Im Herzen Guatemalas

13.3. 2018 Von geheimnisvollen Mächten wunderbar getragen …..

Unser 4-Sterne Hotel in Coban ist eine mittlere Katastrophe. Sieht von außen super aus, innen passt aber gar nichts.  Ich höre einen Amerikaner sagen: Für die ist selbst ein Stern noch Zuviel.

Gestern am späten Nachmittag mache ich mich noch auf, um Padre Godoy in der Communidad La Esperanza aufzusuchen. War gar nicht so einfach, obwohl nur 5 km vom Hotel entfernt. Nachdem mich der Sicherheitsposten vorne an der Pforte tatsächlich nach vielen Rückfragen zu ihm vorlässt, kann ich diesen Menschen mit besonderer Aura treffen. Er kennt mich ja nicht und weiß nicht den Grund meines Besuches. Nachdem ich ihm meine Geschichte erzählt habe, wird er zugänglicher und wir sprechen in seinem Büro über die Communidad und ihre Geschichte. Er selbst spricht dasselbe „Spanglisch“ – eine Mischung aus Spanisch und Englisch, wie ich. Wir verstehen uns. Als ich ihn auf eine Patenschaft für ein Kind anspreche, sagt er gerne, aber die zuständige Person sei erst Morgen da. Da wollten wir eigentlich weiterfahren. Nachdem wir 8 Uhr verabredet haben, verabschiede ich mich. Ich habe ihn mit dem Rad besucht und muss mich auf die Socken machen. Es wird schon dunkel und beginnt zu regnen. Ziemlich nass gelange ich in das Zentrum von Coban, habe mich aber total verfahren, da ich einige Einbahnstraßen gegen mich hatte. Ich frage den nächsten, der mir begegnet, ob er mir helfen könne. Kein Problem – er läuft in strömenden Regen ca. 1,5  km neben mir her und ich erzähle ich ihm meine Geschichte. Wir verabschieden uns herzlich am Hotel nicht ohne die Handy-Nummern auszutauschen.

Ich erzähle Hermann die Geschichte und frage im Hotel, ob wir einen Tag länger bleiben können. Können wir nicht – alles belegt. Stimmt uns aber nicht weiter traurig. Hermann und ich sind uns einigt – wir besuchen erst die Schule morgen und radeln dann los.

Nachts hören wir stetig, wie der Regen prasselt. Am Morgen ist es zwar noch bewölkt, aber angenehm warm. Wir fahren nach dem Frühstück durch die Slums von Coban zu der Communidad. Padre Godoy  ist nicht da. Die Vizechefin erklärt uns, dass er einen Notfall habe und vielleicht später oder gar nicht komme. Sie spricht selbst kein Englisch, holt aber aus einer Mittelschulklasse einen Schüler namens Jorge. Er spricht ein sehr gutes Englisch. Senorita Maria führt uns durch die Einrichtung und wir werden von den kleinen Kindern genauso herzlich begrüßt wie von den älteren.

Die älteren Schüler erzählen uns, warum sie in dieser Einrichtung sind und wie gut sie betreut werden. Ein Schüler erzählt es auf Spanisch, der andere übersetzt auf Englisch. Ich erzähle ihnen meine und unsere Geschichte und ihre Gesichter werden immer ungläubiger. Es wird ein herzlicher Abschied. Nicht ohne dass noch einige Schüler mal auf mein schönes Rad sitzen wollen.

Ich verspreche Maria, ihnen in Zukunft zu helfen, wo es möglich ist. Der Schüler Jorge hat eine große Zukunft vor sich – da sind wir überzeugt. Wie souverän und empathisch er den Übersetzer gemacht hat – das war für einen vielleicht 15jährigen grandios.

