Es regnet morgens wieder und es ist kein Zuckerlecken, heute mit dem Rad zu fahren. Ich möchte mich auch nicht mehr den Trucks und dem anderen Verkehr auf der weiterhin schulterlosen Schnellstraße stellen. Leider gibt es keine Möglichkeit, mit dem Schiff auf der Oka oder dem Zug nach Nischn Novgorod zu kommen. So bleibt nur der Bus. Um 11 Uhr fährt ein größerer Bus, der auch Räder mitnehmen kann. Am Ticketschalter unterstützt mich Natalie sprachlich telefonisch. Und die Frau am Ticketschalter ist sehr hilfsbereit. Obwohl der Busfahrer zuerst störrisch ist, nimmt er mich und mein Rad dank dem Einsatz der Frau dann doch mit. Dreieinhalb Stunden und 170 km später steige ich in Novgorod aus dem Zug aus, wo mich Ivan Bessarab schon mit dem Fahrrad erwartet. Das hat Nathalie im Vorfeld organisiert. Ivan ist Linguist und Ethiker. Außer Russisch spricht er Englisch und Deutsch. Er zeigt mir viele Sehenswürdigkeiten der Stadt , die am Zusammenfluss von Oka und Wolga liegt. Um komfortabler vorwärts zu kommen, stellen wir in einer Wohnung seines Sohnes mein Gepäck ab. Er bringt mich in die Wohnung einer Schulfreundin, wo wir dann nach einem Abendessen übernachten. Allerdings ohne mein Gepäck. Das werde ich erst morgen wieder bekommen.
,Professor’ Ivan empfängt mich am Busbahnhof Die Alexander Nevski Kathedrale ist eine der vielen Sehenswürdigkeiten
Oder auch die Maria Geburtstag- Kirche mit ihren prächtigen Türmen.
Sonnenuntergang über der Wolga
25.8.2023 Vorbereitungen für den letzten Teil der Radreise
Nach dem Frühstück bei Ina und Nicolai, den Bekannten von Ivan, mache ich mich gleich auf den Weg zum geplanten Treffpunkt bei Igor Babin. Er hat eine Fahrradreparatur-Werkstatt und kennt die Strecke, die mich die letzten vier Tage erwartet. Dort treffe ich auch wieder Ivan, der mir mit dem Taxi mein Gepäck bringt. Igor ist das Sinnbild ein Radmechanikers. Als Teekannen-Untersetzer benützt er eine Bremsscheibe. Er zeigt mir stolz sein Specialized Fahrrad. Nach gut anderthalb Stunden und einigen Tassen Tee hat er mir auch seine Strecke erklärt, wie er sie fahren würde. Es soll auf jeden Fall nicht mehr auf stark befahrenen Schnellstraßen weitergehen. Wir werden sehen.
Ivan muss heute Nachmittag wieder arbeiten und ich habe wieder ein Ferseh-Interview mit dem örtlichen Sender vereinbart. Dieser findet am Eingang des Azimut-Hotel statt, mit prächtigem Blick auf die Stadt und die Flüsse. Später zeigt er mir noch die stark frequentierte Fußgängerzone. In einer Seitenstraße führt er mich in eine katholische Kirche, die aus einem ehemaligen Pferdestall gebaut wurde. Eine freundliche Nonne der Franziskanerinnen zeigt uns die Kirche.
Auch eine katholische Kirche gibt es
Ivan bringt mich in seine Wohnung, wo ich die heutige Nacht verbringen werde, bevor es morgen weitergeht.
Blick vom azimut-Hotel auf die andere Seite von Novgorod mit Nemski-Kathedrale und Fußballstadion, wo bei der WM 2018 gespielt wurde.
25.8. 2023 Wieder auf dem Rad 118 km, 269 hm
Sorry, habe wenig Zeit. Das wichtigste in Kurzform: Ivan bringt mich zur Seilbahn- schwebe mit der Seilbahn über die Wolga- herzliche Verabschiedung von Ivan- zuerst viel Verkehr- dann immer weniger- verpasse eine Abzweigung- zweimal heftiger Regen- verpasse die Fähre nach Lyskovo um Nasenlänge- 2 Stunden warten- Fähre bringt mich nach 40 Minuten Fahrt über die Wolga- Hotel gleich neben Anlegestelle – es ist schon dunkel
Schwebend über die Wolga Abschied von Ivan- nicht von dem Schrecklichen, sondern von dem freundlichen Begegnung mit einem anderen Ivan- einem russischen Reiseradler Kloster in Makarewja, einige Umrundungen während der Wartezeit auf die Fähre
26.8.2023 Lyskovo – Surskie Zori, 89 km, 560 hm
Es gibt schon vor dem Frühstück wieder viel zu organisieren. Wer trifft wen wo, ist die Frage. Ich fahre bei bedecktem Himmel los und habe die Regenkleidung schon bereit. Komoot mach mal wieder einen Scherz mit mir und schickt mich ins Gebüsch. Schon wieder werde ich dreckig. Dafür bleibt es aber von oben her trocken. Schon bald finde ich mich auf der Schnellstraße wieder. Praktisch anfangs ohne Seitenstreifen reihe ich mich in den Verkehr ein. Schon bald ist der Adrenalin-Spiegel höher als der Puls. Einige Male drücken mich die Trucks in den Kiesstreifen neben der Fahrbahn. Nach 50 km treffe ich wie geplant Alexej in Torotynetz. Er reicht mir Tee und ich habe eine kleine Erholungspause. Nach einer knappen halben Stunde reihe ich mich wieder im Verkehr ein. Plötzlich wird aus der Schnellstraße eine richtige Autobahn und ich habe einen zwei Meter breiten, gut geteerten Seitenstreifen und kann mit Rückenwind jetzt Tempo machen.
Alexej reicht mir bei einer kleinen Pause Tee.
Überraschend schnell bin ich am Tagesziel in Surskie Zori, einem kleinen Feriendorf mit Blockhäusern für die Gäste. Eine halbe Stunde nach mir trifft Anatoli mit Familie ein.
Nach dem Essen lädt er mich (im Auftrag von Nathalie?) zu einer russischen Banja ein. Das hat nur wenig mit einer deutschen Sauna zu tun. Banja wird zelebriert und ist Kult in Russland.
Sehen aus wie 2 Hirtenjungen, denen sie die Kleider geraubt haben….Das Ferien-Resort Surskie Zorie
28.8. 2023 Sarskie Zorie-Cheboksary, 88 km, 560 hm
Ich habe gut geschlafen nach der Banja. Nach dem Frühstück geht es gleich wieder los auf die Schnellstraße. Ich habe mich mit den Leuten vom Radclub Cheboksari um 13 Uhr verabredet. Es wird knapp, aber obwohl ich mich einmal verfahre, bin ich zwei Minuten vor 13 Uhr am Treffpunkt. Es gibt eine erste Begrüßung mit warmem Tee. Und Loba überreicht mir einen selbst gepflückten Margariten-Blumenstrauß.Es ist der bisher kälteste Tag, seit ich in Russland bin. Immer mehr Radfahrer kommen von allen Seiten hinzu. In einer Kolonne geht es zum Hauptplatz von Cheboksary. Dort wartet auch schon das Fersehteam, mit dem ich wieder einmal ein Interview führe. Viele Leute sind auf dem Platz und wollen ein Selfie mit dem Radfahrer aus Deutschland.
Mein Empfangskomitee mit Chuvash Fahne der Region
Nach einem Imbiss geht es mit dem Bus zur Unterkunft von Wjaschelav. Wir planen noch die Route für morgen nach Kazan.
Ein solcher Empfang ist mir in meinem Radlerleben noch nie bereitet worden. Einfach unvergesslich!
29.8.2023 Ankunft in Kasan -Hauptstadt der Republik Tatarstan
Schon früh geht los. Mein Gastgeber Wjateschlav und ich nehmen schon um 6 Uhr morgens ein hastiges Frühstück zu uns. Wir haben eine Dreiviertelstunde Busfahrt vor uns, um wieder nach Cheboksary zu kommen. Danach geht es abwechslungsweise im Eilschritt oder Dauerlauf zur Anlegestelle des Schiffes nach Kazan. Kurz vor 8 Uhr sind wir auch dort. Leider nehmen sie mich nicht mit, da das Schiff bis auf den letzten Platz ausgebucht ist. W. versucht alles, dass sie ein Auge zudrücken. Leider ohne Erfolg. So müssen wir schweren Herzens eine Alternative suchen. Im Eiltempo geht es jetzt zum zentralen Busbahnhof, wo wir Gottseidank noch für den Nachmittag einen Busplatz für den Nachmittag bekommen. Ich habe ja meine Ankunft in Kazan für den Nachmittag geplant. Daher wäre eine Fahrt mit dem Rad ins 120 km entfernte Kazan nicht in Frage gekommen. Wenigstens die Busfahrt funktioniert mit Hilfe von Wjatscheslav und Nicolai. In Kazan nimmt mich auch gleich Ildus in Empfang. Wir kennen uns über Martin Krick schon seit 4 Jahren. Allerdings nicht persönlich. Das ändert sich in dieser Sekunde. Es ist, als ob wir uns schon lange kennen. Er holt mich natürlich mit dem Fahrrad ab und wir machen einen kleinen Umweg über das Zentrum Kazans, meistens dem Wasser entlang auf schönen Radwegen. In seinem schönen Haus in toller Lage am See lerne ich Ildus Frau Gulnara und seine hübsche Tochter kennen. Nach einem stilvollen Dinner sinke ich nach einem anstrengenden Tag, zwar ohne viel Kilometer, aber trotzdem müde ins Bett im Homestay von Ildus. Diese kleine Hütte hat er für solche Radfahrer wie mich extra gebaut. Er ist natürlich auch bei Warmshowers aktiv.
Angekommen bei Ildus in Kazan Kazan, die Hauptstadt Tartastans
30.8.2023 Festival in Kazan
Am 30. und 31.August feiert Kazan sein Stadtfest. Es sind 2 Feiertage, niemand arbeitet, alle sind auf den vielen Plätzen in der Innenstadt und feiern. Ildus, seine Tochter und zwei Freundinnen und ich fahren mit dem Rad zum Fest. Es ist in Russland üblich, auf den breiten Gehwegen auch Rad zu fahren. Andererseits gibt es auch schöne Radwege. Wir schauen uns einige Events an . Überall ist feiern und gute Laune angesagt unter dem Motto Singen, Spielen, Tanzen, Musizieren
Am Nachmittag geht es zurück zum Haus von Ildus. Wir sind so ganz nebenbei 34 km mit dem Rad gefahren. Ildus bereitet Paella vor und in seiner Gartenhütte gibt es Festtagsessen und Bier, Wein und andere Getränke. Weitere Leute kommen dazu. Auch Svetlana, eine Dolmetscherin, die morgen beim Interview übersetzen wird.
Ildus bereitet aus seiner umfangreichen Radkollektion die Räder für die Tour vor Bikewäsche mit Rosa-Shampoo- schließlich können wir nicht mit dreckigen Rädern zum Fest fahren.Moschee im Kreml
31.8.2023 Der russische Monat geht zu Ende
Der letzte Tag des Monats und meines Aufenthaltes in Russland geht zu Ende. Ildus und ich sind heute beschäftigt mit der Buchung des Rückfluges und der Vorbereitung des Abschlussabends beim Rotary-Club. Dazwischen lädt er mich noch zu einem Lunch ein im 25.Stock eines Restaurant. Noch einmal genieße ich den Blick über die Millionenstadt mit der Wolga und den 3 Seen und dem Kreml.
Abends gibt es nochmals ein kurzes Interview mit dem örtlichen Fernsehen und einen sehr schönen Abend mit den Rotarieren. Ein würdiger Abschluss einer denkwürdigen Radreise.
Morgen heißt es dann, das Rad und die Utensilien zu verpacken, bevor mich Ildus zum Flughafen bringen wird.
Eine Rückschau auf diese Reise werde ich machen, wenn ich wieder zuhause bin.
Bis ich aber alle Eindrücke verarbeitet habe, wird es Monate dauern.
Ein letzter Blick auf Kazan, der Hauptstadt von Tatarstan
Nachdem wir, meine Frau Brigitte und ich, vor zwei Jahren die Wirkungsstätte von Pater Berno in Temesvar/Rumänien besucht haben, wandeln wir in diesem Sommer nochmals auf seinen Spuren.
Im Alter von 65 Jahren hat Pater Berno eine seiner Pilgerreisen nach Trondheim in Norwegen gemacht.
Der Nidarosdom steht mitten in Trondheim. Er wurde 1070 erbaut und ist das wichtigste gotische Baudenkmal in Norwegen. Von etwa 1050 bis zur Reformation war die Kathedrale ein wichtiges Pilgerziel.
Während Pater Berno die Strecke von Temesvar nach Trondheim zu Fuß in gut 7 Wochen zurückgelegt hat, planen wir mit dem Rad das in 3-4 Wochen zu schaffen.
Schön dass Alfred auf meinen Vorschlag eingegangen ist: Eine Pilgerreise auf Pater Bernos Spuren nach Trondheim zu machen. Seit wir an seiner Wirkungsstätte in Temesvar waren und das Buch über sein Leben gelesen haben ist er unser Idol. Schön ist dass Roland Müller genannt Zento aus Bad Waldsee mitfährt. Die Etappe bis Würzburg haben wir schon gefahren also geht es an Kisslegg mit dem Zug dorthin. Die Tage zuvor sind sehr anstrengend. Zuhause alles regeln und für die Reise zusammenpacken. Alles in kleine Behältnisse abfüllen. Die Montage der Satteltaschen endete im Nirwana weil nichts mehr gepasst hat Zelten also mehr Gepäck. Alles in größere Taschen umpacken. Regen begleitet uns bis kurz vor Kisslegg und Zento kommt gerade noch rechtzeitig mit dem Zug bon Waldsee her.
Der Zug in Richtung München ist wieder einmal randvoll. Mit Mühe bekommen wir unsere Räder eingeladen. Neben unseren Räder verbringen wir die Zugfahrt bis Buchloe stehend. Weitere Umstiege in Augsburg und Treuchtlingen sind geplant und verbessern die Lage nicht wesentlich. Die Ankunft in Würzburg ist fast fahrplanmäßig. Eigentlich wollte ich in Würzburg ja eigentlich meinen Radfreund Michael Müller treffen. Doch der ist auf der Fahrt nach St. Gallen und trifft sich mit einem australischen Radfreund.
Eigentlich hätte die geplante Strecke an Schweinfurt vorbei geführt. Doch da wir keine passende Übernachtungsmöglichkeit gefunden haben, sind wir doch nach Schweinfurt reingefahren, um in der schönen Jugendherberge am Main zu übernachten. Nur ca. 200 Meter von der Jugendherberge entfernt hat gerade am Mainufer ein Bierfest stattgefunden. Ideal, um nach der ersten Tour gleich noch 2 von den angebotenen 34 Biersorten bei Blasmusik zu probieren. Die Übernachtung in der Juhe war gleich gut wie das Frühstück am anderen Morgen.
Bayrisches Bierfest bei bärigen Sommerte peraturen
18.8.2024
Es ist Sonntagmorgen und es regnet . So lassen wir uns mit der Abfahrt Zeit bis der Regen etwas nachlässt. Die Temperaturen sind trotz des Regens angenehm. So fahren wir kurz und spüren, wie der Regen bereits auf der Haut verdunstet. In Neustadt an der Saale planen wir eine kurze Mittagspause ein. Einem kräftigen Regenguss können wir unter dem Dach eines Buswartehäuschens entgehen. Am späten Nachmittag erwartet uns noch ein erster heftiger Anstieg auf stark befahrener Straße. Erstmals ziemlich ausgepumpt erreichen wir einen Höhenzug, der früher bis zur Wende West – von Ostdeutschland trennte. Traurige Überreste in Form von halbzerfallenen Wachtürmen zeugen noch von dieser Zeit. Das Tagesziel war Meiningen, eine schöne thüringische Kleinstadt mit historischen Gebäuden. Nach langem Zaudern konnten wir Brigitte überzeugen, in einem ehemaligen Gefängnis zu übernachten. Jedoch nach einem herzlichen Empfang einer jungen Dame am Empfang war das Eis gebrochen. Die saubere, moderne, geschmackvolle Einrichtung ließ schnell vergessen, dass hier einmal Bösewichte einquartiert wurden… Und so ein Frühstück wie wir bekamen, konnten sie sich wahrscheinlich nicht mal erträumen…
Das Knasttor war für uns geöffnet!Und auf der Dachterasse gab es Frühstück
Wir waren hier nicht die einzigen Radreisenden. Bei der Abreise kam Brigitte noch mit einer Frau aus Meckenbeuren ins Gespräch, die Pater Berno persönlich kannte. Sie war Teil einer Radreisegruppe aus Friedrichshafen, die gerade in Thüringen Radtouren machen.
19.8.2024
Heute führte uns der Weg meist auf dem Werra-Radweg entlang. Und heute war der Tag der Kommunikation. Immer wieder trafen wir sehr freundliche Menschen und kamen mit ihnen ins Gespräch. Einige Tage vor der Landtagswahl in Thüringen hatten sie scheinbar großen Redebedarf.
Ein langer,steiler Aufstieg auf stark befahrener Straße nach Eisenach machte uns Sorgen. Ein paar Radfahrer, die des Weges kamen, hatten die Lösung. Sie kannten einen nicht veröffentlichten Radweg in diese Richtung. Der war zwar länger, aber weniger steil und ohne Verkehr. Auf diesem Weg zeigten sie uns auch das Haus, Martin Luthers Eltern lebten.
Unter dem Denkmal von Martin Luther Martin Luther predigt in seinem Stammort Möhra
Nachdem wir uns von unseren freundlichen Radbegleitern verabschiedet hatten, ging es weiter in Richtung Eisenach. Einem Tipp einem der Radbegleiter folgend, fanden wir eine günstige Pension in Lauchröden, wenige Kilometer vor Eisenach. Die Besitzerin schien auf uns zu warten. Wie in vielen kleineren Orten in Thüringen gibt es kein Gasthaus, keine Bäckerei oder einen Supermarkt. Sie versprach uns, aus ihrem spärlichen Vorrat noch ein Vesper servieren zu können. Und als sie uns dann auch noch zwei Flaschen Bier anbot, konnten wir nicht mehr Nein sagen.
20.8. 2024
Erstmals bekommen wir mit, dass der Sommer bald zu Ende geht- es ist neblig und kalt, als wir ohne Frühstück losfahren. Das bekommen wir nach knapp 2 km in einem Café in Herrlishausen. Dieser Ort ist bekannt geworden durch Film und Fernsehen als geteiltes Dorf in der DDR-Zeit, wo der eine Nachbar in der DDR wohnte, der andere in der BRD. Heute liegt die Ortschaft in Thüringen und wir bekommen ein sehr gutes Frühstück. Nach einer knappen Stunde erreichen wir auf schönem Radweg die Lutherstadt Eisenach. Leider drängt die Zeit und wir können nur kurz das Zentrum besuchen, nicht aber die Wartburg und das Luther-Museum.
Herrleshausen im Morgennebel Der Marktplatz von Eisenach
Nach Eisenach folgte der nächste kräftige Anstieg im heftigen Verkehr ohne Radweg und Seitenstreifen. Es sollte an diesem Tag nicht der letzte Anstieg sein, es folgten noch mehrere und am Schluss waren es fast 800 hm an diesem Tag. Vor dem letzten Anstieg trafen wir noch ein einheimisches Ehepaar auf einem Tandem. Nach dem inzwischen schon üblichen Gespräch über die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Thüringen gaben sie uns noch einen wertvollen Tipp, wie wir ohne Steigung und Verkehr zu unserem Tagesziel kommen können. Es wurde das Highlight des Tages- ein wunderschöner Radweg entlang einer stillgelegten Bahnlinie. Die Einheimischen nennen ihn den Kanonenbootweg. Nach einer längeren Suche fanden wir eine schöne, familiäre Pension mit geerdeten Preisen. Und für das reichhaltige Abendessen mit zwei Bieren bezahlten wir 14 Euro. Das gibt es also doch noch…
Brigitte on Tour
Schon kurz nach 18 Uhr sind wir schon in Lübeck und quartieren uns in einer schönen Jugendherberge ein. Ich erkunde noch mit Gento die interessante Hansestadt mit den Sehenswürdigkeiten. Dabei genießen wir natürlich auch noch bei einem Bier den lauen Sommerabend an einer Promenade.
Am Eingang zum Tivoli
21.8.2024 Tag 4
Ziemlich kalt und windig ist es an diesem Morgen. Unsere Gastgeberin serviert uns das Frühstück trotzdem im Freien im Innenhof der Pension. Nach dem versorgen mit Wasser und Energieriegel geht es erstmal hoch zum Kanonenboot-Radweg, in der Hoffnung, dass wir die nächsten 20 km nochmals auf ihm fahren können. Doch leider war das Ende schon erreicht. So mussten wir weitere 100 hm hochkurbeln. Abwechselnd fuhren wir auf guten Radwegen und mäßig befahrenen Straßen. Große Steigungen waren nicht mehr zu überwinden, sodass wir zügig vorwärts kamen. Nur ein teils heftiger Gegenwind machte uns zu schaffen. Einen letzten steilen Anstieg konnten wir auf Empfehlung von anderen Radreisenden umfahren. Das bedeutete einige wenige Kilometer mehr, dafür keine Steigung im störendem Verkehr. Inzwischen hatten wir Thüringen verlassen und in Niedersachsen am Rande des Harz gelandet. Eine angemessene Übernachtung haben wir in einer Pension in Seesen gefunden.
Harter Gegenwind auf schlotteriger Piste
22.8. 2024 Tag 5
Die Übernachtung in der Pension war gut, das Frühstück befriedigend. Das Wetter heute morgen noch kühl, aber sonnig. Die erste Teilstrecke von 65 km bis Braunschweig lief prächtig. Gute Radwege, gute Oberfläche und spürbarer Rückenwind bei nur mässigen Steigungen verliehen uns heute fast Flügel. So konnten wir uns heute kurz nach Mittag eine ausgiebige Kaffeepause im schönen, geschichtsträchtigen Braunschweig gönnen.
