hat, werden wir nur einen kleinen Teil des Goldenen Rings besuchen können. Eigentlich sind es sieben historische Städte im Nordosten von Moskau, in denen erhaltene Kirchen- und Kulturanlagen aus dem 11. und 12. Jahrhundert zu besichtigen sind.

Nach 200 km und zweieinhalb Stunden Fahrt lassen wir das Auto in Yurvey Polski stehen und packen die Fahrräder. Anton will mit mir heute über Gavrilov Posad nach Susdal, eine der historischen Städte. Anton führt mich auf Wiesenpfaden in ein kleines, fast ausgestorbenes Dorf mit vielen halbzerfallenen Häusern. Auch hier in Russland scheint es eine Landflucht zu geben. Die Jungen zieht es in die Städte, die Alten sterben aus.

Einen kleinen Imbiss nehmen wir in einem Pferdemuseum ein. Wir werden sehr freundlich behandelt.

Schon kurz nach 15 Uhr sind wir in Susdal. Nathalie hat uns schon ein schönes Privatquartier gebucht. Ivan erwartet uns schon und zeigt uns die Zimmer. Nach der kurzen Nacht, der anstrengenden Auto- und Radfahrt gönnen wir uns einen Mittagsschlaf. Die Besichtigung steht morgen auf dem Programm.

Mit dem Transporter von Velorussia zum Startpunkt
Im Kreml von Polski
Alte zerfallene Häuser
Daneben aber auch liebevoll restaurierte
Susdal in Sicht

20.8.2023 Ein Tag in Susdal und um Susdal herum

Nach einer guten Nacht mit Egalisieren des Schlafdefizits der letzten Nacht bereitet uns Svetlana, die Gastgeberin ein gutes Frühstück mit ausgezeichnetem Kaffee.

Anton stellt mir das Programm vor für heute. Es beinhaltet nicht nur die ohnehin schon vielen Sehenswürdigkeiten in Susdal, sondern auch in zwei Ortschaften um Susdal herum. Darum werden wir heute nicht nur Besichtigungen machen, sondern dazwischen auf dem Rad mehr als 50 km zurücklegen. Doch was ist der goldene Ring, was ist an Susdal so besonders? Eine kleine Beschreibung:

Anfang des 12.Jahrhunderts war Moskau noch ein kleines, unbedeutendes Bauernnest. Da war Susdal bereits Hauptstadt des Fürstentums Rostow-Susdal und ein zentraler Handelsort, vorwiegend für Weizen aus der umliegenden fruchtbaren Region.

Erst 1392 wurde das Fürstentum Susdal-Nischni-Novgorod von Moskau annektiert. Die Stadt verlor in den nachfolgenden Jahrhunderten zwar massiv an politischer Bedeutung, galt jedoch weiter als religiöses Zentrum.

Im 16. Jahrhundert waren es Ivan der Schreckliche und Wassili III. die hier Kirchen und Klöster errichten ließen, später im 17. und 18. Jahrhundert wohlhabende Kaufleute.

Die versäumte Anbindung an das Bahnnetz aber auch der relativ frühe Denkmalschutzstatus (1967) vermieden die Industrialisierung und erhielten bis heute den eher dörflichen Charakter der Kleinstadt mit knapp über 10 000 Einwohnern am Flüsschen Kamenka.

Über 300 denkmalgeschützte Gebäude darunter 30 Kirchen, Glockentürme und fünf Klöster aus dem 13. bis 17. Jahrhundert machen Susdal wohl zu einem der besten und empfehlenswertesten Beispiel russischer Kultur.

Susdal hat sich in den Jahren nach der Sowjetzeit neben Sankt Petersburg und Moskau zu einer der meistbesuchtesten Städte Russlands entwickelt.

Genau das können wir bestätigen, war es doch schwer für uns, am Wochenende ein freies Zimmer zu bekommen.

Auch auf den Straßen und den Sehenswürdigkeiten tummeln sich die Menschen. Gestern Abend fand auf dem vollen Hauptplatz ein Konzert eines Orchesters aus Wladimir statt.