Durch einen schönen Park in die Innenstadt von Braunschweig Das weniger bekannte Schloss von Braunschweig Wohlverdiente Kaffeepause Das Stadion von Eintracht Braunschweig mit einem Ulmer Fan-bald wird es zum Duell kommen.
Die nächsten 25 km liefen wieder gut, bevor wir uns dann in dichtem Verkehr die letzten 10 km durchquälen mussten. Auch die Quartiersuche – ein Landgasthaus in einem kleinen Dorf mit vielen Baustellen gestaltete sich schwierig, sodass wir im letzten Tageslicht dort ankamen.
23.8.2024 Tag 6
Start auf dem Landgasthof
Schon beim können wir unsere Jacken ausziehen. Schon morgens ist es ziemlich warm. Heute haben wir eine Etappe vor uns durch die Lüneburger Heide. Es geht über kleine Landstraßen durch kleine Dörfer und wieder mit Rückenwind durch die Heide. Mit Uelzen geht es heute nur durch eine größere Stadt. Am Nachmittag ziehen immer dunklere Wolken auf und kurz vor dem Ziel in Bohndorf werden wir noch leicht angenässt. Die Quartiersuche gestaltet sich heute schwierig. Sie wollen hier in Schleswig Holstein scheinbar keine Tagesgäste. Letzten Endes finden Brigitte und ich noch eine Pension mit gesalzenen Preisen. Gento zieht es vor, auf einem Campingplatz einige Kilometer weiter sein Zelt aufzuschlagen. Schon tagelang drängt es ihn, endlich sein neues Zelt aufzubauen. Vermutlich kann er es gleich auf Dichtigkeit prüfen.
24.8. 2024 Tag 7
Es wird sehr spät heute, bis wir wegkommen. Dann holen wir Gento auf dem Zeltplatz ab. Nach kurzer Zeit merkt er, dass seine Mütze fehlt. So fährt er nochmals zurück und findet sie tatsächlich. Aber es läuft heute prächtig. Kaum befahrene Landstraßen mit mäßigem Verkehr, zahlreiche schöne Radwege und wieder unterstützender Rückenwind lassen uns rasant Vorwärtskommen. Bald überqueren wir in Lauenburg die Elbe und die Gewässer links und rechts des Weges nehmen zu. Es geht über Mölln und Ratzeburg nach Lübeck. Die schwülwarme Temperatur kann uns wenig anhaben. Wir fahren viel durch Wald und schattenspendendem Bewuchs entlang der Straße.
Erstmals über einen Elbeseitenkanal. Morgen wird es über die Elbe gehen.Jetzt geht es über die Elbe
Seit zwei Tagen am Straßenrand: Heidekraut
Lübeck mit der imposanten Kirche Eines der vielen Stadttorew
25.8.2024 Tag 8
Nachts regnete es und auch während des Frühstücks. So ließen wir uns Zeit mit der Abfahrt. Es war kühl und es gab eine steife Brise. Auf dem Weg zum Timmendorfer Strand stießen wir auf einem klassischen Gehöft auf eine Jagdparade. Eine Gruppe uniformierte Reiter(innen) hoch zu Ross und ein ganzes Rudel energiegeladener Jagdhunde machten sich bereit, während eine andere Gruppe das Jagdhorn blies. Leider verloren wir bei der Gelegenheit Gento aus den Augen und hatten Mühe, ihn am Timmendorfer Strand im Menschengewühl wiederzufinden Wir genossen noch für 10 km die Fahrt am Strand entlang und nahmen uns auch die Zeit, die Beine nach ins 10 Grad warme Meerwasser zu strecken..
Die JagdparadeAm Timmendorfer Strand Ehepaar Mähr mit Fortbewegungsmttel
Das Wetter wechselte immer wieder von mäßig warm bis kalt. Das hieß: Jacke an, Jacke aus. Die Quartiersuche gestaltete sich heute schwierig. Entweder nahmen sie uns wegen einer Nacht nicht, oder sie waren belegt oder zu teuer. Letztendlich trennten wir uns. Gento suchte einen Zeltplatz am Südufer, Brigitte und ich ein Hotel in Heiligenhafen auf der anderen Seite. Wir hatten Glück und fanden ein nicht zu teures Hotel in dem Badeort. Es begann schon dunkel zu werden, als wir unser Gepäck ins Hotel schleppten. Zum Abendessen gab es nichts mehr, da Küchen machen hier um 21 Uhr dicht.
26.8.2024 Tag 9
Nach einem erholsamen,tiefen Schlaf ging es nach dem Frühstück in Richtung Fehmarn. Da die Fehmarnbrücke zur Zeit saniert wird, werden Radfahrer mit einem Busshuttle auf die Insel gebracht. Wir hatten Glück und konnten als Letzte gerade noch im Bus unterkommen. Für Gento reichte es jedoch nicht mehr. Er hatte Probleme, den Weg zu finden. So musste wir fast 1,5 Stunden warten, bis er mit dem nächsten Bus ankam. In etwas mehr als zwei 2 Stunden durchquerten wir die Insel Fehmarn, bevor es in Puttgarden auf die Fähre nach Dänemark ging. In gut einer Stunde später legten wir in Rödby/Dänemark an. Der erste längere Radweg führte uns auf einem schattigen, schlotterigen kleinen Weg nach Maribo, unserem heutigen Etappenziel.
Am Fährterminal nach Dänemark Maribo mit Rathaus und Frau im WasserUnd der Bürgermeister sitzt vor der Türe
27.8.2024 Tag 10
Die Übernachtung war die bisher schlechteste und das Frühstück war es auch. Dafür war das Wetter wieder richtig schön und auch morgens schon warm. Die Radwege in Dänemark sind besser als in Deutschland so es dann eine gibt. Wir sitzen heute noch nicht richtig im Sattel, als wir eine Unfallstelle umfahren müssen. Es scheinen 3 Fahrzeuge kollidiert zu sein mit mehreren Verletzten. Wären wir 10 Minuten früher losgefahren… wären wir Augenzeugen geworden, Es gibt auch neben wenig befahrenen Straßen oft links und rechts gute Radwege, als wir aber auf eine Schnellstraße mit heftigem Verkehr kommen, gibt es gar keinen Weg. So weichen wir von der geplanten Strecke ab und nehmen einen Umweg der Küste entlang. Der ist ruhig und richtig schön aber einiges länger. So haben wir heute wieder die Hundertermarke gerissen, als wir an einem Campingplatz an der Straße die Etappe beenden. Zu essen gibt es heute nichts mehr, ein Bier vom Kiosk muss heute reichen.
28.8.2024 Tag 11
Die erste Zeltnacht seit langem ist gewöhnungsbedüftig. Das Wetter ist einladend, der Zeltplatz auch, aber der Aufbau und der Abbau laufen nicht mehr so zügig wie gewohnt. Das Zelt ist morgens nass vom Tau und nachdem wir erstmals die Gelegenheit hatten Kleider zu waschen kommen wir relativ spät weg. Eigentlich wollten wir gegen Mittag in Kopenhagen sein, jetzt ist es aber fast 16 Uhr, als wir am Tivoli Halt machen mit einer kleinen Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad. Erstmals habe ich das Gefühl in einer europäischen Hauptstadt, dass es mehr Radfahrer als Autofahrer gibt. So gibt es vor den Ampeln keinen Auto- sondern Fahrrad-Stau.
Hier scheinen alle mit dem Rad unterwegs zu sein.
Unterwegs sagte uns ein deutscher Radfahrer, wir sollten kein Quartier in Kopenhagen buchen, da sei es zu teuer. So fahren wir weiter in die Peripherie der Grossstadt, finden aber gar kein Hotelzimmer. Es ist schon dunkel und wir überlegen uns, am Strand unter freiem Himmel zu übernachten, als wir doch noch ein Hotel, aber zu gesalzenen Preisen finden. Wir beißen in den sauren Apfel und gönnen uns für heute Nacht ein richtiges Bett. Für Gento ist es allerdings zu teuer, er wird wohl heute Nacht den Sternenhimmel genießen.
29.8.2024 Tag 12
Heute möchte ich mich wieder einmal auf Alfreds Reiseseite melden. Im Gegensatz zu den Männern hatte ich na ja sagen wir mal bescheidene Tage. Ohne Training so eine Reise zu starten ist wagemutig. Mein Stoffwechsel hat ziemlich versagt und ich habe täglich gelitten. Schüttelfrost und Schweißausbrüche haben sich abgewechselt und der tägliche Brechreiz tat sein übriges dazu. Genießen war ein Fremdwort. Habe nur Pater Berno zuliebe weitergemacht. —Das heißt natürlich dass ich kaum essen konnte. Trockene Wecken und Wasser— In der Zeltnacht als es immer feuchter wurde musste ich wieder weinen weil er fast alle 7 Wochen so eine Situation hatte nicht mal ein Zelt: was bin ich für ein kleines ungläubiges Christlein im Gegensatz zu ihm. Was für ein besonderer Mensch. Erzähle als ein Dankeschön an ihn vielen Menschen von ihm wenn sie das Foto am Rücklicht entdecken. Thüringen war das sauberste Land mit den allerfreundlichstenMenschen. In jedem Bundesland und jedem Staat verhalten sich die Menschen anders. Täglich danke ich Gott und unseren vielen Schutzengeln für die bisherige Führung. Vor 2 Tagen der wohl tote Mann auf der Straße und heute morgen vor meinen Augen wurde ein junger Rennradfahrer von einem ausparkenden Autofahrer angefahren sodass es die vordere seitliche Verkleidung weggerissen hat. Starke Blutungen an Armen Händen und Beinen. Die Hand war sicher gebrochen. Habe nur sein Fahrrad auf den Gehweg gestellt und meine Hand war blutig. Es waren gleich viele Ersthelfer da bis der Krankenwagen kam. Mit diesen Dingen habe ich natürlich Stunden zu kämpfen. Ich habe das Gefühl dass alle Menschen nur noch unterwegs sind. An Euch alle ganz liebe Grüße aus Schweden das wir heute erreicht haben. Gott schütze euch.
Ja, es gibt Tage, die fangen be…. an und hören optimal auf. Und es gibt Tage, die fangen optimal an und hören deprimierend auf. Heute war ersteres, gestern war zweiteres.
Wenn du noch nicht richtig auf dem Rad sitzt und mitbekommst, wie ein Auto einen Radfahrer rammt, würdest du am liebsten gleich wieder absteigen. Wenn du aber andererseits mitbekommst, wie die Rennradfahrer hier über die Straßen brausen, muss irgendwann etwas passieren. Auf jeden Fall hat es uns gemahnt, wachsam und konzentriert zu fahren.
Nach 25 km in Dänemark erreichen wir die Fähre, die uns über den Öresund nach Helsingborg in Schweden bringt. Wir beschließen, den Weg nach Norwegen nicht durch das Inland in Schweden, sondern entlang der Südwestküste über Göteborg nach Oslo zu nehmen.
Wir hoffen, das das Skandinavien-Hoch weiter anhält und wir vom großen Regen verschont bleiben. Heute hatten wir schweißtreibende 28 Grad und es war auch abends noch so warm, um auf der Terrasse ein Bier zu trinken.
Und zum Abschluss des Tages haben wir ohne lange Suche ein schönes, billiges Appartement gefunden. Und in einem Supermarkt einen Sixpack Bier zu normalen Preisen erstanden. Denn im Restaurant zahlt man das 10fache.
Die ersten Kilometer in Helsingborg/SchwedenDie letzten Kilometer in Dänemark, bevor es auf die Fähre geht.Nicht zu übersehen, dass wir in Schweden sind.
30.8. 2024 Tag 13 Ängelholm – Frankenberg 115 km, 450 hm
Nach einem sehr guten Frühstück in dem hervorragenden Appartement und dem obligatorischen Wasserflaschen füllen starten wir die heutige Etappe bei schon gewohnt gutem Wetter. Aber gegenüber gestern ist es um fast 10 Grad kälter und der Wind bläst uns heute aus Nordwesten entgegen. Erstmals ist Windschatten fahren angesagt und es klappt mäßig.
Die Strecke ist kurzweilig und führt abwechselnd dem Meer entlang, durch schöne Kiefernwälder, auf Waldpfaden, Singletracks, aber auch auf wenig befahrenen Landstraßen. Da die nächste günstige Unterkunft erst in Frankenberg liegt, müssen wir heute nochmals die Etappe verlängern. So steigen wir heute erst um 19.30 Uhr ziemlich müde von den Rädern.
An einem Bikepoint bei Bastad huldigen die Schweden ihrer Radfahr-Ikone Tillie Anderson.Und in Bastad soll es schönere Radwege geben als auf Mallorca
31.8.2024 Tag 14, Frankenberg – ASA, 75 km, 260 hm
Die Unterkunft war gut, leider gab es kein Frühstück. So galten die ersten Kilometer der Etappe dem Blick an der Strecke, ein Café zu finden. Erst nach 15 Kilometer entdeckten wir an einem Minigolf-Platz einen kleinen Antiquitäten-Shop, an dem uns zwei junge Mädchen einen guten Kaffee und ein Sandwich servieren konnten. Und das zu ungewohnten billigen Preisen. Das sonnige Wetter begleitete uns weiter, nur der Wind, der uns jetzt meist entgegen blies, war empfindlich kalt.
Die Strecke auf dem Kattegaten-Radweg führte uns weiter auf schönen Wegen entlang des Meeres in Richtung Göteborg. Eigentlich wollten wir noch bis Kungsbacka weiterfahren, doch eine verlockende Unterkunft auf einem umgebauten Bauernhof ließ uns umdisponieren. Leider lag der einsam auf einer kleinen Halbinsel außerhalb von Asa.
Hier gabs gutes,billiges Frühstück Auf dem Kattegaten-Leden durch schöne Landschaft
1.9.2014 Tag 15, Frankenberg-Göteborg- Hareby
Heute klappt es besser mit dem Frühstück. Unser Gastgeber hat uns erklärt, wo schon am Sonntagmorgen eine kleine Bäckerei geöffnet hat. Danach geht es wieder über wunderschöne Radwege nach Göteborg. Das tiefblaue Wasser konkurriert mit dem wieder strahlend blauen Himmel.
Radweg mit Meerblick Auch ich bin selten solche Radwege gefahren
Bis in das Zentrum von Göteborg gelangt man schmerzfrei
3 schwäbische Radfahrer in Göteborg
Bei der Weiterfahrt zu unserem Etappenort Kareby haben wir das Problem, dass uns Komoot einen Weg über einen Fluss anzeigt, der gesperrt ist. Und unser Weg mündet in eine mit dem Rad unfahrbare Autobahn. Während wir einen Ausweg suchen, bekommt eine syrische Familie unser Problem mit und erklärt uns, dass auf der anderen Seite der Autobahn ein Radweg weiterführt, der nirgends eingezeichnet ist. So gelangen doch noch relativ schnell unser Etappenziel.
2.9.20/4 Tag 16, Kareby – Munkedal, 92 km, 760 hm
Es ist empfindlich kühl, als wir heute Morgen starten. Erstmals fahre ich mit langer Radhose. Frühstück haben wir heute nach 24 km. Wenig später schickt uns die Komootroute auf eine Sonderprüfung auf grobschotterigem Waldweg mit steilen Anstiegen und Abfahren. Dabei stürzt Gento, rollt sich aber gekonnt ab und hat nur eine kleine Blesur am Knie. Danach genehmigen wir uns eine kurze Mittagspause.
Glück gehabt, nur eine kleine Schramme an Gentos Knie.Kurze Mittagspause nach der Sonderprüfung
Das Vorwärtskommen wird immer beschwerlicher, es geht jetzt laufend Bergauf und Bergab. So sind wir froh, uns getrennt schon um 18 Uhr einquartieren zu können. Wir hoffen, dass der Treffpunkt morgen früh klappt.
3.9.2024 Tag 17, 75 km, 788 hm
Wie vermutet, hat Gento Probleme, uns zu finden. Erst eine Google-Navigation schafft Abhilfe. Es ist heute bewölkt, aber schon morgens ziemlich warm. Es läuft heute ganz gut, der Wind kommt wieder von hinten und wir sind heute fast immer auf wenig befahrenen Straßen unterwegs. Erstmals gönnen wir uns ein warmes Mittagessen. Das Nachtquartier, eine private Wohnung in einem Mehrfamilienhaus,finden wir zwar problemlos. Doch mit dem Aufschließen per Code gibt es wieder Probleme. Das Appartement liegt ziemlich abgeschieden, mit Abendessen und einem Bier wird es leider nichts mehr. Es ist unsere letzte Übernachtung in Schweden. Morgen werden wir die Grenze nach Norwegen passieren. Und da wird das Bier richtig teuer.
4.9.2024 Tag 18, 62 km, 688 hm
Es hat die ganze Nacht ziemlich stark geregnet. Doch bei unserer Abfahrt ist es wieder trocken und schwül. Erst müssen wir wieder ein Café finden, um nicht mit leeren Speichern loszufahren. Der Bäcker erzählt uns, dass er früher in Der Schweiz gelernt hat und auch Neuschwanstein kennt.
Die Strecke führt uns auf einen tollen Waldweg, allerdings mit ordentlich Anstiegen, die uns einiges abverlangen.
Brigitte bei einer Verschnaufpause
Kurz vor der Grenze machen wir eine Mittagspause und genießen nochmals ein schwedisches Buffet. Nochmals ein kräftiger Anstieg. dann sind wir auch schon in Norwegen und können die erste Brücke über einen Fjord genießen
In Norwegen angekommen. Und das mit dem Fahrrad!
Bald sind wir auf einem Radweg, der identisch ist mit den nationalen Radwegen 1 und 7 und den EuroveloRadwegen 3 und 12. All Radwege führen hier also nach Oslo. Leider können wir das geplante Etappenziel in Moss nicht mehr erreichen, sodass wir in Sarpsborg übernachten. So werden wir morgen ziemlich genau 100 km fahren. müssen, um nach Oslo zu kommen.
5.9.2024 Tag 19, 105 km, 876 hm
Heute findet das Frühstück genau vor unserer Zimmertüre statt. So kommen wir heute schon um 9 Uhr weg, was auch aufgrund der langen Etappe notwendig ist. Auch zwei mächtige Anstiege stellen sich uns schon vormittags in den Weg. Nachmittags folgen dann noch 2 weitere. Die Sonne strahlt noch einmal vom wolkenlosen Himmel. Die Temperaturen um die Mittagszeit liegen über 25 Grad. Erst die letzten 20 km sind pures Genussradeln. Auf schönem Radweg immer am Wasser entlang, zum Schluss am Oslofjord.
Wir sind jetzt fast 3 Wochen unterwegs und hatten keinen einzigen Regentag. Da wir für die Tour 3 Wochen eingeplant hatten, werden wir in Oslo die Tour beenden und uns ab morgen um den Rücktransport kümmern.
Und zum Schluss noch am Oslofjord entlang
6.9.2024. Tag 20 Ende der Tour und Planung der Rückreise
Nach knapp 3 Wochen auf dem Rad beschließen wir, den letzten Abschnitt bis Trondheim nicht mehr zu machen. Die körperlichen Voraussetzungen, die Ausrüstung und das Gepäck lassen die verbleibenden 650 km mit 8000 hm nicht mehr zu. Auch das bisher sonnige Wetter soll sich ändern, es soll regnerisch und kalt werden.
Gento überlegt, noch bis Stockholm zu fahren, doch von dort aus ist der Weitertransport mit dem Rad schwierig.
So beginnt die nicht stressfreie Planung der Rückreise mit dem Flugzeug. D.h. Radkartons zu organisieren, Räder und Ausrüstung zu verpacken, ein Maxi-Taxi zum Flughafen zu organisieren und die Flüge mit dem Radtransport zu buchen.So bleibt leider keine Zeit, die interessante Stadt Oslo zu erkunden. Einen passenden Flug finden wir schon für Samstag. Nach einigen Problemen gelingt es uns schließlich doch, diesen Flug zu nehmen.
Bei der Ankunft in München müssen wir feststellen, dass unsere Radkartons nicht angekommen sind. Was im Moment äußerst ärgerlich erscheint, entpuppt sich aber bald als großer Vorteil. Der Zug in Richtung Kisslegg ist wieder einmal rammelvoll und mit unseren 3 Radkartons hätten sie uns wahrscheinlich gar nicht mitgenommen. So bekommen wir die Räder mit dem Gepäck 3 Tage später frei Haus nachgeliefert.
Es regnet morgens wieder und es ist kein Zuckerlecken, heute mit dem Rad zu fahren. Ich möchte mich auch nicht mehr den Trucks und dem anderen Verkehr auf der weiterhin schulterlosen Schnellstraße stellen. Leider gibt es keine Möglichkeit, mit dem Schiff auf der Oka oder dem Zug nach Nischn Novgorod zu kommen. So bleibt nur der Bus. Um 11 Uhr fährt ein größerer Bus, der auch Räder mitnehmen kann. Am Ticketschalter unterstützt mich Natalie sprachlich telefonisch. Und die Frau am Ticketschalter ist sehr hilfsbereit. Obwohl der Busfahrer zuerst störrisch ist, nimmt er mich und mein Rad dank dem Einsatz der Frau dann doch mit. Dreieinhalb Stunden und 170 km später steige ich in Novgorod aus dem Zug aus, wo mich Ivan Bessarab schon mit dem Fahrrad erwartet. Das hat Nathalie im Vorfeld organisiert. Ivan ist Linguist und Ethiker. Außer Russisch spricht er Englisch und Deutsch. Er zeigt mir viele Sehenswürdigkeiten der Stadt , die am Zusammenfluss von Oka und Wolga liegt. Um komfortabler vorwärts zu kommen, stellen wir in einer Wohnung seines Sohnes mein Gepäck ab. Er bringt mich in die Wohnung einer Schulfreundin, wo wir dann nach einem Abendessen übernachten. Allerdings ohne mein Gepäck. Das werde ich erst morgen wieder bekommen.
,Professor’ Ivan empfängt mich am Busbahnhof Die Alexander Nevski Kathedrale ist eine der vielen Sehenswürdigkeiten
Oder auch die Maria Geburtstag- Kirche mit ihren prächtigen Türmen.
Sonnenuntergang über der Wolga
25.8.2023 Vorbereitungen für den letzten Teil der Radreise
Nach dem Frühstück bei Ina und Nicolai, den Bekannten von Ivan, mache ich mich gleich auf den Weg zum geplanten Treffpunkt bei Igor Babin. Er hat eine Fahrradreparatur-Werkstatt und kennt die Strecke, die mich die letzten vier Tage erwartet. Dort treffe ich auch wieder Ivan, der mir mit dem Taxi mein Gepäck bringt. Igor ist das Sinnbild ein Radmechanikers. Als Teekannen-Untersetzer benützt er eine Bremsscheibe. Er zeigt mir stolz sein Specialized Fahrrad. Nach gut anderthalb Stunden und einigen Tassen Tee hat er mir auch seine Strecke erklärt, wie er sie fahren würde. Es soll auf jeden Fall nicht mehr auf stark befahrenen Schnellstraßen weitergehen. Wir werden sehen.
Ivan muss heute Nachmittag wieder arbeiten und ich habe wieder ein Ferseh-Interview mit dem örtlichen Sender vereinbart. Dieser findet am Eingang des Azimut-Hotel statt, mit prächtigem Blick auf die Stadt und die Flüsse. Später zeigt er mir noch die stark frequentierte Fußgängerzone. In einer Seitenstraße führt er mich in eine katholische Kirche, die aus einem ehemaligen Pferdestall gebaut wurde. Eine freundliche Nonne der Franziskanerinnen zeigt uns die Kirche.
Auch eine katholische Kirche gibt es
Ivan bringt mich in seine Wohnung, wo ich die heutige Nacht verbringen werde, bevor es morgen weitergeht.
Blick vom azimut-Hotel auf die andere Seite von Novgorod mit Nemski-Kathedrale und Fußballstadion, wo bei der WM 2018 gespielt wurde.
25.8. 2023 Wieder auf dem Rad 118 km, 269 hm
Sorry, habe wenig Zeit. Das wichtigste in Kurzform: Ivan bringt mich zur Seilbahn- schwebe mit der Seilbahn über die Wolga- herzliche Verabschiedung von Ivan- zuerst viel Verkehr- dann immer weniger- verpasse eine Abzweigung- zweimal heftiger Regen- verpasse die Fähre nach Lyskovo um Nasenlänge- 2 Stunden warten- Fähre bringt mich nach 40 Minuten Fahrt über die Wolga- Hotel gleich neben Anlegestelle – es ist schon dunkel
Schwebend über die Wolga Abschied von Ivan- nicht von dem Schrecklichen, sondern von dem freundlichen Begegnung mit einem anderen Ivan- einem russischen Reiseradler Kloster in Makarewja, einige Umrundungen während der Wartezeit auf die Fähre
26.8.2023 Lyskovo – Surskie Zori, 89 km, 560 hm
Es gibt schon vor dem Frühstück wieder viel zu organisieren. Wer trifft wen wo, ist die Frage. Ich fahre bei bedecktem Himmel los und habe die Regenkleidung schon bereit. Komoot mach mal wieder einen Scherz mit mir und schickt mich ins Gebüsch. Schon wieder werde ich dreckig. Dafür bleibt es aber von oben her trocken. Schon bald finde ich mich auf der Schnellstraße wieder. Praktisch anfangs ohne Seitenstreifen reihe ich mich in den Verkehr ein. Schon bald ist der Adrenalin-Spiegel höher als der Puls. Einige Male drücken mich die Trucks in den Kiesstreifen neben der Fahrbahn. Nach 50 km treffe ich wie geplant Alexej in Torotynetz. Er reicht mir Tee und ich habe eine kleine Erholungspause. Nach einer knappen halben Stunde reihe ich mich wieder im Verkehr ein. Plötzlich wird aus der Schnellstraße eine richtige Autobahn und ich habe einen zwei Meter breiten, gut geteerten Seitenstreifen und kann mit Rückenwind jetzt Tempo machen.
Alexej reicht mir bei einer kleinen Pause Tee.
Überraschend schnell bin ich am Tagesziel in Surskie Zori, einem kleinen Feriendorf mit Blockhäusern für die Gäste. Eine halbe Stunde nach mir trifft Anatoli mit Familie ein.
Nach dem Essen lädt er mich (im Auftrag von Nathalie?) zu einer russischen Banja ein. Das hat nur wenig mit einer deutschen Sauna zu tun. Banja wird zelebriert und ist Kult in Russland.
Sehen aus wie 2 Hirtenjungen, denen sie die Kleider geraubt haben….Das Ferien-Resort Surskie Zorie
28.8. 2023 Sarskie Zorie-Cheboksary, 88 km, 560 hm
Ich habe gut geschlafen nach der Banja. Nach dem Frühstück geht es gleich wieder los auf die Schnellstraße. Ich habe mich mit den Leuten vom Radclub Cheboksari um 13 Uhr verabredet. Es wird knapp, aber obwohl ich mich einmal verfahre, bin ich zwei Minuten vor 13 Uhr am Treffpunkt. Es gibt eine erste Begrüßung mit warmem Tee. Und Loba überreicht mir einen selbst gepflückten Margariten-Blumenstrauß.Es ist der bisher kälteste Tag, seit ich in Russland bin. Immer mehr Radfahrer kommen von allen Seiten hinzu. In einer Kolonne geht es zum Hauptplatz von Cheboksary. Dort wartet auch schon das Fersehteam, mit dem ich wieder einmal ein Interview führe. Viele Leute sind auf dem Platz und wollen ein Selfie mit dem Radfahrer aus Deutschland.
Mein Empfangskomitee mit Chuvash Fahne der Region
Nach einem Imbiss geht es mit dem Bus zur Unterkunft von Wjaschelav. Wir planen noch die Route für morgen nach Kazan.
Ein solcher Empfang ist mir in meinem Radlerleben noch nie bereitet worden. Einfach unvergesslich!
29.8.2023 Ankunft in Kasan -Hauptstadt der Republik Tatarstan
Schon früh geht los. Mein Gastgeber Wjateschlav und ich nehmen schon um 6 Uhr morgens ein hastiges Frühstück zu uns. Wir haben eine Dreiviertelstunde Busfahrt vor uns, um wieder nach Cheboksary zu kommen. Danach geht es abwechslungsweise im Eilschritt oder Dauerlauf zur Anlegestelle des Schiffes nach Kazan. Kurz vor 8 Uhr sind wir auch dort. Leider nehmen sie mich nicht mit, da das Schiff bis auf den letzten Platz ausgebucht ist. W. versucht alles, dass sie ein Auge zudrücken. Leider ohne Erfolg. So müssen wir schweren Herzens eine Alternative suchen. Im Eiltempo geht es jetzt zum zentralen Busbahnhof, wo wir Gottseidank noch für den Nachmittag einen Busplatz für den Nachmittag bekommen. Ich habe ja meine Ankunft in Kazan für den Nachmittag geplant. Daher wäre eine Fahrt mit dem Rad ins 120 km entfernte Kazan nicht in Frage gekommen. Wenigstens die Busfahrt funktioniert mit Hilfe von Wjatscheslav und Nicolai. In Kazan nimmt mich auch gleich Ildus in Empfang. Wir kennen uns über Martin Krick schon seit 4 Jahren. Allerdings nicht persönlich. Das ändert sich in dieser Sekunde. Es ist, als ob wir uns schon lange kennen. Er holt mich natürlich mit dem Fahrrad ab und wir machen einen kleinen Umweg über das Zentrum Kazans, meistens dem Wasser entlang auf schönen Radwegen. In seinem schönen Haus in toller Lage am See lerne ich Ildus Frau Gulnara und seine hübsche Tochter kennen. Nach einem stilvollen Dinner sinke ich nach einem anstrengenden Tag, zwar ohne viel Kilometer, aber trotzdem müde ins Bett im Homestay von Ildus. Diese kleine Hütte hat er für solche Radfahrer wie mich extra gebaut. Er ist natürlich auch bei Warmshowers aktiv.
Angekommen bei Ildus in Kazan Kazan, die Hauptstadt Tartastans
30.8.2023 Festival in Kazan
Am 30. und 31.August feiert Kazan sein Stadtfest. Es sind 2 Feiertage, niemand arbeitet, alle sind auf den vielen Plätzen in der Innenstadt und feiern. Ildus, seine Tochter und zwei Freundinnen und ich fahren mit dem Rad zum Fest. Es ist in Russland üblich, auf den breiten Gehwegen auch Rad zu fahren. Andererseits gibt es auch schöne Radwege. Wir schauen uns einige Events an . Überall ist feiern und gute Laune angesagt unter dem Motto Singen, Spielen, Tanzen, Musizieren
Am Nachmittag geht es zurück zum Haus von Ildus. Wir sind so ganz nebenbei 34 km mit dem Rad gefahren. Ildus bereitet Paella vor und in seiner Gartenhütte gibt es Festtagsessen und Bier, Wein und andere Getränke. Weitere Leute kommen dazu. Auch Svetlana, eine Dolmetscherin, die morgen beim Interview übersetzen wird.
Ildus bereitet aus seiner umfangreichen Radkollektion die Räder für die Tour vor Bikewäsche mit Rosa-Shampoo- schließlich können wir nicht mit dreckigen Rädern zum Fest fahren.Moschee im Kreml
31.8.2023 Der russische Monat geht zu Ende
Der letzte Tag des Monats und meines Aufenthaltes in Russland geht zu Ende. Ildus und ich sind heute beschäftigt mit der Buchung des Rückfluges und der Vorbereitung des Abschlussabends beim Rotary-Club. Dazwischen lädt er mich noch zu einem Lunch ein im 25.Stock eines Restaurant. Noch einmal genieße ich den Blick über die Millionenstadt mit der Wolga und den 3 Seen und dem Kreml.
Abends gibt es nochmals ein kurzes Interview mit dem örtlichen Fernsehen und einen sehr schönen Abend mit den Rotarieren. Ein würdiger Abschluss einer denkwürdigen Radreise.
Morgen heißt es dann, das Rad und die Utensilien zu verpacken, bevor mich Ildus zum Flughafen bringen wird.
Eine Rückschau auf diese Reise werde ich machen, wenn ich wieder zuhause bin.
Bis ich aber alle Eindrücke verarbeitet habe, wird es Monate dauern.
Ein letzter Blick auf Kazan, der Hauptstadt von Tatarstan
16.8.2023 Mit dem Fahrrad entlang der Moskwa zum Roten Platz
Viele haben mich belächelt, als ich erzählte, dass ich mit dem Fahrrad nach Moskau fahren will. Ich glaubte es ja ehrlich bis vor wenigen Tagen selbst nicht. Es war ein erhebender Moment, vom Hotel entlang der Moskwa mit dem Journalisten Ulrich Heyden an meiner Seite, zum Roten Platz in Moskau zu radeln. Ein weiterer Meilenstein in meinem Radreiseleben ist gesetzt worden.
Für morgen hat mir Nathalie eine Stadtführerin organisiert, die mir weitere Kulturelle und geschichtliche Hintergründe näher bringen will. Auch hat sich für morgen eine weitere Journalistin angemeldet, die mit mir ein Interview machen will.
Die Basilius-Kathedrale mit ihren 7 Türmen Das sind noch richtige Bauwerke, keine Gläserpaläste
17.8.2023 Moskau- die größte Stadt Europas
Von der Fläche her größer als Luxemburg, von der Einwohnerzahl mit 15 Millionen mehr als Österreich, die Schweiz und Belgien und nur wenig hinter der Einwohnerzahl von den Niederlanden.
Das alles hörte ich heute von meiner Stadtführerin Svetlana , die mich heute in die historische, kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung einweihte.
Doch der Reihe nach: Svetlanas resolutes Auftreten war erstmal gefragt, um mein Hotelzimmer für weitere 2 Nächte behalten zu können. Es entbrannte ein enges Werben, wer die knappen Zimmer bekommt. Andere Alternativen gab es nicht. Es schienen wieder einmal alle Hotelzimmer belegt zu sein. Wir wurden weggeschickt mit dem Versprechen, dass wir unterwegs Bescheid bekommen würden. Es dauerte dann mehr als 3 Stunden, bis es hieß, ich könne um 21 Uhr wieder ein Zimmer im gleichen Hotel beziehen. Uff- ich war froh, mit meinem Fahrrad und dem Gepäck nicht nochmals das Hotel wechseln zu müssen.
Die Führung begann mit einer 2,5 ständigen Bootsfahrt auf der Moskwa. Das ist bei Temperaturen von 30Grad. entspannend und man bekommt einen guten Überblick über die Stadt. Danach folgte eine Sehenswürdigkeit nach der anderen. Leider konnten wir nicht in den Kreml, der ist Donnerstag immer geschlossen. Aber mit dem Roten Platz, dem Mahnmal des unbekannten Soldaten, dem größten Kaufhaus GUM, dem KGB-Gebäude, den Sperlings-Bergen und des Luschniki-Sportparks gab es noch viel zu sehen. Ein absolutes Highlight sind die verschiedenen Stationen der Metro. Ein Kunstwerk nach dem anderen- im Untergrund von Moskau.
In etwas mehr als neuneinhalb Stunden lernte ich viel über Moskau kennen. Trotzdem ist das wahrscheinlich nur ein kleiner Teil dieser lebendigen, kraftvollen, aber auch ein bisschen geheimnisvollen Millionenstadt
Die passende Kleidung zum Roten Platz Das Bolschoi-Theater Das Grab des unbekannten Soldaten an der Kremlmauer Im Kaufhaus GUM Das Luschniki-Stadion Eine der kunstvollen Metro-Stationen Glasmalerei an einer anderen Metro-Station
18.8.2023 Fast ein Ruhetag in Moskau
Nach der anstrengenden Stadtbesichtigung schlafe ich sehr gut und wache erst kurz nach 8 Uhr auf. Hurra, ich habe keine Termine heute. Ich kann also in Ruhe frühstücken und mich bei meinen vielen Unterstützern rückmelden.
Erst am frühen Nachmittag setze ich mich auf das Rad und fahre ziemlich ziellos der Moskwa entlang. Es regnet leicht, aber durch die warme Temperatur verdunstet der Regen sofort auf der Haut oder auf der Kleidung. Ich fahre bis zum Lushniki-Sportpark. Dort ist heute sowas wie Tag der offenen Tür mit vielen Sportangeboten für Erwachsene und Kinder. Am Ausgang gibt es kostenlose Verpflegung für alle in Form eines Tellers Buchweizen- der russischen Leibspeise- und Tee dazu.
Mit Einbruch der Dunkelheit fahre ich ein letztes Mal zum Roten Platz. Die Kenner sagen, dass es dort nachts noch eindrucksvoller sein soll. Und so ist es dann auch. An einem Souvenir-Shop, wo ich eine Moskau-Cap kaufe, komme ich noch ins Gespräch mit einem Algerier. Sein Wunsch sei es immer gewesen, in Deutschland zu arbeiten, doc die nähmen ja keine gut ausgebildeten Leute sondern nur Bootsflüchtlinge. die nicht mal ihren Namen schreiben könnten.
Obwohl ich heute früh ins Bett wollte, da ich mich morgen früh schon um 5.30 Uhr mit Anton Kasanov treffe, der mit mir auf den goldenen Ring will, wird es wieder einmal spät.
Der Lusniki-Sportpark Es gibt kostenlos Buchweizen mit Brot und TeeEs wird an allen Ecken und Enden renoviert.Eine Einkaufsstraße am roten Platz bei Nacht Ein ganz besonderes Flair-Moskau bei Nacht
19.8. 2023 Zum ersten Mal Begleitung- auf dem goldenen Ring, 200 km Autofahrt, 75 km mit dem Rad
Pünktlich um 5.30 am Morgen holt mich Anton Kasanov mit dem Transporter von velorussia am Hotel ab. So kommen wir noch einigermaßen schnell aus dem Großraum Moskau heraus. Da Anton nur 3 Tage Zeit hat, werden wir nur einen kleinen Teil des Goldenen Rings besuchen können. Eigentlich sind es sieben historische Städte im Nordosten von Moskau, in denen erhaltene Kirchen- und Kulturanlagen aus dem 11. und 12. Jahrhundert zu besichtigen sind.
Nach 200 km und zweieinhalb Stunden Fahrt lassen wir das Auto in Yurvey Polski stehen und packen die Fahrräder. Anton will mit mir heute über Gavrilov Posad nach Susdal, eine der historischen Städte. Anton führt mich auf Wiesenpfaden in ein kleines, fast ausgestorbenes Dorf mit vielen halbzerfallenen Häusern. Auch hier in Russland scheint es eine Landflucht zu geben. Die Jungen zieht es in die Städte, die Alten sterben aus.
Einen kleinen Imbiss nehmen wir in einem Pferdemuseum ein. Wir werden sehr freundlich behandelt.
Schon kurz nach 15 Uhr sind wir in Susdal. Nathalie hat uns schon ein schönes Privatquartier gebucht. Ivan erwartet uns schon und zeigt uns die Zimmer. Nach der kurzen Nacht, der anstrengenden Auto- und Radfahrt gönnen wir uns einen Mittagsschlaf. Die Besichtigung steht morgen auf dem Programm.
Mit dem Transporter von Velorussia zum Startpunkt Im Kreml von PolskiAlte zerfallene Häuser Daneben aber auch liebevoll restaurierte Susdal in Sicht
20.8.2023 Ein Tag in Susdal und um Susdal herum
Nach einer guten Nacht mit Egalisieren des Schlafdefizits der letzten Nacht bereitet uns Svetlana, die Gastgeberin ein gutes Frühstück mit ausgezeichnetem Kaffee.
Anton stellt mir das Programm vor für heute. Es beinhaltet nicht nur die ohnehin schon vielen Sehenswürdigkeiten in Susdal, sondern auch in zwei Ortschaften um Susdal herum. Darum werden wir heute nicht nur Besichtigungen machen, sondern dazwischen auf dem Rad mehr als 50 km zurücklegen. Doch was ist der goldene Ring, was ist an Susdal so besonders? Eine kleine Beschreibung:
Anfang des 12.Jahrhunderts war Moskau noch ein kleines, unbedeutendes Bauernnest. Da war Susdal bereits Hauptstadt des Fürstentums Rostow-Susdal und ein zentraler Handelsort, vorwiegend für Weizen aus der umliegenden fruchtbaren Region.
Erst 1392 wurde das Fürstentum Susdal-Nischni-Novgorod von Moskau annektiert. Die Stadt verlor in den nachfolgenden Jahrhunderten zwar massiv an politischer Bedeutung, galt jedoch weiter als religiöses Zentrum.
Im 16. Jahrhundert waren es Ivan der Schreckliche und Wassili III. die hier Kirchen und Klöster errichten ließen, später im 17. und 18. Jahrhundert wohlhabende Kaufleute.
Die versäumte Anbindung an das Bahnnetz aber auch der relativ frühe Denkmalschutzstatus (1967) vermieden die Industrialisierung und erhielten bis heute den eher dörflichen Charakter der Kleinstadt mit knapp über 10 000 Einwohnern am Flüsschen Kamenka.
Über 300 denkmalgeschützte Gebäude darunter 30 Kirchen, Glockentürme und fünf Klöster aus dem 13. bis 17. Jahrhundert machen Susdal wohl zu einem der besten und empfehlenswertesten Beispiel russischer Kultur.
Susdal hat sich in den Jahren nach der Sowjetzeit neben Sankt Petersburg und Moskau zu einer der meistbesuchtesten Städte Russlands entwickelt.
Genau das können wir bestätigen, war es doch schwer für uns, am Wochenende ein freies Zimmer zu bekommen.
Auch auf den Straßen und den Sehenswürdigkeiten tummeln sich die Menschen. Gestern Abend fand auf dem vollen Hauptplatz ein Konzert eines Orchesters aus Wladimir statt.
Nachdem schon vormittags dunkle Wolken aufzogen, besuchten wir zuerst die Sehenswürdigkeiten außerhalb Susdals. Zuerst bestaunte ich den ältesten in Russland aus Stein gebauten Turm, danach folgte eine beeindruckende Kathedrale in Sanino mit einer heiligen Quelle.
Fast so schief wie der Turm von Pisa – aber älter Bei den heiligen Quellen von Sanino. Der Mann in der Mitte war ganz angetan von meiner Radtour.Wer ist denn hier der Kutscher?Es fällt mir schwer, aus all den vielen Sehenswürdigkeiten Bilder auszusuchen: Wassili-Kloster aus dem 13. Jahrhundert
Nach dem Mittagessen in dem Restaurant unserer Gastgeberin waren noch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Susdal angesagt. Zwischendurch mußten wir immer wieder heftigem Gewitterregen ausweichen.
Die Susdaler Kremlanlage (1094-1225) mit der Maria-Geburtskathedrale, den markanten blauen Kuppeln und dem Erzbischofpalast sind UNESCO-Welerbe.
Maria-Geburtstag-Kathedrale
Um die vielfältigen, geschichtsschwangeren Eindrücke des heutigen Tages verarbeiten zu können, bedarf es noch einiger Tage und Wochen.
Gegen 18 Uhr kehrten wir von unserer Tour ziemlich erschöpft zurück
In diesem schicken Haus, etwas außerhalb von Susdal, sind wir untergebracht.