Nachdem schon vormittags dunkle Wolken aufzogen, besuchten wir zuerst die Sehenswürdigkeiten außerhalb Susdals. Zuerst bestaunte ich den ältesten in Russland aus Stein gebauten Turm, danach folgte eine beeindruckende Kathedrale in Sanino mit einer heiligen Quelle.

Fast so schief wie der Turm von Pisa – aber älter
Bei den heiligen Quellen von Sanino. Der Mann in der Mitte war ganz angetan von meiner Radtour.
Wer ist denn hier der Kutscher?
Es fällt mir schwer, aus all den vielen Sehenswürdigkeiten Bilder auszusuchen: Wassili-Kloster aus dem 13. Jahrhundert

Nach dem Mittagessen in dem Restaurant unserer Gastgeberin waren noch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Susdal angesagt. Zwischendurch mußten wir immer wieder heftigem Gewitterregen ausweichen.

Die Susdaler Kremlanlage (1094-1225) mit der Maria-Geburtskathedrale, den markanten blauen Kuppeln und dem Erzbischofpalast sind UNESCO-Welerbe.

Maria-Geburtstag-Kathedrale

Um die vielfältigen, geschichtsschwangeren Eindrücke des heutigen Tages verarbeiten zu können, bedarf es noch einiger Tage und Wochen.

Gegen 18 Uhr kehrten wir von unserer Tour ziemlich erschöpft zurück

In diesem schicken Haus, etwas außerhalb von Susdal, sind wir untergebracht.

21.8. 2023 Russland rustikal- Auf Wiesenpfaden nach Wladimir, 75 km

Der letzte Tag mit Anton beginnt

Heute ist schon wieder der letzte Tag zusammen mit Anton. Er hat sich dafür eine ganz besondere Strecke nach Wladimir ausgesucht. Vielleicht will er mich auch nochmals testen, ob ich geländegängig und schmerzfrei bin.

Nach einem letzten Rundblick auf Susdal und seine imposanten Kirchen und Klöster geht es gleich richtig offroad los. Löcherige, steinige und grasbewachsene Pfade wechseln sich ab. Ein kleine Brücke über einen Bach ist eingebrochen und wir müssen den steilen Weg wieder zurück. Mit meinem Gepäck keine einfache Aufgabe. Fahrbare, asphaltierte Strecken wechseln sich immer wieder ab mit Wiesenpfaden. Der Regen der letzten Tage hat große und kleine Wasserpfützen hinterlassen. In einer sinke ich so tief ein, dass wir erst das Rad vor der Weiterfahrt vom Schlamm und Dreck befreien müssen.

Das Rad muss erst vom Dreck befreit werden.
Nichts dreht sich mehr…
Anton in seinem Element

Irgendwann sagt Anton: Alfred, now comes the last bad section. After this only good roads. Und nach knapp 5 Stunden war es dann auch soweit. Nochmals einer stark befahrenen Schnellstraße entlang, dann kam das Ortsschild von Wladimir

Soviel kann ich in der Zwischenzeit schon lesen, dass ich weiß, dass das Wladimir heißt

Von hier weg waren es bis zu meiner Unterkunft nochmals 16 km zu fahren. Wladimir hat über 400 000 Einwohner, viele Ampeln und viele Bürgersteige mit hohen Kanten. In Russland ist es üblich, innerhalb Städten die sehr breiten Gehwege zu benützen.

Nathalie, meine Gastgeberin erwartete uns schon und zeigte mir das schöne, neue Appartement , in dem ich 2 Tage lang wohnen darf.

Nach einer Dusche und kurzem Relaxen lud mich Nathalias Familie noch zum Dinner ein. Hier mußte ich mich von meinem tollen Begleiter Anton Kasanov verabschieden. Leider konnten wir nur 3 Tagen zusammen fahren. Anton lud mich wein, mit ihm im nächsten Jahr 2 Monate durch Baschkirien im Uralgebiet Rad zu fahren.