21.8. 2023 Russland rustikal- Auf Wiesenpfaden nach Wladimir, 75 km
Der letzte Tag mit Anton beginnt
Heute ist schon wieder der letzte Tag zusammen mit Anton. Er hat sich dafür eine ganz besondere Strecke nach Wladimir ausgesucht. Vielleicht will er mich auch nochmals testen, ob ich geländegängig und schmerzfrei bin.
Nach einem letzten Rundblick auf Susdal und seine imposanten Kirchen und Klöster geht es gleich richtig offroad los. Löcherige, steinige und grasbewachsene Pfade wechseln sich ab. Ein kleine Brücke über einen Bach ist eingebrochen und wir müssen den steilen Weg wieder zurück. Mit meinem Gepäck keine einfache Aufgabe. Fahrbare, asphaltierte Strecken wechseln sich immer wieder ab mit Wiesenpfaden. Der Regen der letzten Tage hat große und kleine Wasserpfützen hinterlassen. In einer sinke ich so tief ein, dass wir erst das Rad vor der Weiterfahrt vom Schlamm und Dreck befreien müssen.
Das Rad muss erst vom Dreck befreit werden.Nichts dreht sich mehr…Anton in seinem Element
Irgendwann sagt Anton: Alfred, now comes the last bad section. After this only good roads. Und nach knapp 5 Stunden war es dann auch soweit. Nochmals einer stark befahrenen Schnellstraße entlang, dann kam das Ortsschild von Wladimir
Soviel kann ich in der Zwischenzeit schon lesen, dass ich weiß, dass das Wladimir heißt
Von hier weg waren es bis zu meiner Unterkunft nochmals 16 km zu fahren. Wladimir hat über 400 000 Einwohner, viele Ampeln und viele Bürgersteige mit hohen Kanten. In Russland ist es üblich, innerhalb Städten die sehr breiten Gehwege zu benützen.
Nathalie, meine Gastgeberin erwartete uns schon und zeigte mir das schöne, neue Appartement , in dem ich 2 Tage lang wohnen darf.
Nach einer Dusche und kurzem Relaxen lud mich Nathalias Familie noch zum Dinner ein. Hier mußte ich mich von meinem tollen Begleiter Anton Kasanov verabschieden. Leider konnten wir nur 3 Tagen zusammen fahren. Anton lud mich wein, mit ihm im nächsten Jahr 2 Monate durch Baschkirien im Uralgebiet Rad zu fahren.
Do svidanja, Anton
22.8.2023 Ruhetag und Sightseeingtour in Wladimir
Nach dem harten Tag gestern genieße ich es heute, ausschlafen zu können. Erst um 10.30 Uhr holen mich Elena und Dimitri, beide aktive Mitglieder des Rotary-Clubs in Wladimir, in dem Appartement ab. Danach stehen aber gleich wieder zwei Interviews beim lokalen Fernsehsender und einer Online-Zeitung auf dem Programm. Inzwischen ist das fast schon normal für mich und wird schon zu einer gewissen Routine. Vor dem nächsten Interview steht der Besuch der 1165 erbauten Fürbitte-Kirche auf dem Fluss Nerl an. In fast allen Gebäuden und Kirchen ist der Name Fürst Andrej Bogolyubovo präsent, Dieser ist unmittelbar an der Geschichte Russlands entscheidend beteiligt.
Wie Susdal ist auch Wladimir bis in die heutige Zeit ein religiöses Zentrum geblieben. Selbst die Sowjetzeit konnten sie fast unbeschadet überstehen.
Ein reichhaltiges Mittagessen im Vereinslokal von Rotary schloss einen unruhigen, aber abwechslungsreichen Ruhetag ab.
Die Fürbitte-Kirche auf dem Fluss Nerl ist UNESCO-Weltkulturerbe.Erbaut 1165Die Maria-Himmelfahrt-Kathedrale von Wladimir, erbaut 1158-1161Blick auf Wladimir
23.8.2023 Richtung Kazan- der erste Regentag, 88 km
Nathalia hat einen Van organisiert, um nicht nochmals 50 hohe Bordsteinkanten überqueren zu müssen und ein Stück näher meinem Tagesziel Murom zu kommen. Bis dorthin wären es 130 km. Auf einem Rastplatz setzen sie mich dann aus und ich mich aufs Rad. Der Verkehr ist heftig und der Seitenstreifen ist bald nicht mehr vorhanden. Wenn die Trucks mich bei Gegenverkehr überholen, wird es knapp und oft hilft nur ein Ausweichen auf den Kiesstreifen. Und zu allem kommt auf den letzten 30 km heftiger Regen. Jetzt heißt es, nicht nur den Trucks, sondern auch den Waserpfützen auszuweichen. So bin ich doch fast 5 Stunden unterwegs bis ich das Ortsschild von Murom erreiche.
Abschied von Nathalia, meiner Gastgeberin in Wladimir und meine Reise-Assistentin, aktiv bei den RotarierenRegenpause im Buswartehäuschen Murom erwartet mich.
Gottseidank finde ich das Hotel schnell. Allerdings ist der Eingang zum Hotel von vielen Jugendlichen und auch vom Fersehteam belagert. Anscheinend logieren hier Fußballer und werden von den Fans vor dem heutigen Spiel erwartet. Nathalia hat heute Abend für mich eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Murom organisiert. Olga und ihr Team erwarten mich schon. Das Museum und die anderen vielen Sehenswürdigkeiten ziehen mich so in den Bann, dass ich meine Müdigkeit abstreifen kann.
Für morgen suchen wir eventuelle Alternativen zum Radfahren. Einheimische Radfahrer raten von einer Weiterfahrt ab. Der Verkehr soll eher noch zunehmen. Alternativen wäre eine Schiffsreise auf der Oka oder eine Fahrt mit dem Elektrischka, dem Nahverkehrszug. Wir werden morgen entscheiden.
Auch hier sind sie schon vor mehr als 100 Jahren radgefahren. Exponat im Museum Ein berühmtes Ikonenbild im Museum Links die Museumsleiterin, in der Mitte die Übersetzerin ins Deutsche Eines der beiden Klöster
Da es jetzt weitergeht in Richtung Kasan werde ich nächsten Berichte unter dem Menü Kasan schreiben
Die Peter und Paul- Kathedrale -Grabstätte der russischen Zaren
9.8.2023 Ein Besichtigungstag in Sankt Petersburg 0 Radkilometer, 21804 Schritte
Auch ein Tag ohne Fahrrad kann anstrengend sein. Und Elena kannte keine Gnade. Von einer Kathedrale zur nächsten, von der Sommerresidenz zur neuen Eremitage, vom Winterpalais zur Admiralität, von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Und während dem Mittagessen noch ein Interview mit einer russischen Zeitung. Und Elena war bis zum Schluss voll in ihrem Element. Während sie ihr umfangreiches Wissen über die Geschichte der Stadt mir näher brachte und auch körperlich keine Ermüdungserscheinungen zeigte, versagten bei mir immer mehr die Beine ihren Dienst. So war zwar der Kopf nach 8 Stunden voll von Informationen, meine Beine aber schwer wie Blei. Und morgen werden wir den zweiten Teil der Besichtigung unternehmen. Aber der ist nach Aussage von Elena kürzer.
Mit dem Boot auf einem der vielen Kanäle
10.8.2023 Peterhof – das Versailles Russlands 15243 Schritte
Wasser,Blumen, Gärten, Schloss in voller symmetrischer Vollkommenheit
Nach einer einstündigen Fahrt von Elenas und Alexanders Haus stehen wir am Eingang zum Peterhof, der Residenz des Zaren. Auf uns wartet schon wieder ein Fersehteam eines Petersburger Senders. Sie begleiten uns für die nächste halbe Stunde. Dazwischen führen sie mit mir ein Interview. Elena übersetzt wieder. Inzwischen ist das die letzten Tage schon zur Routine geworden. Allmählich wird mir bewusst, warum die sich alle auf mich stürzen. Erstens ist es nicht alltäglich , mit dem Rad durch Russland zu fahren und schon gar nicht als Ausländer. Ich komme mir vor, als wäre ich der Einzige. Und nach den. Gesprächen, die er ich geführt habe, wollen sie mich alle bei meinem Unternehmen unterstützen.
Nach einem schönen, aber anstrengendem Tag auf dem Peterhof kocht Alexander noch ein tolles Abschiedsessen. Es gibt spanischen Rotwein dazu. Elena und ich planen die weitere Tour in Richtung Moskau mit den Übernachtungen. Sie werden mich morgen früh mit dem Auto zum Ausgangspunkt nach Chudova bringen. Ein eingeplanter Begleiter ist kurzfristig abgesprungen. Aber nach der Planung meiner russischen Freunde dürfte ich das auch im Alleingang schaffen.
Chefkoch Alexander hat zum Abschied noch ein leckeres Menü zubereitet
11.8.2023 Richtung Moskau. 96 km
Abschied von Elena Und von Alexander
Heute gibt es ein frühes Frühstück, schon um 6.30 Uhr. Alexander will mich bei Chudovo auf den R1 Radweg nach Moskau bringen. Nach zweistündiger Fahrt heißt es auch von Alexander Abschied zu nehmen. Es heißt wieder kurbeln. Nach einer kurzen Einrollphase stehen gleich 35 km Schotterpiste mit Waschbrett an. Dafür kein Verkehr und schöne Landschaft, oft bin ich allein im Wald. Erst nach diesem Abschnitt folgen kleinere Dörfer. Die Straße ist in sehr gutem Zustand und es geht nur leicht bergauf und bergab. So bin ich schon kurz vor 16 Uhr am Stadtrand von Velikiy Novgorod
Die größte Stadt zwischen Sankt Petersburg und Moskau
Nach einer weiteren halben Stunde bin ich am Hotel im Zentrum der Stadt angekommen.
12.8.2023 Veliky Novgorod – Starya Russa 120 km
Heute habe ich schon einen Termin mit einem Fersehteam vor dem Frühstück. Das verzögert meine Abfahrt um fast eine Stunde. Das Fersehteam frägt mich, was ich schon alles in Novgorod gesehen habe. Ich muss eingestehen, dass ich noch nichts gesehen habe. Aber das hole ich nach dem Frühstück nach. Es lohnt sich, eine der ältesten Städte Russlands überhaupt zu besichtigen. Der Kreml mit der 1,5 km langen Kremlmauer, die Kirchen aus dem 11. und 12. Jahrhundert und ein Glockenspiel sind die Highlights.
Die KremlmauerDie Nicolai-Kathedrale wird gerade renoviert
So wird es heute spät, bis ich in die Tagesetappe einsteigen kann . Jetzt ist Gasgeben angesagt, habe ich heute doch 120 km vor den Reifen. Es ist bewölkt, die Temperatur fast optimal bei knapp über 20 Grad und keinem Wind. Heute ist die Etappe mit den langen Geraden. Nacheinander geht es über 25 km, 12 km und nochmals 25 km schnurgerade aus auf einer relativ stark befahrenen Schnellstraße mit und ohne Seitenstreifen. Es sind keine wirklichen Steigungen zu überwinden. So komme ich heute auf einen Schnitt von über 20 km/h. Auf den letzten 20 Kilometern fängst es erst an zu nieseln, später zu regnen. Erstmal werde ich auf der Tour ein wenig nass. Das vorbestellte Hotel finde ich schnell und bin zum ersten Mal an einer warmen Dusche froh.
13.8.2023 Starya Russia – Demyansk, 96 km
Es hat nachts wieder ziemlich geschüttet. Aber pünktlich zur Abfahrt hört es wieder auf. Die Frau im Hotel hatte Probleme mit meiner Registrierung. Normalerweise sollte man innerhalb 7 Tagen nach dem Grenzübertritt sich registrieren lassen. Und das hatte ich noch nicht gemacht. Ich wartete darauf, eine Registrierung in Papierform zu bekommen. Das ist aber scheinbar nicht mehr üblich. Das läuft über den Zentralcomputer des Innenministeriums. Nachdem das geklärt war und nach dem kümmerlichen Frühstück, geliefert auf das Zimmer, kam ich doch schon vor 10 Uhr weg. Es war praktisch kein Autoverkehr heute morgen auf der Schnellstraße. Ich war wieder mal alleine im Wald. Größtenteils jedenfalls. Nachdem ich im Hotel kein Wasser mitnehmen konnte und kein Laden am Wegesrand war, hoffte ich, im einzigen Ort auf der Strecke, nach 45 km, einen geöffneten Laden zu finden. Und es gab ihn tatsächlich. In Russland heißt das Magazin, gleichzusetzen mit unseren frühen Tante Emma-Läden
Hurra, ein Magazin
Die zweite Hälfte der Etappe war nur 2 km länger als die erste, also 47 km. Die Straße blieb gut, der Verkehr wurde auch nicht stärker. Jetzt kam ich in das Gebiet von Demyansk. Vielleicht ist einigen noch aus der Geschichte des 2. Weltkrieges der „Kessel von Demyansk bekannt.
Nicht wenige Geschichtsschreiber sehen im Kessel von Demyansh letztendlich die Ursache für die Wende im Deutsch-Sowjetischen Krieg. Der sowjetischen Armee gelang es beim Vorrücken im Feb.42 im Raum Demyansk auf einer Gesamtfläche von 100 Quadratkilometern sechs deutsche Divisionen mit fast 100 000 Soldaten zu umschließen. Die im Kessel von Demyansk eingeschlossenen Truppen wurden durch die Luft versorgt. Täglich wurden etwa 275 Tonnen Fracht eingeflogen und insgesamt ca, 22 000 Verwundete ausgeflogen. So nüchtern die Zahlen klingen, sollen nicht die Entbehrungen, das Leid und der Tod der Soldaten beider Seiten und besonders der russischen Zivilbevölkerung, man spricht hier von 20 000 bis 100. 000, vergessen werden. Viele der deutschen Soldaten sind hier auf dem Friedhof Korpovo bestattet.
Schon nach 4.30 Stunden Fahrt war ich am Service-Point des Radweges R 1 in Demyansk. Sergej betreibt den Radler-Stützpunkt in Demyansk. Allerdings bin ich hier der erste Radfahrer seit langer Zeit. Sergej bereitet mir auch ein Abendessen.Und er organisiert ein Bier dazu. Obwohl keiner die Sprache des anderen beherrscht, verstehen wir uns prima.
Einige alte und neue Holzhäuser am Wegesrand
14.8.2023 Auf der Waldai-Höhe, Auto-Transfer 65 km, Fahrrad 56 km
Der Planer des Radweges R 1, Detlef Kaden, warnt vor dem ersten Teil der heutigen Etappe und empfiehlt, den Transport-Service des Stützpunktes in Anspruch zu nehmen. Nach dem vielen Regen der vergangenen Tage ist das dringend zu empfehlen. Sergej vom Stützpunkt hat aber kein entsprechend großes Auto, um das Rad zu transportieren. Aber er organisiert ein entsprechendes Auto mit Fahrer. Nachdem er mir ein ordentliches Frühstück gemacht hat, warten wir auf das Auto. Und kurz nach 10 ist Sergej, der Freund von Sergej, mit seinem Lieferwagen da. Groß genug, um 10 Bikes zu transportieren. Nach einem herzlichen Abschied von Sergej 1 geht es auf die „Rumpelfahrt“ die fast genau so viel Schmerzen bereitet wie eine Radfahrt. Für die 65 km benötigen wir fast 2 Stunden.
Hier meine Gedanken während dieser Fahrt: Sergej hat sich bereit erklärt für diese Fahrt. Ja, er bekommt ein wenig Geld dafür. Er wird hin und zurück fast 4 Stunden Zeit brauchen. Und sein Fahrzeug und er werden während der Fahrt richtig malträtiert. Während der Fahrt kommen wir mindestens an 5 „Mass War Grave“ 1941-1945 vorbei. Den kyrillischen Text kann ich nicht lesen. Daher sind die Hinweise in beiden Schriftarten angegeben. Fünf Kriegs-Massengräber. Ob da auch Verwandte oder Familienmitglieder von Sergej dabei sind? Was denkt er wohl gerade bei der Vorbeifahrt? Ich bekomme ein beklemmendes und zugleich positives Gefühl. Unsere Väter haben sich hier bekämpft. Und heute, ca. 80 Jahre später sitze ich als Deutscher in einem Auto eines russischen Freundes, der mich begleitet. Genau von solchen Momenten habe ich geträumt, als ich diese Radtour geplant habe. Nie wieder dürfen wir zulassen, dass der Haß zwischen unseren Völkern geschürt wird. Es ist unfassbar, wie russische Sportler oder Künstler diffamiert werden. Wo ist vor allem unsere Jugend, die dagegen protestiert? Auch unsere vorherige Generation hat später gesagt, dass sie von nichts gewusst haben. Das darf nicht noch einmal passieren.
Abschied von Sergej 1 in DemjanskAbschied von Sergej 2 in Svapushhe
Übrigens bin ich jetzt auf den Waldai-Höhen, ziemlich genau da, wo die Wolga entspringt.
Eines der vielen Massengräber
Die restlichen gut 50 Kilometer nach Ostaschkov sind entspannend zu fahren. Gute Straße, zuerst wenig Verkehr, später mehr, dafür breiter Seitenstreifen
In Ostashkov hat mir Elena eine private Adresse aufgeschrieben. Ich fand aber ein ansprechendes Hotel im Zentrum. Ich habe dann noch Nicolai, das war die Privatadresse, besucht, und war froh, im Hotel zu wohnen. Sein Haus ist mehr als 200 Jahre alt und so sieht es auch aus. Der Garten ist ein Exempel dafür, wie es aussieht, wenn man jahrelang nichts zurück schneidet. So muss der Garten Eden ausgesehen haben. Nicolai ist emeritierter Mathematik- Physik-Professor. Sein Freund ist Schriftsteller. Zusammen laden sie mich noch zu einem Abendspaziergang zum Ende der Halbinsel im Seligersee ein . Morgen will er mich ein Stück mit seinem VW-Bus mitnehmen. Falls das Rad noch Platz hat im unaufgeräumten Kofferraum des Autos. Man wird sehen….
Der Garten von Nicolai mit vielen Kunstwerken.
Sonnenuntergang am Seligersee
15.8.2023 Ostashkov-Moskau mit dem VW-Transporter
Nicolai will mich ja heute ein gutes Stück mitnehmen.Geplant ist bis nach Torshok. Er plant, kurz nach 13 Uhr abzufahren. Er nimmt 4 Leute mit in Ostaschkov und mich. Beim Fahrrad müssen wir die Räder ausbauen, damit es reinpasst. Aber es gelingt Nicolai, alles sauber unterzubringen. Es ist kurz vor 17 Uhr, als wir in Torshok sind. Nicolai fragt mich, ob ich wirklich nicht bis Moskau mitfahren möchte. Den dort fährt er hin. Nach kurzer Überlegung und nach Rücksprache mit Elena, ob sie das gebuchte Zimmer in Torshok stornieren kann, entscheide ich mich, das Angebot von Nicolai anzunehmen und gleich mit nach Moskau zu fahren.
Der ursprüngliche Plan war, nach Torshok noch zwei Tagesetappen zu fahren und dann mit dem Zug von Volokolamsk nach Moskau zu fahren. Denn auf dieser Strecke verkehren viele Kieslastwagen. Es ist das Hauptkiesabbaugebiet für den Straßenbau rund um Moskau. Die zweite Variante wäre gewesen, von Torshok über Twer mit dem Zug nach Moskau.
Daher war es keine wirklich schwierige Entscheidung, gleich im Auto sitzen zu bleiben und direkt nach Moskau gefahren zu werden. Und Elena hat mir gleichzeitig ein nettes kleines Hotel in Moskau besorgt. Und das für Moskauer Verhältnisse zum günstigen Preis.
Die nächsten Tage werde ich wieder viel Termine mit Fernsehteams und Zeitungsschreiber zu tun haben.
Meine Berichte könnt ihr ab morgen auf der Seite Moskau-Goldener Ring lesen. Es bleibt spannend!
Ostaschkov am Seliger See Sauber verstaut- mein Rad mit Gepäck Die ersten Wolkenkratzer von Moskau
Vor der Anreise mit dem schweren, unhandlichen Radkarton hatte ich ordentlich Bammel. Es ist immer wieder eine Herausforderung, das verpackte Rad in den Zug, das Flugzeug oder in den Bus zu bekommen. Aber letztlich hat alles geklappt- ich bin pünktlich, aber müde kurz vor Mitternacht im Hotel angekommen. Es gab nur eine Schrecksekunde, als ich feststellte, dass ich alle Kreditkarten zuhause vergessen hatte- im Kopierer. Die Kopie hatte ich zwar dabei, aber vor allem die russische Kreditkarte brauche ich als Plastikkarte.Inzwischen hat Brigitte die Karten per DHL Express weggeschickt. Wenn alles klappt, werden sie morgen oder spätestens übermorgen da sein. So werde ich einen Tag länger in Helsinki bleiben müssen.
Ich habe inzwischen das Rad wieder zusammengebaut und auch zwischen den stündlichen, ergiebigen Regenfällen eine kleine Tour durch Helsinki gemacht und dabei festgestellt, dass es überall schöne Radwege gibt. Nur die Ortsnamen sind ein bisschen gewöhnungsbedürftig.
Radwege in alle Richtungen..
2.8. Warten, warten. Nicht auf gutes Wetter. Das wäre zwar auch nicht schlecht. Die letzten zwei Tage habe ich keine Sonne gesehen. Aber viel ungeduldiger warte ich auf die Kreditkarten, die per DHL Express kommen sollen. Zweimal gingen sie schon wieder zurück. Beim ersten Mal waren sie nicht gesperrt, beim zweiten Mal schon. Ich weiß den Grund noch nicht. Jetzt muss ich mir überlegen, eventuell anders in Russland an Geld zu kommen. Es gibt Alternativen, die sind aber komplizierter. Meine russischen Radfreunde werden eine Lösung finden.
Habe heute wieder meine nervösen Beine etwas bewegt und die schönen Radwege rund um Helsinki genossen. Die Namen sind unaussprechlich- es sieht aus, als hätten sie die Buchstaben wahllos aneinander gefügt. Aber ich will mich nicht beschweren. Ich kann sie zumindest noch lesen. Nach der russischen Grenze ist auch das vorbei.
Zum ersten Mal war heute so was ähnliches wie die Sonne zu sehen.
3.8. 2023 Das Warten hat ein Ende. Nachdem es mit dem Versenden der Kreditkarten wieder nicht geklappt hat, greift Plan B. Nathalie lässt alle ihre Beziehungen spielen, dass ich in St.Petersburg eine russische Kreditkarte bekomme.
So kann ich endlich loslegen- schließlich liegt ein langer Weg vor mir. Ich habe die Strecke vom Hotel in Helsinki/Vantaa zum Eurovelo 10 /R1 mit Komoot getrackt. Ich komme gut aus der Stadt heraus und genieße die guten Radwege und die zuvorkommenden Autofahrer. Man fährt grundsätzlich auf Zebrastreifen über die Fahrbahn. Und wenn man nur in der Nähe eines Zebrastreifens kommt, halten die Autofahrer schon an.
Aber Komoot ist immer für Überraschungen gut. Auch heute schickt es mich kurz vor dem Eurovelo noch auf Feldwege und Singletracks. Der Eurovelo ist aber dann Genuss pur. Sehr gut ausgeschildert und weg vom Verkehr auf schönen, stillen Wegen meist durch kleine Wälder und Ansiedlungen. Und immer wieder an Seitenarmen der Ostsee vorbei. Das Wetter ist mit 18 Grad ideal zum Radfahren, der leichte Gegenwind stört kaum. Die einzige größere Stadt ist Porvoo. Nachdem es leicht anfängt zu regnen und wahrscheinlich keine Übernachtungsmöglichkeit mehr kommt, suche und finde ich ein kleines Hotel etwas außerhalb. Ich habe zwar heute nur knapp 70 Kilometer geschafft, doch fürs erste ist das okay.
Komoot ist immer für Überraschungen gut…Sogar einen richtig dicken Baum haben sie mir in den Weg gelegt..Immer wieder an Seitenarmen des finnischen Meerbusens vorbei.… und natürlich auch an typischen skandinavischen Holzhäusern
4.8. 2023 Porvoo-Kotka, 90 km
Nach einem guten Frühstück verschiebe ich die Abfahrt um eine halbe Stunde, um nicht gleich nass zu werden. Danach bessert sich das Wetter schnell und es wird den ganzen Tag schön bleiben. Zu Beginn läuft es richtig zäh, denn die Stadt Porvoo ist relativ groß und hat vor allem viele Ampeln. Und alle stehen heute morgen auf Rot. Die Strecke führt wieder durch schöne Landschaft. Die Radwege sind weiter gut ausgeschildert. Es sind heute viele Steigungen zu überwinden, sodass ich heute auf 700 hm komme. Auch heute führt der Weg immer wieder ans Meer, wo dann auch deutlich mehr Menschen anzutreffen sind.
Schon kurz vor fünf Uhr finde ich am Wegesrand eine kleine Pension, wo ich für wenig Geld unterkomme. Der einzige Wermutstropfen ist, dass ich hier morgen früh kein Frühstück bekommen werde. Am Samstag macht hier niemand vor 11 Uhr auf. Dann wird es eben morgen statt dem Frühstück ein Mittagessen geben…
Kleine Pause an einem Segelhafen Auch heute gibt es ein Feierabend-Bier. Etwas billiger als gestern. Trotzdem könnte ich da zuhause zwei zu dem Preis trinken…
5.8. 2023 Kotka-Hamina, 62 km
Heute habe ich mein Tagespensum weit verfehlt. Wie kam es dazu: Erstmal verlor ich ziemlich Zeit, um einem Bankautomat und eine Frühstücksmöglichkeit zu finden. Das mit dem Geld klappte, mit dem Frühstück nicht. Eigentlich hätte ich 30 km sparen können, wenn ich nicht den Bogen auf die Insel Kotka gemacht hätte. Aber sie versprach einige Sehenswürdigkeiten und schöne Radwege. Und so war es auch. Leider verpasste ich eine Abzweigung und hatte danach Mühe, wieder den richtigen Weg zu finden. Der Weg wurde zum Wanderweg und dann zum Singletrail und ich musste ihn mit vielen Wandern teilen. Immer wieder tauchte links oder rechts Wasser auf und ich dachte, jetzt kann es nicht mehr weitergehen. Aber immer wieder tat sich ein schmaler Pfad auf. Auf dem Hauptplatz der Insel genehmigte ich mir einen Kaffee und ein Sandwich, bevor es auf ähnlichen Pfaden wieder zurück ging.
Jetzt hieß es noch einige Kilometer in Richtung russischer Grenze zu machen. In der kleinen Stadt Hamina fand ich dann ein ansprechendes Hotel fast am Radweg. Nachdem die letzte Unterkunft eher einem stickigen Lager glich, gönnte ich mir heute ein Spahotel. Aber es war auch das einzige freie Hotel weit und breit. Und es gibt morgen ein Frühstück. Wasser und ein paar Riegel habe ich mir auch schon gekauft, sodass ich morgen gleich loslegen kann und vielleicht die heute nicht gefahrenen Kilometer wieder aufholen kann. Auf jeden Fall werde ich morgen die russische Grenze erreichen und dann in Russland noch ein Stück weiter kommen. Vorausgesetzt, beim Grenzübertritt funktioniert alles.
Blauhelm-Einsatz in Finnland Zum ersten Mal sehe ich einen Wegweiser nach St.Petersburg. Aber die Kilometerzahl deutet noch auf einige Arbeit hin …Auch heute fahre ich immer wieder an kleineren oder größeren Häfen vorbei
6.8.2023 Das Warten hat ein Ende- jetzt bin ich in Russland angekommen
Ziemlich früh bin ich heute gestartet. Wie geplant. Nathalie ruft mich vor der Abfahrt nochmals an. Sie hat eine Kontaktperson in Wyborg, die sich gerne mit mir treffen möchte. Es ist wieder ideales Radwetter: 20 Grad, bewölkt, leider ein bisschen Gegenwind. Ich schaffe die 50 km trotzdem in zweieinhalb Stunden. Es ist heute morgen so wenig Verkehr auf der Straße, dass ich fast den Eindruck habe, dass allen Autofahrern heute Nacht das Auto geklaut worden ist. Auch an der finnisch-russischen Grenze sind nur kurze Warteschlangen. Der erste Eindruck ist fatal. Die Grenzbeamtin knurrt mich auf russisch an, dass ich denke, sie wird mich als Nächstes gleich verspeisen. Als ich ihr klar machen kann, dass ich kein Auto dabei habe, sondern nur ein Fahrrad, wird sie einsichtig und schaut mich etwas ungläubig an. Der Rest ist nur noch Formsache.
Vor dem Abschnitt von der Grenze bis Wyborg hatte ich ordentlich Respekt. Die 50 km sind komplett auf einem schmalen Randstreifen auf einer Schnellstraße zu fahren. Aber glücklicherweise ist heute Sonntag, sodass praktisch keine Trucks und nur wenige Autos unterwegs waren.
Der finnisch-russische Grenzübergang
Unterwegs bei einer kleinen Pause probierte ich den mobilen Hotspot, den ich für Russland dabei habe, um keine Simkarten kaufen zu müssen. Dabei sah ich, dass Nathalie wieder Kontakt mit Sergey, dem Radfreund in Wyborg hatte und dieser signalisierte, dass wegen eines Filmfestivals kein einziges Hotel mehr in Wyborg zu bekommen ist. Er schlug vor, dass ich in seinem Büro übernachten könne. Davor lud er mich noch zu einem ersten, guten Essen in Russland ein.
Sergey spricht nur ein paar Worte Englisch. Darum holte er noch seinen Freund Dimitri als Dolmetscher hinzu. Es stellte sich heraus, dass Sergey einer der erfolgreichsten russischen Radtrainer ist. So hat er von Jugend auf z.B. Alexander Vlasov, ein Teamkollege von Emanuel Buchmann, trainiert. Alexander Vlasov hat vor 2 oder 3 Jahren den Giro de Italia gewonnen. Ein Maglia Rosa hängt im Büro von Sergey.
Alexander Vlasov ist schon zusammen mit Emanuel Buchmann den Giro gefahren.
Ich bin überwältigend herzlich hier in Russland aufgenommen worden. Dimitri erzählte mir, dass zwar viele finnische Radfahrer über die Grenze rüberkommen, einen deutschen Radfahrer hat er aber schon ewig lange nicht mehr gesehen.. Aber beide haben sich sichtlich darüber gefreut, mich zu treffen.
Wyborg ist eine faszinierende Stadt mit viel historischem Hintergrund. Die imposante Burg steht auf einer Insel und wurde im 15.Jahrhundert gebaut. Seitdem haben die Hausherren oft gewechselt zwischen Schweden, Finnen und Russen.
Das Wahrzeichen von Wyborg-Die Burg Abendstimmung in Wyborg
7.8. 2023 An der heißen russischen Ostseeküste entlang Wyborg-Zelenogorsk 120 km, 670 hm
Der Schlaf auf dem Sofa im Büro von Sergey war gar nicht so schlecht. Er begleitet mich noch aus Wyborg heraus und verabschiedet sich dann herzlich. Bei ihm ruft die Arbeit, bei mir das Vergnügen, entlang der Küste in Richtung St.Petersburg zu radeln. Das Vergnügen bekommt aber bald einen herben Beigeschmack. Es ist mit 35 Grad ungewohnt heiß heute. Noch habe ich Rückenwind und viel Schatten, da es viel durch den Wald geht. In immer kürzeren Abständen muss ich Trinkpausen machen. Und es gibt immer weniger Ansiedlungen, wo ich Wasser nachfüllen kann. Der Schatten wird weniger, dafür der Gegenwind immer mehr. Übernachtungsmöglichkeiten gäbe es nur am manchmal nahen Strand. Erst in Zelenogorsk gibt es Hotels. Ich bin inzwischen auf den 120 km durch Sonne und Wind weichgegrillt. Es ist in dem Ort wieder viel los. Da die Russen praktisch außer Landes keinen Urlaub machen können, verbringen sie diesen im eigenen Land. So ist auch hier trotz vielen Versuchen kein Zimmer zu bekommen. Ich richte mich schon auf einem Schlafplatz am Strand ein, als Nathalie mir doch noch eine Möglichkeit in einem Hotel eröffnet. Dort kann ich dann pünktlich nachts um 12 Uhr einchecken. Wichtig ist für mich, die elektronischen Geräte nochmals „auftanken „ zu können. Und außerdem wäre ich ganz schön nass geworden. Es hat ziemlich stark geregnet heute Nacht.
Leider habe ich meine Badehose vergessen Zum ersten Mal komme ich an einem Soldatenfriedhof vorbei
8.8. 2023 Nach St.Petersburg 43 km
Für heute habe ich schon wieder Termine. Um 12 Uhr möchte ich mich mit Elena und Alexander treffen. Sie sind für die nächsten Tage meine Gastgeber. Wir verabreden uns an einem Hotel in Andrejewskaia. Und um die gleiche Zeit soll dort ein Reporterteam von einer Petersburger Zeitung erscheinen, um Bilder und eine Reportage von dem deutschen Radfahrer zu machen. Es klappt natürlich erstmal nicht mit dem Treffpunkt. Aber im Zeitalter der neuen Medien ist alles möglich. Und so treffen wir uns ziemlich genau eine Stunde später am Ortsschild von Sankt Petersburg. Was natürlich genau zu der Reportage passt. Das Interview übersetzt Elena, sie spricht ganz gut deutsch.
Und genau am Ortsschild von St.Petersburg hat es doch noch geklappt.
Danach machten wir noch einen Abstecher zu der mächtigen Isaaks-Kathedrale in Kronstadt. Zuhause gab es das erste typisch russische Essen. Es schmeckte lecker. Und nicht minder war der Wodka und das dunkle Bier.
Beide kochen sehr gut und gerne. Sie werden mich verwöhnen….
Jetzt bin ich am Ziel meines ersten Reiseabschnitts. Daher findet ihr ab Morgen die Beiträge unter St.Petersburg
Meine persönlichen Gedanken unmittelbar nach unserer Radtour 2022. Alaska/ Kanada
Ich habe die letzten Tage und vor allem heute unsere Radtour nochmals Revue passieren lassen. Dabei will ich mich nicht scheuen, auch meine ganz persönlichen Gefühle nach außen zu kehren.
Mehr als einmal bin ich auf dieser Reise an meine physische und psychische Leistungsgrenze gekommen. Nur durch die Unterstützung von meinem Begleiter Willi konnte ich die Reise fast genauso wie geplant realisieren. Die ersten Wochen hatte ich Zweifel , dass diese Radtour die richtige für mich ist. Auch war ich mental immer noch bei der Russland -Tour. Dann kamen noch ernste gesundheitliche Probleme dazu. Schlechtes Wetter, Probleme mit der Mentalität der Menschen dort und die nicht enden wollende Moskitos-Plage führten mich an den Rand der Resignation. Meine Gedanken fragten mich: Und das soll Spaß machen? Warum willst Du Dir das antun?
Aber dann kam der Kampf- und Selbsterhaltungstrieb in mir auf. Und meine Gedanken erinnerten mich daran, wie oft ich schon in solchen Situationen war und es immer einen Ausweg gab. Nach dem Gegenwind kommt auch wieder Rückenwind. Hier half mir natürlich auch die Unterstützung von Willi sehr. Nachdem ich die Erkältung überstanden hatte, ging es aufwärts und der Wind kam von hinten. Auf einmal dachte ich, mich schiebt einer von hinten. Ich dachte wirklich, dass das Willi sei. Nein, es war die physische körperliche Adaption im Einklang mit positiver Stimmung, die mir einen richtigen Schub gaben. Und das gibt mir die Zuversicht, dass man auch jenseits der 70 noch Leistungen aufbauen kann. Wenn die Motivation da ist. Und die positiven Gedanken.
Wie habe ich die Länder Alaska/USA und Kanada und ihre Menschen erlebt?
Wie schon erwähnt, tue ich mich schwer, die Mentalität der Menschen hier zu verstehen. Vor allem in den ärmlichen nordischen Regionen gibt es sehr viele sehr dicke und ungepflegte Menschen. Sie fahren mit ihren ebenso dicken Autos möglichst nahe an den Supermarkt oder an die Tankstelle und während sie einkaufen, bleibt der Motor natürlich an. Man braucht ja Heizung oder Kühlung. Funktioniert das Auto nicht mehr, bleibt es im Hof stehen. Sie schaffen es nicht mal mehr auf den Autofriedhof. Und dem nächsten Auto blüht dasselbe Schicksal. Ich habe noch nirgends soviele Schrottautos gesehen wie hier. Verlassen kann man sich auf gar nichts. Open bedeutet noch lange nicht nicht offen, und eine Lodge erweist sich oft als eine Fata Morgana. Eine auf der Karte eingezeichnete Ortschaft sind letztlich ein paar halbzerfallene Häuser. Hat hier Corona in den letzten Jahren viele Existenzen zerstört ? Viele Menschen im Norden dieser Länder ziehen in den langen Wintermonaten sowie so in die Städte. Nachdem die letzten zwei Jahre fast keine Touristen da waren, sind sie vielleicht gar nicht mehr zurück gekommen.
In keinem bisher von mir bereisten Land sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land und zwischen Norden und Süden so gravierend. Während man im Norden wie geschrieben nur Schrottautos und halbzerfallene Häuser sieht, wird es, je weiter man nach Süden kommt, immer zivilisierter und. gepflegter. Die Häuser haben große Grundstücke mit gepflegtem Rasen. Und statt dem Schrottauto steht ein BMW, Mercedes oder Tesla vor der Garage. Vor allem in Vancouver scheint es sehr viele reiche Leute zu geben. Ganze Wohnviertel sind verkehrsberuhigt und schön eingewachsen mit Bäumen.
Aber es gibt auch den krassen Gegensatz. Vorgestern sind wir am Hafen mit den Rädern durch eine „Zeltstadt „ gefahren. Dort wohnen diejenigen, die aus welchem Grund auch immer, die Arbeit verloren haben und sich die teuren Mieten nicht leisten können. Hoffnungslose, traurige mutlose Augen in durch Hunger oder Drogen ausgezehrten Gesichtern haben uns angeschaut und nachdenklich gemacht. Es waren so viele….
Obdachlos sind sie zwar nicht, sie haben ein Zeltdach…. Das ist alles…
Tag 53 25.8. 2022
Es ist der vorletzte Tag vor dem morgigen Rückflug. Heute heißt es, Räder und Satteltaschen zu verpacken. Wir haben uns ja gestern schon die Kartons für die Räder besorgt, sind aber nicht sicher, dass unsere Räder da reinpassen werden. Darum fahren wir nochmals in einen anderen Bike-Shop, um nochmals einen Karton zu holen. Der Shop ist etwa 4 km entfernt und es ist nicht einfach, ihn auf dem Rad durch die Stadt zu transportieren. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Willi. Unter einem Arm der Karton. die andere Hand am Lenker, nur das Auf- und Absteigen ist nicht einfach. Aber eigentlich hätten wir den Karton gar nicht gebraucht. Durch Schlaues Einpacken schaffe ich es, mein dickes Rad in den schlanken Karton zu bringen. Auch für Willi ist es kein Problem. Für die anderen Sachen haben wir uns ja gestern auch Kartons besorgt. Während Willi danach nochmals per Pedes einige Parks besucht, lasse ich die Reise nochmals im Geiste passieren.
Ob das Rad wohl reinpassen wird?
Tag 52. 24.8. 2022
Heute hat es doch noch geklappt mit dem Interview. Beim 7. Versuch ist es Frau Wertheim gelungen, auf meinen kanadischen Festnetz-Account zu gelangen und eine Verbindung herzustellen. Ich war schon eine Stunde früher wach, denn ich wollte in diesem Interview nicht verschlafen erscheinen. Frau Wertheim hat mich sehr viel sprechen lassen und nur ganz kurze prägnante Fragen gestellt. Leider ist der Sender SWR 4 den meisten jungen Leuten nicht so bekannt. So haben ihn leider nicht viele gehört. Es hat trotzdem Spaß gemacht, im Radio live von der Reise zu berichten.
Heute wollten wir einen richtigen Faulenzer-Tag einlegen. Dann haben wir uns doch ein wenig „verbummelt „ Nach einer kleinen Spazierfahrt haben wir einen schönen Strand gefunden, wo wir den ersten Tag richtig Urlaub machten. Mit Sonnenbad, Sandstrand und schwimmen in den Wellen des Pazifik. Wir hatten uns jedoch etwas zu viel Zeit gegönnt. Wir holten noch die Radkartons in einem Bikeshop für den Rücktransport. Danach ging es in die andere Richtung, um Klebeband und Polsterfolie und weitere Kartons zu holen. Und die dritte Radfahrt war nötig, um nochmals Lebensmittel einzukaufen und Abend zu essen. So war es bereits dunkel, als wir nach insgesamt 40 Tageskilometern unser Feierabend-Bier trinken konnten.
Speziell für mich von Willi zubereitetes Müsli-Frühstück Nein, das ist nicht in Rimini. Das ist einer der vielen Pazifik-Strände von Vancouver.
Tag 50. 23.8. 2022
Wie angekündigt haben wir den Tag ganz entspannt anfangen können ohne irgendwelche Sachen einpacken zu müssen und mit ausgiebigem Frühstück. Wir haben zum letzten Mal die verschwitzte Radkleidung in die Wäscherei gebracht und Lebensmittel für die nächsten Tage eingekauft. Wir können die Küche mitbenutzen und machen uns für die nächsten Tage das Frühstück und Abendessen selbst. So sparen wir noch etwas Geld für teure Restaurantbesuche. Nachmittags haben wir mit dem Rad einige Sehenswürdigkeiten besucht. Höhepunkte waren eine Dampfuhr und ein Besuch im Kanada Center mit einem Simultan-Flug über Kanada. Unsere neu gewonnenen Freunde Gabi und Gerd haben uns dazu geraten. Morgen werden wir noch ein letztes Mal unsere Räder durch die Stadt bewegen, bevor wir sie verpacken. Und hoffentlich klappt es morgen früh mit dem Interview.
Eine mit Dampf angetriebene Uhr dürfte wohl einmal auf der Welt sein In Vancouver gibt es noch ein World Trade Center
Tag 49. 22.8.2022
Pünktlich um 6.30 Uhr meldet sich Frau Lueer vom SWR Rundfunk zum Interview. Leider gibt es vermutlich durch die WhatsApp Technik Rückkopplungen so dass sie und auch ich jeweils nur die Hälfte verstehen. Wir verschieben den Termin auf Mittwoch in der Hoffnung, dass ich dann Festnetz habe. Da wir schon so früh aufgestanden sind, gönnen wir uns ein Bad im sehr kalten Pazifik. Pünktlich um 8.30 Uhr holt uns Dan, der Mann von der Visitor Center Frau ab und bringt uns zurück zu unseren Rädern nach Gibsons. Nach einem ausgiebigen Frühstück radeln wir die 5 km bis zum Fährhafen in Langdale. Schon kurz nach 12 Uhr sind wir auf der anderen Seite in Horseshoe Bay. Die Radler von Nesselwang haben uns geraten, hier einen Bus nach Vancouver zu nehmen, da es nur eine sehr verkehrsreiche Schnellstraße geben würde. Wir aber finden einen tollen Radweg, er nennt sich West Vancouver Bike Trail. Ohne Verkehr geht es immer am Meer entlang nach Vancouver. Schon bald haben wir die mächtige Skyline von Vancouver vor uns . Nach einem kurzen Besuch im Bell-Store wegen meinem Handy Vertrag geht es auch schon über die mächtige Stanley Brücke über den Stanley Park Richtung City. Und das alles auf schönen, markierten Radwegen. Das gebuchte Privathaus finden wir schnell. Allerdings lässt uns der Besitzer entgegen der Absprache warten. Dennoch sind wir froh, für die nächsten Tage eine tolle Unterkunft in Vancouver zu haben. Was in dieser Zeit mi einem Lotto Volltreffer zu vergleichen ist.