Do svidanja, Anton

22.8.2023 Ruhetag und Sightseeingtour in Wladimir

Nach dem harten Tag gestern genieße ich es heute, ausschlafen zu können. Erst um 10.30 Uhr holen mich Elena und Dimitri, beide aktive Mitglieder des Rotary-Clubs in Wladimir, in dem Appartement ab. Danach stehen aber gleich wieder zwei Interviews beim lokalen Fernsehsender und einer Online-Zeitung auf dem Programm. Inzwischen ist das fast schon normal für mich und wird schon zu einer gewissen Routine. Vor dem nächsten Interview steht der Besuch der 1165 erbauten Fürbitte-Kirche auf dem Fluss Nerl an. In fast allen Gebäuden und Kirchen ist der Name Fürst Andrej Bogolyubovo präsent, Dieser ist unmittelbar an der Geschichte Russlands entscheidend beteiligt.

Wie Susdal ist auch Wladimir bis in die heutige Zeit ein religiöses Zentrum geblieben. Selbst die Sowjetzeit konnten sie fast unbeschadet überstehen.

Ein reichhaltiges Mittagessen im Vereinslokal von Rotary schloss einen unruhigen, aber abwechslungsreichen Ruhetag ab.

Die Fürbitte-Kirche auf dem Fluss Nerl ist UNESCO-Weltkulturerbe.Erbaut 1165
Die Maria-Himmelfahrt-Kathedrale von Wladimir, erbaut 1158-1161
Blick auf Wladimir

23.8.2023 Richtung Kazan- der erste Regentag, 88 km

Nathalia hat einen Van organisiert, um nicht nochmals 50 hohe Bordsteinkanten überqueren zu müssen und ein Stück näher meinem Tagesziel Murom zu kommen. Bis dorthin wären es 130 km. Auf einem Rastplatz setzen sie mich dann aus und ich mich aufs Rad. Der Verkehr ist heftig und der Seitenstreifen ist bald nicht mehr vorhanden. Wenn die Trucks mich bei Gegenverkehr überholen, wird es knapp und oft hilft nur ein Ausweichen auf den Kiesstreifen. Und zu allem kommt auf den letzten 30 km heftiger Regen. Jetzt heißt es, nicht nur den Trucks, sondern auch den Waserpfützen auszuweichen. So bin ich doch fast 5 Stunden unterwegs bis ich das Ortsschild von Murom erreiche.

Abschied von Nathalia, meiner Gastgeberin in Wladimir und meine Reise-Assistentin, aktiv bei den Rotarieren
Regenpause im Buswartehäuschen
Murom erwartet mich.

Gottseidank finde ich das Hotel schnell. Allerdings ist der Eingang zum Hotel von vielen Jugendlichen und auch vom Fersehteam belagert. Anscheinend logieren hier Fußballer und werden von den Fans vor dem heutigen Spiel erwartet. Nathalia hat heute Abend für mich eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Murom organisiert. Olga und ihr Team erwarten mich schon. Das Museum und die anderen vielen Sehenswürdigkeiten ziehen mich so in den Bann, dass ich meine Müdigkeit abstreifen kann.

Für morgen suchen wir eventuelle Alternativen zum Radfahren. Einheimische Radfahrer raten von einer Weiterfahrt ab. Der Verkehr soll eher noch zunehmen. Alternativen wäre eine Schiffsreise auf der Oka oder eine Fahrt mit dem Elektrischka, dem Nahverkehrszug. Wir werden morgen entscheiden.

Auch hier sind sie schon vor mehr als 100 Jahren radgefahren. Exponat im Museum
Ein berühmtes Ikonenbild im Museum
Links die Museumsleiterin, in der Mitte die Übersetzerin ins Deutsche
Eines der beiden Klöster

Da es jetzt weitergeht in Richtung Kasan werde ich nächsten Berichte unter dem Menü Kasan schreiben

2 Kommentare zu „Moskau, Goldener Ring

  1. Respekt und Hochachtung vor Ihrer „menschlichen“ Einstellung. Vielen Dank, dass es Leute wie sie gibt, die den Menschen sehen und nicht einer Agenda der Herrschenden folgen.

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  2. Hallo Alfred Mähr,
    dank der NACHDENKSEITEN habe ich von Ihnen gehört!!
    Hut ab und Respekt vor Ihrer menschlichen und politischen Leistung, ich denke , Sie tun etwas , was viele hier bewegt und tragen so ein großes Stück Frieden weiter. Bleiben Sie behütet!!
    Liebe Grüße aus Leipzig von Ulrike Reichmuth.

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