Geschafft! Wir sind am Ziel in Vancouver ! Nach 49 harten Tagen, knapp 4000 km, ca. 35 000 hm haben Willi und ich das Ziel in Vancouver erreicht! Die Ankunft heute mit der Überfahrt über die Lions Gate Bridge hat mich stark an die Ankunft in Panama City 2018 erinnert. Was für ein Gefühl, nach 7 unglaublich harten und erlebnisreichen Wochen über das Zielband- eben über diese Brücke zu fahren.
Mein Dank geht an meinen Begleiter Willi. Auch in schier auswegslosen Situationen hat er seinen Optimismus, seine Hilfsbereitschaft und seinen starken Willen nie verloren. Kommt Willi von Willen? Es scheint fast so, dass er genau den richtigen Namen hat.
Geschafft! Wir sind am Ziel.So wird den Bären ein Schnippchen geschlagen!Geschafft!Am Ziel inVancouverAuf der Brücke herunter gerutscht?
Wir sind jetzt noch Dreieinhalb Tage in Vancouver und werden es genießen, morgens nicht in die klammen Klamotten steigen zu müssen, nicht das nasse Zelt abbauen zu müssen und dabei von den Moskitos belästigt zu werden. Wir werden uns Zeit lassen beim frühstücken und entspannt mit dem Rad an irgendeinen Strand fahren, schwimmen gehen und die Zeit in den vielen schönen Parks verbringen. Übrigens: das Rad ist hier das beste Verkehrsmittel, um schnell und sicher an jeden Punkt zu gelangen. Die Radwege sind grandios. Nicht umsonst steht Vancouver bei der Beliebtheit der Großstädte weltweit an dritter Stelle.
Die nächsten Tage werde ich noch die gewonnenen Eindrücke bei unserer Reise durch Alaska und Kanada präzisieren.
Tag 48 21.8. 2022
Niemand hat uns heute Nacht weggetragen. Nur das Gebläse des Supermarkts nebenan hat etwas gestört. Mit Respekt gehen wir die letze richtige Etappe an, ist sie doch noch einmal richtig höhenmetergeschwängert. 800 hm auf 65 km sind zu überwinden. Und wir machen noch einen Abstecher ans Meer um im nicht zu kalten Wasser des Pazifik zu schwimmen. Da sind noch zusätzlich einige sehr steile Rampen zu überwinden. Wir essen in einem tollen Restaurant in Sechelt und schauen dabei dem bunten Treiben auf dem Wasser mit den Booten und Wasserflugzeugen zu. Am späten Nachmittag erkundigen wir uns in Gibsons im Visitor Center nach einer Camp- oder Motel Möglichkeit. Ohne Erfolg. Die liebe Frau im Visitor Center macht uns den Vorschlag, dass ihr Mann, der sie gleich abholen wird, uns zu einem Campingplatz in Robertson Lake 15 km zurück fährt. Doch dort bekommen wir auch keinen Platz. Wir fahren nochmals 15 km weiter zurück und finden hier einen tollen Zeltplatz direkt am Meer. Die Visitor Frau und ihr Mann werden uns morgen hier wieder abholen und nach Gibbson zurück bringen. Unglaublich mit welcher Selbstverständlichkeit sie das gemacht haben. Und uns erspart haben, wieder irgendwo in der Pampa zu übernachten. Auch die technischen Probleme mit dem Internet haben wir für morgen früh geregelt. Schon um 6.30 Uhr in der Frühe werden wir ein Interview führen mit dem SWR Radio und dort über unsere Reise berichten.
Ein Kunstwerk vor dem Visitor Center in Sechelt mahnt die Waldbrände an.Heute Abend von unserem Campground aus fotografiert Buntes Treiben auf dem Wasser
Tag 47. 20.8.2022
Nach dem Feuerwerk wurde es schnell ganz ruhig. Keine Betrunkene, kein Lärm. Und heute morgen waren die Straßen geräumt und sauber, als sei gestern Abend nichts gewesen. Schon kurz nach 8 Uhr verabschiedeten wir uns von dem australischen Radfahrer-Ehepaar, das uns großzügig die Hälfte des Zeltplatzes abgetreten hatte. Das Frühstück nahmen wir nach 15 km in Vorbeifahren in einem Store ein. Wir mussten uns beeilen, denn wir mussten rechtzeitig an der Fähre sein. Nach 50 Minuten legte diese dann in Earls Cove an. Nach einem kurzen Imbiss am Kiosk der Anlegestelle ging es auf den zweiten Teil unserer Etappe. Diese endete inMarina Bay. Dort fanden wir leider keinen Campground. So stellten wir unsere Zelte neben dem Sportplatz und der Schule ab. In der Hoffnung, dass wir heute Nacht keinen Ärger bekommen.
Schon wieder auf der Fähre Wieder eine Steigung geschafft!
Heute geht es von Vancouver Island auf das Festland. Wir fahren von Campell River nach Comox, dort legt die Fähre ab. Es sind ca. 50 km, die Hälfte davon direkt am Meer. Der Verkehr ist ungewohnt dicht, wir sind froh, eine relativ breite Schulter zu haben. Unterwegs machen wir nur einen kurzen Halt, um zu frühstücken. So sind wir schon vor 12 Uhr am Fährhafen. Die Fähre legt aber erstem 15.25 ab. So heißt es warten. Die Überfahrt dauert 80 Minuten. Dann sind wir auf dem Festland in Powell River. Dort bauen sie gerade auf der Hauptstraße Stände auf. Wir erfahren, dass heute Abend Blackberry-Fest gefeiert wird. Der Zeltplatz liegt genau daneben. Hier haben wir mit etwas Nachdruck noch den letzten Zeltplatz bekommen. Wir stürzen uns in die für uns schon ungewohnte Menschenmenge und nehmen an einem der vielen Essensstände unser Abendessen ein. Zum Abschluss des Festes gibt es ein beeindruckendes Feuerwerk auf dem Wasser, genau vor unserem Zeltplatz.
Auf der Fähre von Vancouver Island zum Festland Blackberry Fest im Abendlicht am Meer mit Musik Und zum Abschluss gibt es ein tolles Feuerwerk
Tag 45. 18.8.2022
Es ist noch kühl, als wir schon vor neun Uhr die heutige kürzere Etappe starten. Nur 64 km stehen auf dem Programm, allerdings mit 700 hm. Schon nach einer halben Stunde müssen wir die wärmere Kleidung ablegen. Im Gegensatz zu gestern gibt es fast keinen Schatten. Es läuft wieder prima bis kurz vor dem Ziel in Campell River. Ich habe am Hinterrad Plattfuß. Der erste überhaupt nach 3500 km Fahrt. Eine Klammer steckt im Reifen. Dank Willis fachmännischer Hilfe ist das Problem jedoch schnell gelöst. Der Verkehr wird jetzt immer stärker. Aber sehr schnell sind wir am Visitor Center. Das ist in jeder größeren Stadt immer unsere erste Anlaufstelle. Wir erkundigen uns nach Unterkünften und werden auch schnell in einem preislich ansprechenden Motel findig. Wir können sofort einchecken und sind auch schnell in einer Wäscherei, um noch einmal die Klamotten sauber zu bekommen. Wir treffen am Visitor Center noch zwei Radfahrer aus Nesselwang. Sie sind fünf Wochen unterwegs mit Radfahren und Trailwandern. Ein ausgesprochen gutes Abendessen am Seeufer bei hochsommerlichen Temperaturen lässt Urlaubsgefühle aufkommen.
Tag 44. 17.8.2022
Nach 3 Nächten mit weniger als einer Handvoll Schlaf konnte ich in der Nacht das Defizit fast ganz abbauen. Es war sehr ruhig, niemand störte die Idylle an diesem tollen See. Als wir uns aus den Schlafsäcken schälten, schlief der See noch unter einer Nebeldecke. Die längste noch verbleibende Etappe mit 100 km und fast 900 hm wartete auf uns. Aber es sollte eine entspannte werden. Nur der Verkehr hatte etwas zugenommen und der Randstreifen wurde immer schmaler. War er anfangs noch einen Meter breit, wurde er teilweise bis zu einer Handbreit schmaler. Das war vor allem bei den Trucks manchmal ein Problem und wurde bei Gegegverkehr ganz schön eng. Schon nach etwas mehr als 5 Stunden Fahrt erreichten wir den Elk Creek Campground. Dieser liegt in einem dschungelartigen Wald mit Zugang zu einem Bach. Dort nahmen wir in dem sauberen Wasser noch ein erfrischendes Bad. Zum Abendessen bereitete Willi heute wieder ein leckeres Essen. Es gab Reis mit Lachssauce.
Nach 3 Tagen durch Berge und Wälder sind wir wieder am Pazifik
Tag 43 16.8.2022
Die Fähre legte kurz vor Mitternacht in Port Hardy an. Da sie zuerst die Autos vom Deck ließen und dann erst die Radfahrer und Fußgänger, war es 12.30 Uhr, als wir von Bord gingen. Und es regnete.Das Zelt irgendwo im Regen und im Dunkeln aufstellen, wollten wir nicht. Wir machten es uns vor dem Terminal auf einer Bank bequem. An Schlaf war aber bei dem Krach und dem hellen Licht nicht zu denken. Später ließ uns dann ein Bediensteter in den Warteraum, wo uns eine Angestellte eineinhalb Stunden später wieder rauswarf. Danach ließen wir uns auf einem Betonsockel eines Totempfahls mit unseren Matten nieder. Hier fuhren dann ab 5 Uhr alle Autos vorbei, die auf die Fähre wollten. So machten wir uns frühzeitig auf den Weg zur heutigen Etappe. Das Frühstück, zugleich heute auch Mittagessen, nahmen wir bei der ersten größeren Ortschaft nach 42 km zu uns. Dafür gönnten wir uns eine längere Mittagpause in dem schönen Park der Hafenstadt Port McNeill. Von dort aus starteten wir zum zweiten Teil unserer Etappe. Ziel war der Campground Nimpish Lake. Der Zeltplatz liegt idyllisch am Seeufer, umrahmt von Wäldern und Bergen. Sofort genehmigten wir uns ein erfrischendes Bad und eine Kanufahrt Inn See. So macht Campen Spaß: schönes Wetter, toller See, schöner Zeltplatz. Und dann zaubert Willi noch ein Reisgericht vom Feinsten aus seinem Kochgeschirr. Wir freuen uns heute auf eine ruhige Nacht im eigenen Zelt und werden sicher schon vor Einbruch der Dunkelheit die Bären mit unserem Röhren vor Neid erblassen lassen.
Unser schöner Campground Abwechslungsweise mal nicht im Sattel, sondern auf einem Felsen Einsamer See, und sofort gehen wir schwimmen und paddeln
Tag 42. 15.8.2022
Ja, die Nacht war im ersten Teil sehr aufregend. Es scheint ein beliebter Platz bei den Leuten zu sein. Bis nach Mitternacht war Remidemi und laut aufheulende Motoren ließen keinen wirklichen Schlaf zu. Erst weit nach Mitternacht war an Schlaf zu denken. Es war auch trocken, als wir schon vor 5 Uhr in der Frühe das Zelt abbauten. Eigentlich hatten wir Glück, denn Prince Rupert ist mit 200 Regentagen im Jahr die feuchteste Stadt in Kanada. Bei den 4 km zum Fährhafen brauchen wir zum ersten Mal unser Licht. Das Einchecken funktionierte prima, weil wir unsere Boardingpasse schon hatten. Pünktlich um 7.30 legte die Autofähre zur 15 stündigen Überfahrt nach Vancouver Island bei bewölktem Wetter ab. Trotz den tiefhängenden Wolken ist es ein unglaubliches Erlebnis, auf diesem Schiff auf der Inside Passage zwar auf den Pazifik zu sein, trotzdem stundenlang links und rechts immer an bewaldeten Bergen vorbeizufahren. So ähnlich muss es wohl in den norwegischen Fjorden sein.
Stundenlang geht es an bewaldeten Bergen vorbei.So sieht die Inside Passage auf dem Bild aus.Willi will einen Wal sehen…
Tag 41. 14.8.2022
Wir lassen uns heute Zeit beim Müsli Frühstück in der Yurte. Es regnet leicht, hört dann aber auf und das Wetter gestaltet sich für den restlichen Tag ganz ordentlich. Wir haben nur 16 km nach Prince Rupert zur Fähre. Wir suchen und erkunden auch gleich den Abfahrts- Terminal der Fähre. Dieser ist etwas außerhalb der Ortschaft. Wir holen uns auch gleich die Bordkarten und erfahren, dass wir zwei Stunden vor Ablegen der Fähre da sein müssen, d.h. Um 5.30 Uhr am Morgen. Eine Übernachtung zu buchen macht keinen Sinn, einen Campingplatz in der Nähe gibt es auch nicht. Das Terminal selbst ist bis 5 Uhr morgens geschlossen. Willi erkundet einen überdachten Pavillon des Rotarier-Clubs, wo wir ein Zelt aufstellen werden. Und hoffentlich rechtzeitig aufwachen, um genügend Zeit zu haben, die 4 km zur Fähre fahren zu können. Es wird eine spannende Nacht und einen aufregenden nächsten Tag werden.
Die Norweger scheinen hier bei der Entwicklung der Schiffahrt Pate gestanden zu haben Viele kleine und größere Schiffe legen hier an.Schöne Parks direkt am Wasser laden zum Verweilen ein. Die Luft riecht jetzt nach Meerwasser…
Tag 40. 13.8.2022
Gestern Abend gab es noch eine kleine Überraschung. Das junge Paar aus Hamburg, das wir in Steward kennengelernt haben, traf noch ein und schlug ihr Zelt neben uns auf. Wir hatten einige Erfahrungen auszutauschen. Heute morgen war es seit einer Woche mal wieder bewölkt und schon nach 15 km setzte richtiger Regen ein. Dieser begleitete uns für knappe zwei Stunden. Erst gegen Ende der Tour war es von oben und von unten dann trocken. Wir erreichten Port Edward am frühen Nachmittag und werden heute Nacht zum ersten Mal auf einem Campingplatz in einer Jurte übernachten. Diese war billiger als der Zeltplatz und wird uns heute Nacht vor dem vorhergesagten Regen besser schützen. Es gab noch eine warme Dusche und einmal mehr ein hervorragendes Abendessen von Willi.
Diese Yurte wird heute unser Nachtlager sein.Da werden wir heute schlafen.
Übrigens freuen wir uns sehr über Kommentare oder Fragen. Gerne antworten wir auch darauf!
Tag 39. 12.8.2022
Während wir darauf warten, unsere gewaschene Wäsche zurückzubekommen, wollen wir in einem 1,5 km entfernen Café ein Frühstück bekommen. Es geht uns wieder wie so oft: Open ab 8 Uhr, aber niemand da, weit und breit niemand. Also zurück und im Stehen an der Tanke ein Kaffee und ein verpacktes Sandwich. Auf dem Weg aus der Stadt kaufen wir noch für heute Abend und morgen früh Essen ein. Die Gaskartusche ist auch leer. Nach mehreren Versuchen bekommen wir doch noch eine. Also ist das Abendessen gesichert. Es ist heute wieder richtig heiss bei leichtem Gegenwind. Die Straße führt einem Fluss und einer Bahnlinie entlang. Das ist ein Novum. Dort fahren stündlich Güterzüge mit mehr als 100 Waggons. Schon nach 64 km haben wir heute unser Tagesziel erreicht: Den Campground Kasiks. Hier werden wir zum ersten Mal auf unserer Tour wirklich willkommen geheißen. Eine junge Frau mit ihrem Team scheint das Haus erst vor kurzem übernommen zu haben. Wir bekommen das beste selbstgemachte Vanille-Eis, das wir je gegessen haben. Alles ist hier ordentlich und aufgeräumt- entgegen unserer bisherigen Erfahrungen. Auch der Zeltplatz ist unter einem Zelt und mit bestem Untergrund. Das dürfte von Vorteil sein, denn morgen soll das Wetter schlechter werden. Übrigens haben wir vom Reisebüro Bescheid bekommen über den Rückflug. Wir werden am 26. August von Vancouver aus direkt nach Frankfurt zurück fliegen. Jetzt können wir die Tour zu Ende planen.
Hm, lecker!
Über viele Brücken musst du gehen…..Hier ist unser heutiger Campingplatz. Wir sind hier willkommen!
Tag 38 11.8. 2022
Wir brauchen beim Frühstück unsere letzten Oatmeals auf und auch das Gas reicht gerade noch zum Frühstück. Es gibt heute eine wirkliche Panoramafahrt. Ein See, eingerahmt von Schnee- oder Gletscherbergen folgt dem nächsten. Die 100 km Fahrt nach Terrace wird nie langweilig. Schon nach 5 Stunden Fahrt erreichen wir mit Terrace die bisher 3. Stadt seit Beginn. Wir erfragen im Visitor- Center ein budgetgemässes Hotel. Dort genießen wir die Dusche und das gute Abendessen.
Die einzige Verpflegungsmöglichkeit auf 240 km. Da gibt es eine Cola.Der Lava-Lake. Wir fahren 20 km am Ufer entlang.
Tag 37 10.8. 2022
Kein Besuch von den Bären. Nach selbstgemachtem Müsli Frühstück geht es heute über 70 km auf einem ungeteerten Forstweg in ein altes Indianer-Gebiet, Dort ereignete sich vor 250 Jahren der letzte Vulkanausbruch in Kanada. Mehr als 2000 Indianer wurden unter den Lava—Massen begraben, Das Gebiet gilt ihnen heute als Kultstätte. Nachdem wir trotz Schotter gut vorankommen, machen wir an einem schönen See eine Pause mit Schwimmen im See. Nachdem wir heute in diesem Gebiet weder Wasser, Nahrung noch Internet haben, brauchen wir heute unsere Vorräte auf. Heute gibt es im Hotel Pampa bei Chefkoch Willi Nudeln mit Sauce Hollandaise, Championssauce mit Käseinlage.
Ein heiliger Ort der Indigenen Unter dieser bis zu 20 m dicken Lavaschicht liegen seit ca. 250 Jahren mehr als 2000 Indigene begraben.
Tag 36. 9.8.2022
Nudeln in verschiedenen Variationen von Chefkoch Willi Eine Panoramafahrt nach der anderen Seen, Gletscher, so weit das Auge reicht. Eigentlich Vergnügungssteuerpflichtig
Heute geht jetzt die Tour weiter in Richtung Prince Rupert. Ein bisschen wehmütig verlassen wir unseren Lieblings- Campingplatz Meziadin -Lake. Wir werden die nächsten zwei Tage wild campen müssen. Es läuft hervorragend und zum ersten Mal fahren wir für 3 Stunden einen 20er Schnitt. So sind wir schon kurz nach 14 Uhr an der Recreation Site Bonus Lake. Ein kleiner Rastplatz mit der Möglichkeit, ein Zelt aufzustellen. Gerade machen 2 Frauen Rast und bieten uns eine Schokolade an, was wir dankbar annehmen. Kurze Zeit später hält ein anderes Auto. Vom Fahrer bekommen wir jeweils 2 Flaschen Wasser. Das können wir dringend brauchen, denn wir werden wahrscheinlich auch morgen keine Gelegenheit haben, Wasser aufzufüllen. Da der Zeltplatz nahe an der Straße liegt, könnte es gegen Morgen hin laut werden, wenn die Holztrucker wieder starten. Willi sucht noch einen besseren Platz, kommt aber abgekämpft und erfolglos zurück. Sein Dinner, das er wieder zubereitet, schmeckt wieder hervorragend. Wir werden die Essensreste heute gut verstauen müssen. Wir rechnen hier mit Bären. Einige haben wir auch heute wieder an der Straße gesehen. Sie schienen sich aber nicht für uns zu interessieren. Hoffentlich ist es auch heute Nacht so.
Tag 35. 8.8.2022
Heute heißt es, wieder auf unseren geplanten Weg zurückzukommen. Nach 2 Ruhetagen und dem „Bärenglück „ sind wir voll motiviert und die Beine sind wieder Top. Das Wetter zeigt sich heute auch von der besten Seite und soll auch die nächsten Tage so bleiben. Gut für unsere Pläne! Bald sind wir wieder oben am Gletscher und er scheint bei der klaren Sicht und ohne Wolken kleiner zu sein. Schon nach 3,5 Stunden sind wir am Tagesziel am Campingplatz in Meziadin Lake, auf dem wir ja vor dem Abstecher nach Steward schon mal waren. Auch unseren Platz 66 bekommen wir wieder. Wir dösen vor uns hin, als ich im See unter uns ein Tier von der Insel Richtung Campingplatz schwimmen sehe. Erst denke ich, dass es ein Hund wäre. Als er aber näher kommt, sehe ich, dass es ein ausgewachsener Bär ist. Leider ist meine Kamera gerade zu weit weg, sonst hätte ich seine Anlandung direkt neben dem Campingplatz einfangen können. Aber Willi hatte seine Kamera bei sich und hat die Szene festgehalten. Abends fahren wir nochmals hoch zur Junction, um ein Holzfäller-Essen zu uns zu nehmen. Was nicht notwendig gewesen wäre, denn eine Camperfamilie hat uns noch ein leckeres Abendessen vorbei gebracht. Aber bekanntlich heißt es ja: Doppelt genäht hält besser. Die nächsten Tage werden wir wieder selbst für unser Essen sorgen müssen. Fast hätte ich es vergessen: Das schönste an diesem schönen Campingplatz ist, dass es praktisch keine Moskitos gibt!
Zügig durch den See, dann ab ins Gebüsch Von der kleinen Insel aus schwamm der Bär Richtung Campingplatz So sieht der Radler und der Gletscher bei schönem Wetter ausGrandiose Kulisse bei unserer Rückreise von Steward
Tag 33 und 34. 6.8. und 7.8.2022
Es regnet in Strömen, als wir aufwachen. Also heute morgen nicht zu den Bären, ausruhen, essen. Gegen Abend lässt der Regen nach. So sind wir kurz nach 18 Uhr an dem Bach im tiefen Wald, wo die unzähligen Lachse nach ihrer langen Wanderschaft zu ihren Laichplätzen zurückkehren. An sich ist es schon ein Schauspiel, mit wieviel Geschick und noch mehr Energie die unterarmlangen Fische sich stromaufwärts kämpfen, um dann vielleicht in dem gefräßigen Maul eines Grizzlybären zu landen. Und genau das wollen wir und noch ein paar Dutzend andere Augenpaare sehen. Die Bären aber lassen sich an diesem Abend nicht sehen. So entgeht uns nicht nur dieses Schauspiel, sondern auch unser Abendessen. Als wir zurückkehren, sind alle Lokale geschlossen. So heißt es gleich am nächsten Morgen, das entgangene Schauspiel doch noch zu erleben. Aber auch nach fast 3 Stunden warten bekommen wir wieder keine Bären zu Gesicht. Enttäuscht nehmen dann das Frühstück und Mittagessen zu uns. Werden wir einen dritten Versuch heute Abend machen? Es sind jedesmal 20 Kilometer hin und zurück und jedesmal über die Kanadische/ amerikanische Grenze zwischendrin. Eigentlich sind wir ziemlich deprimiert, haben wir doch diesen Abstecher wegen dem Bärenlachsfang auf uns genommen. Doch wir haben gelernt: In der Natur lässt sich nichts erzwingen. Jedenfalls hat sich das Wetter gebessert und für die nächsten Tage sollten es wärmer werden und die Sonne sollte zurück kommen.
Jetzt haben wir doch noch einen dritten Versuch mit den Bären gemacht. Haben am Abend nochmals 2 Stunden auf den Bären gewartet. Und dann kam er doch noch: Auf der gesamten einsehbaren Bachlänge hat er seine Spielchen mit den Lachsen getrieben. Uns alle, die Beobachter, hat er dabei völlig ignoriert. Jetzt sind wir froh, den Abstecher doch nicht umsonst gemacht zu haben.
Ihr könnt mich alle mal….Das ist die kleine, halbzerfallene Ortschaft Hyder gleich nach der Grenze zu Alaska.Am frühen Morgen auf dem Weg zu den Lachsen
Bitte nach unten schauen. Das Programm schmeißt mir die Berichte nach hinten.
Tag 32. 5.8.2022
Der Spirit aus früheren Zeiten
Wir sind schon nach 3,5 Stunden und 65 km Fahrt in Steward angekommen. Auf der Passhöhe sind wir hautnah an einem Gletscher vorbei gefahren. Danach ging es 30 km nach unten an den Portland-Kanal, einem Seitenarm des Pazifik. Dort können wir voraussichtlich morgen den Bären beim Lachsfang zusehen. Zuvor müssen wir aber nochmals die Grenze nach Alaska überqueren. Wir hoffen, dass es mit der Canada-App klappt. In Steward haben wir schnell ein ansprechendes Hotel gefunden. Beim Wäschewaschen haben wir dann ein junges Radler-Paar aus Hamburg getroffen. Sie sind auch in Anchorage gestartet und wollen bis Weihnachten in Mexiko sein. Wir werden die nächsten 7 Tage die gleiche Strecke fahren.
Die Gletscher- Boys
Tag 31. 4.8.2022
Jetzt schmeißt mir das Programm die Berichte wieder nach hinten. Also wieder am Ende schauen.
Heute zum ersten Mal seit langem wieder ein schöner Radtag. Das Wetter ist gut und wir sind jetzt im Bärenland angekommen. Gestern und heute immer wieder Schwarzbären am Straßenrand. Sie scheinen keine Angst vor uns zu haben. Und wir nicht mehr vor ihnen. In Metzidian hatten wir wieder mit Infrastruktur gerechnet. Doch außer einer Tankstelle und einem kleinen Shop und einer Werkskantine der Waldarbeiter ist nichts. Der Campingplatz am See aber ist gut. Nach 4 Tagen ohne Dusche können wir wenigstens im See schwimmen. Morgen machen wir einen Abstecher nach Steward/ Hyder / Alaska, um die Bären beim Lachse fangen zu beobachten. In Steward wird es vielleicht wieder Zivilisation geben. Wir benötigen für den Abstecher 2 Tage.
Ein Junge aus San Diego kam uns heute mit seinem solarbetriebenen Fahrrad entgegen. Er fährt 50% elektrisch.
Tag 30 3.8. 2022
Die letzten 3 Tage habe ich Berichte geschrieben. Sie sind vielleicht untergegangen oder tauchen wieder auf.
Wir sind immer noch auf dem Cassier-Highway in the middle of nowhere. Keine Verbindung zur Welt, schlechtes Wetter, viele Moskitos. Immer noch Radeln durch die endlosen kanadischen Wälder. Morgen vielleicht wieder ein bisschen Zivilisation. Vielleicht auch ein Bett. Wenn sie uns dann eins geben wollen. Zu einem normalen Preis.
Ein Fuchs will sich uns anschließen..
Tag 28. 1.8.2022
Sonne, bewölkt, Regen, leichter Gegenwind, 154 km, 1400 hm,
Die Lage des Zeltplatzes am Boya-Lake ist sehr schön. Aber stark getrübt durch die Unmengen von Moskitos. Nur wenn der Körper ganz bedeckt ist, lässt es sich einigermaßen aushalten. Wir bereiten mit den Sachen die wir gestern von der Park-Rangerin bekommen haben, ein Frühstück. Wir werden den ganzen Tag an keiner Verpflegungsstelle vorbei kommen. Ein paar Riegel müssen heute reichen. Wir kommen erst nur schleppend voran. Erst nach 3 Stunden wird die Fahrt flüssiger und ganz allmählich glauben wir daran, diese Mammutstrecke an einem Tag zurück legen zu können. Allerdings zieht sich das Ende doch noch, denn es kommen noch ein paar giftige Anstiege. So erreichen wir Dease Lake nach knapp 10 Stunden Fahrt. Allerdings bekommen wir nichts mehr zu essen. Heute ist Sonntag und die meisten Restaurants geschlossen. Und das eine Lokal, das geöffnet ist, schließt um 20 Uhr. Einen Campingplatz gibt es nicht in dieser Ansiedlung. Wir bekommen noch ein Zimmer in einer sehr ansprechenden Lodge, allerdings zu einem gesalzenen Preis. Doch das haben wir uns heute verdient.
Der Dease Lake
Tag 26 30.7. 2022
Die Übernachtung im Aircraft Hotel war sehr gut und angenehm billig. Wir fahren die 3 km zurück nach Watson Lake und besuchen zuerst den „Sign Post Forest“, den Schilderwald. Er ist weltweit bekannt und in einem Labyrinth von Schildern der findet man fast nicht mehr heraus. Habe ein Schild von Lindau gefunden, das war das für uns naheste. Danach holen wir nochmals Informationen ein zum Cassiar-Highway mit allen Übernachtungs- und Verpflegungmöglichkeiten. Die sind nämlich dünn gesät und die Abstände meistens mehr als 150 km auseinander. Insgesamt fahren wir auf diesem ruhigen Highway mehr als 800 km. Die erste Übernachtungsmöglichkeit ist der Boya-Lake. Von den Campern als wunderschön beschrieben, allerdings für uns 4 km vom Highway entfernt und mehr als 100 hm tiefer. Die müssen wir morgen erst wieder hochfahren zum Highway. Dafür Zelten wir an einem wirklich schönen See und genehmigen uns erstmals ein Bad in einem der vielen Seen. Das Wasser ist sehr erfrischend. Aber schöner als eine Dusche. Da wir mit einer Verpflegungsmöglichkeit gerechnet haben, es aber keine gibt, hilft uns ein amerikanischer Radfreund aus der Patsche mit Suppe und die Frau von der Parkverwaltung deckt uns noch mit Eier, Kartoffeln, Toastbrot, Käse und Wurst ein. So dürften wir auch morgen über die Runden kommen. Allerdings haben wir auch mehr als 150 km mit über 1000 hm zu fahren.
Tag 25. 29.7.2022
Tag 24. 28.7.2022 Ruhetag in Whitehorse
Der gestrige Ruhetag hat mir gut getan. Die Erkältung ist etwas zurück gegangen. Wir erledigen einige Einkäufe, legen uns für Kanada eine neue SIM-Card zu und genießen noch die wärmende Sonne auf dem Yukon-Deck an der Promenade. Pünktlich um 15.45 Uhr sind wir an der Abfahrtsstelle des Busses nach Watson Lake. Wir helfen beim Verstauen der Räder und der mit 12 Passagieren und viel Gepäck vollbeladne Bus fährt pünktlich ab. Genauso pünktlich kommt er nach genau 5 Stunden Fahrt und einer Pause nach 450 km in Watson Lake an. Eigentlich denken wir, keine Übernachtung mehr zu bekommen und bereiten uns auf das Zelten vor. Doch eine Lodge, geführt von einem Deutschen, hat noch ein Zimmer zu einem akzeptablen Preis frei. Wir beziehen bei dem freundlichen Gastgeber ein schönes, sauberes Zimmer und genießen eine weitere Nacht in einem richtigen Bett.
Die Indianer gibt es nicht mehr- nur ihre Totempfähle erinnern an frühere Zeiten.
Die Erkältung hat mich voll erwischt. Erstmals gibt es kein Frühstück. Nur Tee auf dem Zimmer. Willi und ich machen uns Gedanken, wie es weitergehen soll. Wir erörtern mehrere Möglichkeiten. Wir haben zwar im Moment kein Zeitproblem, aber Willi kann ja auch nicht herumsitzen und warten, bis es mir besser geht. Es gibt die vage Hoffnung, dass es einen Bus nach Watson Lake gibt. Und tatsächlich hilft uns auch nochmals eine Frau im Informationcenter weiter. Es gibt für morgen einen Bus und es sind gerade noch 2 Plätze frei. Auch für Willi ist das eine akzeptable Option, da die 450 km bis Watson Lake außer viel Schwerverkehr nichts bieten. Danach werden wir dort noch 1-2 Tage bleiben, um danach die letzte lange Strecke von knapp 1000 km bis Prince Rupert in Angriff zu nehmen. Doch dies soll mit der schönste Abschnitt unserer Strecke sein. So denke ich, haben wir gemeinsam eine gute Lösung gefunden, um unsere Tour weiterzuführen.
Tag 23. 27.7.2022
102 km, 780 hm, bewölkt, leichter Regen, leichter Gegenwind
Die Nacht gestaltet sich ziemlich unruhig. Wir schlafen nur 40 m vom Highway entfernt und jedesmal wenn ein großer Truck vorbei braust, denkst du, er fährt mitten durch das Zelt. Es regnet wieder einmal leicht, sodass wir wieder feuchte Zelte einpacken müssen. Das Frühstück im Braeburn- Lodge ist reichlich. Wir werden auch unterwegs keine Gelegenheit zu einem Imbiss haben. Wir kommen gut voran und freuen uns schon, als wir die Stadtgrenze von Whitehorse erreicht haben. Aber dann geht es nochmals 14 km auf dem Alaska Highway mit ein paar kräftigen Steigungen weiter. So vergeht nochmals eine Stunde, bis wir das Information-Center erreicht haben. Dort vermittelt die freundliche Frau uns ein Zimmer in einem Hotel. Die Dusche ist ein Gefühl wie Ostern und Weihnachten zusammen. Und dann reicht es gerade noch zu einem Abendessen. Denn normalerweise schließen sie alle um 20 Uhr. Es ist richtig kalt in Whitehorse und wir freuen uns kindisch auf ein warmes Bett
Von hier aus sind es noch 14 harte Kilometer bis ins Zentrum Unsere Lodge ist Station beim legendären Yukon Quest, dem Schlittenhunderennen von Fairbanks nach Whitehorse Ohne Schlittenhunde, dafür mit Fahrrad- Ankunft in Whitehorse Das sind die Ergebnisse, Ankunft und Abfahrt
Tag 22. 26.7. 2022
78 km, 400 hm, bewölkt, Rückenwind
Nach dem gestrigen Fiasko hatte ich ziemlichen Bammel vor dieser Etappe. Doch es ist ganz anders gekommen. Heute haben wir von Anfang an Rückenwind und keine gravierenden Steigungen. So fahren wir mit einem 20er Schnitt nach Braeburn. Dort soll es eine Lodge geben. Die gibt es zwar, aber anscheinend ist kein Bett mehr frei. Aber wir dürfen das Zelt dort aufstellen. Übrigens hat auch die Gruppe von TDA vor 3 Tagen hier gezeltet. Wir sind Ihnen also nicht näher gekommen, haben aber auch keine Zeit verloren. Und das Highlight ist heute, dass es hier keine Moskitos gibt. Ob wir das den Schwalben zu verdanken haben, die hier unter dem Dach ihre Nester haben? Unser Ziel ist, morgen in Whitehorse anzukommen. Dann gibt es hoffentlich wieder ein Bett und eine Dusche.Bilder folgen. Das Internet ist hier zu schwach, um Bilder hochzuladen.
Tag 21. 25.7.2022
111 km, 800 hm. Sonnig, starker Gegenwind
Wir brechen spät auf. Der Store, in dem wir uns noch mit Proviant eindecken wollen, öffnet erst um 10 Uhr. Hatte in der Nacht ziemliche Hustenanfälle, und jede kleine Steigung bereitet mir Schwierigkeiten. Dazu haben wir heute erstmals heftigen Gegenwind. Solche Tage erinnern mich an Patagonien. 8 km schnurgerade, leicht bergauf mit heftigem Gegenwind, du denkst, du kommst dem Endpunkt nicht näher. Ich bin froh, dass mir Willi Windschatten bietet. Die Kilometer werden immer zäher. Doch nach mehr als 7 Stunden Fahrt hat das Leiden ein Ende. Wir erreichen Carmacks, eine kleine Ansiedlung. Es gibt zwar ein Hotel und ein Motel, doch bei den horrenden Preisen ziehen wir wohl oder übel das Zelt vor. Nach 3 Budweiser haben wir die richtige Mattenschwere und die vielen Moskitos auf dem Campingplatz direkt am Yukon interessieren uns auch nicht mehr.
Tag 20. 24.7.2022
95 km, 780 hm, warum, nachmittags teils heftiger Gegenwind, 23 Grad
Das Wetter bessert sich. Das Zelt bei Sonne abzubauen ist einfach schöner. Wir bekommen von der schweizerischen Gastfrau ein reichhaltiges Frühstück. Das ist auch bitter nötig. Es geht gleich ziemlich bergauf. Die vorgesehene Verpflegungssatation nach 30 km bei Steward- Crossing ist wieder einmal ein Flop. Nichts zu Essen, nichts zu Trinken. So geht es mit nur einer kleinen Riegel-Pause in die zweite Tageshälfte Die Steigungen und der Wind lassen nach und so sind wir schon vor 17 Uhr kurz vor dem Etappenziel in PellyCrossing. Auf einer Ausssplattform halten wir Smalltalk mit einem deutschen Ehepaar, die in Range Rover unterwegs sind. Wir sprechen gerade über Bären, als ich etwa 100 Meter entfernt einen Schwarzbären über die Straße laufen sehe. Aber bis ich am Foto bin, ist er schon verschwunden. Schade! Aber die Gelegenheit wird wieder kommen. Und die nächste Überraschung: Ausgerechnet auf diesem Parkplatz machen auch Gabi und Gerd Pause. Die beiden, die uns mitgenommen haben nach Tok und uns behilflich waren, über die Grenze zu kommen. Wir hätten nicht gedacht, sie so schnell wiederzusehen. Sie waren in der Zwischenzeit oben am Polarmeer in Tuktojaktuk. Es kommt ein ausgiebiger Erfahrungsaustausch zustande. An der Tankstelle verabschieden wir uns ein zweites Mal. Gleich gegenüber ist der Campingplatz, auf dem wir ein schönes Plätzchen finden. Es gibt sogar Internet hier, sodass ich wieder Berichte absetzen kann.
Krasser Unterschied: Blühende Blumen, dahinter verkohlte Bäume. Wir radeln ca. 20 km an solchen verbrannten Wäldern entlang.Wir überqueren hier wieder den Yukon.Ungeplantes Treffen an einem Aussichtspunkt: ein junges Ehepaar mit Range Rover auf Weltreise und unsere wiedergefundene Helfer.
Tag 19. 23.7.2022
157 km, 900 hm, Vormittag: bewölkt, kühl, 9Grad , nachmittags sonnig, 18 Grad
Nach 2 Ruhetagen freuen wir uns, wieder auf dem Rad zu sitzen. Es ist noch kühl, als wir Dawson hinter uns lassen. Die Straße steigt immer leicht an, trotzdem kommen wir gut voran. Erst eine ca. 9 km lange Steigung bremst unser Vorwärtskommen. Kurz vor dem höchsten Punkt überholt uns ein Campmobil. Am Vorbeifahren fragen sie uns, ob wir gerne einen Kaffee mit ihnen trinken wollen. Da sagen wir nicht nein. Sie laden uns in ihr Wohnmobil ein und wir haben ein sehr interessantes Gespräch. Ihr Sohn ist erst von Ushuaia in Patagonien nach Deadhorse in Alaska geradelt und war 21 Monate unterwegs. Sie können daher gut mitfühlen, was das Herz eines Fernradlers erfreut. Da wir während dem Radeln kein Bier trinken, geben sie uns ein Budweiser mit, das wir zum Abendessen mit Hochgenuss und in Erinnerung an die nette Begegnung trinken. Es sind immer wieder die menschlichen Begegnungen, die die Würze einer solchen Radreisende ausmachen. Auf der Strecke nach Whitehorse sind immer wieder lange Straßenabschnitte mit Baustellen. Mit dem Rad darf man nicht alleine durchfahren. Man wird in einen Pilotcar verfrachtet und das Rad aufgeladen. D. h. jedesmal alle Packtaschen weg vom Rad und danach wieder anbringen. Die letzten 15 km fordern uns dann nochmals alles ab. Wieder ist eine Baustelle, doch dieses Mal müssen wir selbst die ungeteerte, staubige halbfertige Straße mit zwei finalen Anstiegen überwinden. Unser Tagesziel ist der Moose-Creek-Campground. Dort scheint es aber außer einer Unmenge an Moskitos nichts zu geben. So fahren wir noch einen Kilometer weiter, wo es einen kleinen Laden und ein kleines Restaurant gibt. Das hat aber schon geschlossen. Trotzdem macht uns die Besitzerin noch eine gute Suppe mit Würstchen und lässt uns auf ihrem Gelände Zelten. Ein schöner Abschluss eines anstrengenden Tages. Mit 157 kn sind wir die bisher längste Tagesdistanz gefahren. Früh geht es ins Zelt, weil das auch der sicherste Platz vor den Moskitos ist.Püppchens
Hier fängt der Denpster-Highway an und geht nach Inuvik und Tuktojaktuk na Polarmeer.Das Ehepaar aus Köln hat uns spontan zum Kaffee eingeladen. Und ein Bier mit auf den Weg gegeben.Da hat einer seinen Luxuscamper neben die Straße gesetzt. Wird vermutlich nicht billig. Der Abschleppdienst kommt von Whitehorse. Das sind 450 km, einfache Strecke.Nach höflicher Anfrage durften wir hinter dem Haus unsere Zelte aufstellen. Und bekamen auch nach 20 Uhr noch eine warme Suppe mit Wurst. Und am anderen Morgen ein reichhaltiges Frühstück
Tag 18 22.7.2022 Noch ein Ruhetag
Außerplanmäßig legen wir noch einen Ruhetag ein. Alles wir aufstehen, schüttet es in Strömen und es ist kalt. Für die kommende Nacht sind 2Grad vorausgesagt. Da ziehen wir es vor, noch einmal in Dawson zu bleiben. Es ist ja einiges geboten und der Tag ist schnell vorbei. Um 12 Uhr mittags ist im Theater eine Sängerin angesagt. Danach besuchen wir das Jack London Museum und bekommen eine Privat-Audienz bei der Führerin. Und heute Abend wollen wir noch eine Cabarett-Show in einem der Saloons besuchen. Unterwegs treffen wir noch ein Ehepaar aus Friedrichshafen. Sie sind mit ihrem Camper in Alaska und Kanada unterwegs und im Herbst geht es runter nach Mexiko. Sie werden 2 Jahre unterwegs sein und haben ihr Haus in Friedrichshafen solange vermietet. Es zieht sie anscheinend nichts mehr zurück an den Bodensee. Die Museumsdirektorin hat uns erzählt, dass vor 3 Tagen eine große Gruppe Radfahrer vorbei gekommen seien. Und tatsächlich ist die TdA, (Tour d’Afrique) die Konkurrenz von Bike-Dreams, gerade auf ihrem Weg von Tuktojaktuk nach Panama in Dawson vorbei gekommen. Da sie auf den nächsten 900 km auf der gleichen Strecke wie wir sein werden, wird es spannend sein, ob wir sie einholen können. Wir hoffen, morgen wieder besseres Wetter zu haben.
Der junge Jack London-Abenteurer und Schriftsteller,Die St. Andrew-Kirche- durch das Auftauen des Permafrostbodens ist sie in die Knie gegangen.Das Auftauen des Permafrostbodens wird hier deutlich Das Ehepaar aus Friedrichshafen auf ihrem 2Jahrestrip
Tag 17 21.7.2022 Ruhetag in Dawson
Im Eldorado Hotel genehmigen wir uns ein ausgiebiges Breakfast. Schließlich haben wir ein großes Kaloriendefizit auszugleichen. Nach dem Wäsche waschen und Fahrrad putzen haben wir noch Zeit, um diesen ungewöhnlichen, historischen Ort zu erkunden. Vieles erinnert noch an die Zeit der Goldwäscher und der Erschließung des Yukons. Vor allem die Geschichte der Schifffahrt auf diesem drittlängsten Fluss Nordamerika ist äußerst spannend. So die Geschichte des Untergangs der Princess Sophie am 2.Oktober 1918, bei dem alle 356 Passagiere bei einem Schneesturm ums Leben kamen. Wer die Romane von Jack London gelesen hat, fühlt sich in seine Geschichten hineinversetzt. Das Nachtleben in den Saloons soll es immer noch geben. Aber nicht für uns. Wir bereiten uns schon auf die nächsten Herausforderungen bei der Fahrt nach Whitehorse vor. Vermutlich wird es die kommenden Tage wieder schwer werden, Berichte ins Internet zu stellen. Spätestens in 5 Tagen, wenn wir Whitehorse erreicht haben, werde ich mich wieder melden.
Unsere Unterkunft in Dawson. Alter Raddampfer erinnert an frühere Zeiten Typisches Lokal mit vielen Utensilien dekoriert. Ein Kanu an der Decke ist obligatorisch.
Tag 16. 20.7. 2022
Fast die ganze Nacht durch prasselt der Regen gegen das Zeltdach, dazu weht teils heftiger Wind. Am Morgen liege ich in einer richtigen Pfütze. Wir bauen wieder einmal die nassen Zelte ab und nehmen das Frühstück, es gibt Müsli mit Banane, im Stehen ein. Die Schotter- besser gesagt Sandstrasse ist aufgeweicht und erfordert noch mehr Kraft als eine trockene Straße. Wir haben noch einmal 1200 hm zurückzulegen bei ständigem Auf und Ab mit teils gewaltigen Steigungen.Es hat zwischen 7 und 10 Grad Temperatur und wir sehen die Sonne erst gegen Ende der 6-stündigen. Fahrt. Inzwischen sind wir voller Dreck, vor allem durch die Abfahrten. Erst die letzten 18 km geht es ständig bergab nach Dawson City. Hier müssen wir die Fähre über den Yukon nehmen, um in die historische Western- Stadt zu kommen. Sie erlebte ja im 19.Jahrhundert den großen Boom als Golgräberstadt. Mit ihren Fassaden und hölzernen Sidewalks erinnert sie heute noch an diese Zeiten. Einzig die Blechkarossen scheinen die Pferde ersetzt zu haben. Im Visitor- Center bekommen wir die Adresse von einem günstigen Hotel und nach einer Rad- und Satteltaschen- Wäsche können wir dort einziehen. Wir belohnen uns für die vergangenen Strapazen mit einem Pitch Kanadischen Bier. Morgen werden wir einen Ruhetag genießen.
Einer der komfortablen Zeltplätze.Gabi und Gerd helfen uns, über die Kanadische Grenze zu kommen.Geschafft! Wir sind über der Grenze in Kanada.Die letzten Schneefelder auf dem TOP OF THE WORLD HIGHWAY.Nach 300 harten Kilometern und mehr als 4000 hm auf dem Taylor und Top of the World Highway gönnen wir uns einen ganzen Hafen kanadisches Bier.Der hat wohl zu viel gebremst… Die Schwalben haben sich unter dem Dach eingenistet und haben uns einen halben Tag die Moskitos vom Leib gehalten
86 km, 1000 hm, kühl, am Gnat-Pass 1250 m üNN 6 Grad Regen
Die Gewalttour von gestern steckt noch in den Knochen. Nach dem Frühstück in unserer Herberge und Hamstereinkäufe an der Tankstelle geht es bei stark bedecktem Himmel auf die Strecke. Gleich haben wir einen sehr langen Anstieg zum Gnatpass vor uns. Oben angekommen ist es kalt und regnerisch. Wir ziehen volle Regenmontur an für die Abfahrt. Nachmittags wird es dann etwas wärmer und manchmal lugt sogar die Sonne hinter den Wolken hervor. Die wärmenden Strahlen schaffen Motivation für den zweiten langen Anstieg. Wir erreichen relativ früh den Etappenort Iskut. Dort gibt es zumindest eine Tankstelle mit Versorgungsmöglichkeit. 2 km weiter dann einen Campingplatz mit Cabins. Leider sind die wie üblich alle belegt. So schlagen wir wieder das Zelt auf. Willi kocht heute Nudeln in Tomatensoße mit eingelegten Würstchen. Anscheinend sollte es Internet geben. Doch vergebens versuchen wir, uns weltweite Netz zu kommen.
Die Tage zwischen dem Start und dem 16.7. findest Du unter“Bei Bären klingeln „
Da wir jetzt in Kanada sind, findet ihr die weiteren Berichte in dem Untermenue „Kanada
Tag 15. 19.7.2022
Und wieder einmal werden wir durch die Regentropfen geweckt, die gegen das Zeltdach prasseln. Im Regen bauen wir die Zelte ab. Das einzig positive an diesem Morgen ist, dass uns Gabi und Gerd zum Frühstück im Camper einladen. Wir genießen zusammen mit Ihnen den Kaffee und das Toastbrot und vereinbaren, dass sie unser Gepäck bis zur Grenze mitnehmen und es dort irgendwo abstellen. Das ermöglicht uns, diese 65 km und 1200 hm ohne Gepäck zurückzulegen. Und es ist tatsächlich wie fliegen, auf einmal ohne soviel Gewicht am Rad fahren zu können. Gegen 13 Uhr erreichen wir den „TOP OF THE WORLD HIGHWAY „ von dem Willi schon seit Wochen spricht. Und er ist ja auch der Grund, warum wir diese Strapazen auf uns genommen haben. Und es lohnt sich wirklich. Das Wetter hat sich inzwischen gebessert und wir haben einen unglaublichen Rundumblick auf die Berge in Alaska und Kanada. Dieser ungeteerte Highway führt über mehr als 120 km immer auf Bergrücken in Richtung Dawson City. Nach einem kräftezehrenden, über 4 km langen Anstieg erreichen wir die kanadische Grenze. Die Grenzstation liegt auf einem Berg wie eine Alpvereinshütte in den Alpen. Und wir haben Glück. Der Grenzbeamte ist freundlich und fragt nur nach der ominösen COVID App, die uns soviel Aufwand beschert hat, ohne sie sehen zu wollen. So sind die Grenzformalitäten schnell erledigt und er füllt sogar unsere Trinkflaschen auf und stellt sich noch für ein Erinnerungsfoto zur Verfügung. Wir sind jetzt in Kanada im Landesteil Yukon. Wir legen auf dem TotW-Highway weitere 20 km zurück, um morgen keine zu lange Etappe nach Dawson zu haben. Seit dem kargen Frühstück habe wir nur ein paar Riegel gegessen. So kocht Willi heute für jeden anderthalb Portionen. Die Plagegeister haben an der Grenze nicht Halt gemacht, Auch ich Kanada schwirren sie uns um die Ohren. Nach unserer Königsetappe mit 90 km und mehr als 1800 hm liegen wir früh im Schlafsack.
Tag 14. 18.7.2022
Heute geht es wieder ohne Frühstück los. Das wollen wir nach 26 km in Chicken, der einzigen Möglichkeit auf dem Weg nach Dawson City einnehmen. Es geht von Anfang an wieder streng bergauf. Regen und Sonne wechseln sich ab. Nach 2 Stunden erreichen wir die kleine Ansiedlung. Beim Frühstück sitze ich neben einem Ehepaar, das einen Haufen Formulare vor sich hat und sich aufgeregt unterhält. Ich frage nach dem warum und wohin. Sie sind auch Deutsche und wollten über den gleichen Grenzübergang nach Kanada. Man hat sie zurück geschickt, um eine kanadische COVID-App herunterzuladen und auszufüllen. An der Grenze gibt es kein Internet, daher hat man sie 67 km zurückgeschickt nach Chicken, um die App auszufüllen. In Chicken aber ist das Internet so schlecht, dass es unmöglich ist, die App überhaupt herunterzuladen. Sie sagen uns, wir bräuchten gar nicht weiterfahren, uns würde das Gleiche blühen. Das Risiko ist uns zu groß. Denn nach 67 km und 1200 hm an der Grenze abgewiesen zu werden, ist uns zu groß. So fragen wir die beiden, ob sie uns mitnehmen zurück nach Tok, denn dort gibt es zuverlässiges Internet. Sie sind freundlicherweise bereit und nehmen uns in ihrem Camper mit zurück nach Tok. Das sind 120 km teils üblicher Straße. Die Räder lassen wir solange in Chicken stehen. Das Ausfüllen der App stellt uns vor weitere fast unlösbare Probleme. Um 19 Uhr haben wir aber die App komplett und fahren zurück nach Chicken. Wir sind erleichtert und hoffen, morgen mit dieser App über die Grenze zu kommen. Ohne Gabi und ihren Mann Gerd hätten wir das nicht geschafft. Müde, aber auch zufrieden, übernachten wir auf dem Campground in Chicken.
Tag 13. 17.7. 2022
Nach einem guten Frühstück in unserem Hostel geht es nach dem entspannten Ruhetag zuerst für 20 km auf dem Alaska-Highway weiter. Es ist Sonntagmorgen und folglich fehlen die Trucks auf der Straße. Nach den flachen Kilometern auf dem Alaska-Highway biegen wir in den Taylor-Highway ab und sind gleich mit der ersten richtigen Steigung konfrontiert. In dem Radreiseführer steht hier, wem die Steigungen zu steil sind kann hier noch einmal umkehren und auf dem Alaska Highway weiterradeln nach Whitehorse. Wir aber wollen über den Top of the World-Highway nach Dawson City. So nehmen wir auch für die nächsten Stunden viele weitere Steigungen in Kauf. Aber nach dem Ruhetag sind unsere Beine wieder Top und wir kommen gut voran. Auch der inzwischen eingesetzte Regen kann uns nicht bremsen. So erreichen wir in weniger als 7 Stunden Fahrt den Campground, auf dem wir übernachten wollen. In knapp 97 km haben wir mehr als 1400 hm überwunden. Als Camphost empfängt uns ein Deutscher, der sich in der Rente hier ein Zubrot verdient. Er weist uns einen schönen, überdachten Zeltplatz zu. Für den Kalorienverbrauch gibt es heute Pasta Marinara vom Chefkoch Willi.
Achtung Habe meine Berichte jetzt umgestellt. Der neueste Bericht ist jetzt immer oben
Etappe 10 Humenne – Perechyn (UK) 89 km, 800 hm
Erstmals
regnet es leicht, als wir vom Hotel Alibaba aufbrechen. Nach 8 km auf der
Landstraße geht es wieder durch kleine Dörfer mit unzähligen Storchennestern und
danach einmal mehr in den Laubwald. Der leichte Regen hat wieder aufgehört und
wir können die Regenkleidung wieder verstauen. Nach einigem Auf und Ab kommt
dann eine lange Steigung, die wir im kleinsten Gang bewältigen müssen. Walter
hat uns darauf vorbereitet. Wir sind jetzt richtig nass – aber diesmal vom
Schwitzen.
Es geht 20 km langweiter durch dichten Buchenwald im
Nationalpark Poloniny. Nach rasanter Talfahrt geht es durch ein kleines Dorf
namens Smigovic. Dort können wir die erste Holzkirche bewundern. Es dürfte die
einzige in der Slowakei sein. Bald darauf verlassen wir die EU und passieren
die Grenze zur Ukraine. Die Grenzabfertigung verläuft trotz den strengen
Blicken der Zollbeamten problemlos.
Und sofort
verändert sich nach der Grenze der Straßenzustand. Hier ist größte
Aufmerksamkeit geboten, um allen Schlaglöchern ausweichen zu können. Nach 20 km erreichen wir die nicht sehr
ansprechende Stadt Perechyn. Es ist unser heutiges Etappenziel. Die Unterkunft
ist aber dann sehr akzeptabel und billig. Ebenso wie das gute Abendessen und
das Bier. Hier kann man leicht zwei große und ein kleines Bier trinken und
zahlt nicht mehr als in Deutschland für eine Halbe.
Etappe 9 Presov – Humene, 81 km, 1360 hm
Nachdem ich die Berichte dreimal geschrieben habe und sie im
Internet nicht mehr auffindbar waren, ein Kurzbericht über die letzten 3
Etappen.
Die gesamten Etappen waren weit weg vom Verkehr, oft durch schattige Buchenwälder oder über verkehrsarme
Landstraßen. Manche Häuser erinnern noch sehr an die sozialistische Zeit,
manche Siedlungen stehen aber unseren in nichts nach. Fast in jedem Dorf ist mindestens
1 Haus von einem Storchennest besetzt. Einmal schallte uns Musik aus den
Lautsprechern über der Straße entgegen. Vermutlich wurden dort früher
politische Parolen ausgegeben.
Beeindruckend waren die Städte Liptovski Mikulas und Levoca. Die Festung Spisska Hrad und der Bischofssitz und die Kirche von Spisska Kapitula ins Weltkulturerbestätte.
Wir durchfuhren mehrere Nationalparks, in denen viele
Slowaken ihre Freizeit verbringen. Auch scheint es hier mehrere Wintersportorte
zu geben. Oft sahen wir Hinweisschilder auf Skilifte. Stundenlange Fahrten über
schmale Asphaltstraßen durch schattige Buchenwälder waren sehr entspannend.
Singletrails und Downhills sorgten für den nötigen Adrenalinkick.
Die Leute sind sehr gastfreundlich, die Dienstleistung perfekt,
Essen und Trinken hervorragend.
Morgen überqueren wir die Grenze in die Ukraine. Vermutlich ist es nicht mehr möglich, täglich einen Bericht zu schreiben. Das Internet wird nicht überall verfügbar sein. Wir sind froh, wenn wir eine Bleibe für nachts finden. Zusätzlich wird das Ganze erschwert durch die kyrillische Schrift, mit der wir uns dann zu befassen haben. Heute aber alssen wir es uns nochmals gutgehen in dem sehr schönen Hotel Alibaba in Humene.
Hertha freut sich auf eine schöne Abfahrt
Etappe 8 Levoca – Presov, 90 km, 1250 hm
Wo bleibense denn …
Etappe 7 Liptovski Mikulas – Levoca, 100 km, 1300 hm
Spisska Hrad Kapelle in Spisska HradAußen unscheinbar, innen schön, Spisska Kapitula
Etappe 6 Dolony Kubin -Liptovski Mikulas
Nach dem anstrengenden Tag von gestern ist heute eine erholsamere Tour vorgesehen. Wir bleiben bei den 52 km fast immer auf Asphalt und haben dabei 800 hm zu überwinden. Wieder beginnt die Steigung moderat, wird aber dann immer steiler und wir brauchen den kleinsten Gang, um einige sehr steile Rampen hochzufahren. Im letzten Teil spendet ein Waldstück uns dann Schatten. Den können wir brauchen, denn die Temperatur ist deutlich gestiegen. Nach 12 km Aufstieg geht es in rasanter Abfahrt hinunter nach Lucky, einem Kurort mit Bädern und Hotels. Der Ort scheint gut besucht zu sein. Viele Leute tummeln sich rund um den Park.
Es geht weiter auf einer etwas stärker befahrenen Straße, die Aufstiege sind jetzt aber deutlich kürzer. So erreichen wir heute schon um 14 Uhr unser Ziel in Liptovski. Heute Abend werden wir Hertha und Gerold In Empfang nehmen. Sie reisen mit der Bahn an und werden uns die nächsten 2 Wochen begleiten.
Walter und Elisabeth am Aufstieg
Oft sieht man nur die Kirchtumssptze
Kurzer Anstieg auf einem Kreuzweg
Etappe 5 Zilina – Dolny Kubin
Heute steht eine äußerst anstrengende Tour auf Walters Plan. Wir frühstücken schon um 7 Uhr und kurz nach 8 Uhr steigen wir auf unsere Räder. Nach einer Viertelstunde können wir den heftigen Stadtverkehr von Zilina hinter uns lassen. Danach geht es für 12 km auf einem ganz neu angelegten Radweg auf dem Damm des Flusses Vah weiter. Hier sind heute morgen schon wieder viele slowakische Outdoorfreaks mit Rädern, Inlinern oder zu Fuß unterwegs. In Varin verlassen wir den Damm und es geht erstmal gemütlich bergan. Aber schon bald wird es steiler und manchmalist auch Schieben angesagt. Es geht immer mehr steil bergauf steil bergab. Nach 32 km erreichen wir Terchowa, ein ehemaliger Wintersportort vor der Wende. Hier machten früher hauptsächlich ehemalige DDR-Bürger Urlaub. Daher sprechen hier uach noch viele Leute Deutsch. Doch der Ort bietet auch heute wieder viele Attraktionen, Wanderwege und Skipisten.
Der zweite Anstieg beginnt nach Terchova noch harmlos, wird aber immer steiler und auch unwegsamer. Steile Rampen, garniert mit tiefen Fahrspuren zwingen uns immer mehr zum Schieben. Auch nach dem höchsten Punkt, wir sind jetzt über 1000 m, ist noch kein Fahren angesagt. Ein von den Waldarbeiten zerstörter Weg , bdeckt mit dicken Ästen, lässt uns den ersten steilen Abstieg nochmals schieben. Erst dann ist wieder an Fahren zu denken. Erst zum Schluss können wir es auf einer relativ flachen Asphaltstrecke auslaufen lassen. Unten angekommen, sind es nur noch 6 km in etwas dichterem Verkehr bis zum Etappenort Dolny Kubin. In einer kleinen Pension gönnen wir uns dann nach 8 Stunden Fahrt erstmal einen Palatschinken und mehrere Bier, bevor wir unter die Dusch steigen.
Etappe 4
Zum ersten Mal ist im Übernachtungspreis auch das Frühstück inbegriffen. Das ist reichhaltig und gut. Zuerst geht es aus der größeren Stadt Trencin hinaus. Mit fast 60 000 Einwohnern zählt sie zu den größeren in der Slowakei. Gleich außerhalb der Stadtgrenze geht es auf einem holprigen Wiesenweg weiter. Aber nur sehr kurz, dann sind wir für die nächsten 30 km auf einer wenig befahrenen Landstraße, die durch mehrere kleine Ortschaften führt. Nach einer kurzen Trinkpause in Pachov geht es zuerst auf einem schönen Radweg des Flusses Vah entlang. Doch der ausgebaute Radweg macht bald einem schon gewohnten Singletrail auf dem Damm Platz. Der ist sehr holprig und schmal und erfordert volle Konzentration. Immer wieder weichen wir auf Landstraßen aus. Nach 50 km ohne Pause sind wir schon kurz nach 14 Uhr am Zielort in Zilina. Hier besuchen wir zuerst die Burg Budatin, umgeben von einem schönen, weitläufigen Park.
Ein deutsch sprechender Slowake interessiert sich für unsere Reise
… und wieder eine Burgruine
immer der Vah entlang
Burg Buhatin in Ziliny
Das Appartment in Stupova ist bescheiden. Und ohne Frühstück.Wir kaufen im Supermarkt ein paar Brötchen und Käse und setzen uns vor ein Cafe. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, trotzdem ist es relativ frisch. Wir starten auf ein schmalen Landstraße und entdecken sofort in der Wiese zuerst einen Schwarzstorch, danach ein Rudel Hirsche. Sie weiden dort und lassen sich nicht stören. Dann geht es offroad weiter. Und teilweise steil bergauf. Eine 35 km MTB-Tour beginnt, bestehend aus fast lauter Singletrails. Immer wieder steil bergauf und bergab. Einmal stürze ich in einer tiefen Pfütze. Ich bin voll mit Dreck, aber sonst ist nichts passiert. Das alles ist im teils dunklen Laubwald, Irgendwann nach 4iereinhalb Stunden taucht das beeindruckende Schloss Cerveny Kamen auf. Jetzt geht es in rasendem Tempo auf Asphalt bergab. Auf den letzten 20 km warten nur noch einige weniger steile Anstiege auf uns. Schon kurz nach vier Uhr sind wir nach 1500 hm und 65 km in unserem Etappenort Smolenice und finden dort auch gleich eine bescheidene Pension für 8 € pro Person.
Kurze VerschnaufpauseEin Rudel Hirsche ne ben der Straße lässt sich nicht störenDas beeindruckende Schloss Cerveny KamenVoll konzentriert durch den Wald… und auf schottrigen Wegen
Die Hotelsuche gestaltet sich heute schwierig. Die ersten 3 Hotels und Pensionen sind voll, bevor wir im Boss Hotel eine schöne, aber teure Unterkunft finden. Noch am Nachmittag unternehmen wir einen Spaziergang durch das Zentrum. Im Mittelpunkt ein quadratischer arkadengesäumter Hauptplatz mit vielen Straßencafés und Restaurants.
Etappe 3
Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir verspätet in die Etappe. Erstmal geht es 5 km im ungewohnt dichten Verkehr, vor allem mit Trucks, zur nächsten Ortschaft. Aber dann wird e3s schlagartig ruhig. In den die nächsten 2,5 Stunden begegnen uns nur zwei Wanderer und ein Fuchs. Wir sind wieder in dichten Buchenwäldern und auf flowigen Wiesentrails. Die Anstiege sind fordernd, aber fahrbar. Es geht vorbei an den Burgruinen von Visnovè und Beckov. Beide thronen auf steilen Hügeln. Auf schattiger, asphaltierter Straße geht es nach Nove Meso, einer slowakischen Industriestadt.
Welches ist die schönste Kutsche?
Wir gönnen uns ein Kaffeepäuschen
Und wieder eine Burg am Wegesrand
Waltzer und Elisabeth auf dem Tandem in Aktion
Danach folgen wir auf einem schmalen Dammpfad dem Fluss Vah. Schon bald sehen wir die wieder auf einem steilen Berg thronende Burg von Trencin. Aber sie scheint näher als es dann tatsächlich bis dahin ist. Letztendlich erreichen wir das Etappenziel Trencin nach 87 km und 800 hm kurz nach 16 Uhr.