Hermann und ich setzen unsere Tour fort. Die Einrichtung lag fast an unserer geplanten Strecke. Nachdem anfangs noch viel Verkehr herrscht, wird dieser allmählich weniger. Dafür wird die Umgebung immer beeindruckender. Wir steigen, ohne es groß zu spüren, auf 1750 Meter hoch. Die Temperaturen sind angenehm. Schon um zwei Uhr sind wir an unserem Etappenziel in Purulha. Wir erkundigen uns, ob es die nächsten zwanzig Kilometer noch Ortschaften oder Hotel gäbe. Ja, in ca. 15 km. Das passt uns gut, wir sind noch voll motiviert. Als das erste Hotel links der Straße auftaucht, frage ich einfach mal nach, ob es Zimmer gäbe. Der Mann sieht gleich, dass er einen Deutschen vor sich hat und antwortet auf Deutsch. Er stellt sich als Eduardo vor. Er hat nicht nur Zimmer, er bietet uns eine kleine Hütte an inmitten eines botanischen Gartens. Es ist unglaublich – wir scheinen im Garten Eden gelandet zu sein. In der Nähe sind viele Naturlandschaften und der Quetzal – Biosphärenpark. Anscheinend ist dieser besondere Vogel in  Guatemala am ehesten hier anzutreffen. Er war ja fast ausgestorben und fast zu spät wieder angesiedelt worden. Heute ist er fast nur noch an besonderen Plätzen in Costa Rica anzutreffen.

Wir werden voraussichtlich morgen hier einen Ruhetag einlegen, um eine Tour in den Naturpark per Pferd zu unternehmen.  Welch ein Tag! Von geheimnisvollen Mächten wunderbar getragen ?

Die Etappe: Coban – RamTzul, 64 km, 860 hm, max. 36°, Hotel Reserva RamTzul

 

14.3. 2018 Ruhetag im Naturreservat RamTzul

Das mit dem Pferd wird nichts. Das mit dem Naturpark schon. Nachdem es gestern mit dem Internet nicht mehr geklappt hatte, versuchen wir es heute morgen nochmals – ohne Erfolg. Wir planen auf Anraten von Enrique Steinle, dem Geschäftsführer des Hotels, uns in Purulha ein billiges Cellular (Handy) zu kaufen mit einer Zentralamerikanischen SIM-Card. Diese gilt für ganz Mittelamerika. Nachdem es aber den ganzen Vormittag trübe und regnerisch ist, wird es gegen Mittag etwas sonnig und wir nützen die Gelegenheit, mit einem Führer eine fast dreistündige Trekking-Tour durch den Urwald zu den Wasserfällen zu machen. Es wird eine tolle Tour durch dichten Urwald mit vielen Höhenmetern bergauf und bergab.

Nachmittags fahren wir dann wie vorgesehen mit dem Rad nach Purulha, um ein billiges Handy mit SIM-Karte zu kaufen. Das liegt 300 hm tiefer und 15 km weit zurück. Es klappt wie vorgesehen und bevor der große Regen wieder einsetzt, sind wir zurück. Jetzt habe ich mein eigenes Internet und bin hoffentlich nicht mehr auf die mehr oder weniger schlechte Internetverbindungen in den Hotels angewiesen. Abends regnet es in Strömen. Wir hoffen, dass es morgen wieder trocken ist, um unsere Reise in Richtung Antigua fortsetzen zu können.

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15.3. 2018 Von Alta Verapaz nach Bajaverapaz
Es regnet die ganze Nacht wieder in Strömen. An das haben wir uns fast schon gewöhnt. Es ist einfach die geografische Lage an den Osthängen dieses Gebirgszuges – hier regnet es sich ab. Nach dem Frühstück gibt es eine herzliche Verabschiedung von Enrique und seinem Team. Sie sind uns und wir sind ihnen in den anderthalb Tagen schon ans Herz gewachsen. Enrique gibt uns seine Telefonnummer mit. In der Not könnten wir ihn sofort anrufen.
Es hat zwar aufgehört zu regnen, ist aber neblig und kühl, als wir von 1700 m abfahren in Richtung Salama. Aber schon eine halbe Stunde später müssen wir die Regenkleidung und die warme Kleidung ablegen. Das Thermometer geht schon wieder Richtung 30°. In einer kleinen Ortschaft zeigt der Garmin eine Abzweigung an. Wir sind leicht irritiert, folgen aber dem Track. Schon bald geht die Straße in eine Erdpiste über. Diese führt uns in ganz abgelegene kleine Ansiedlungen und in eine tolle Landschaft. Es ist nur noch das Knirschen der Reifen zu hören. Teilweise geht es steil bergab, ist aber mit unseren Rädern gut fahrbar. Nach ca. 15 km erreichen wir die schöne, saubere Stadt San Jeronimo. Ältere Herren auf dem Plaza de Central empfehlen uns ein Besuch im „Museo del Trapiche“. Wir beschließen jedoch, weiterzufahren und im 10 km entfernten Salama, der Hauptstadt des Beszirks Baja Verapaz, eine Mittagspause einzulegen. Inzwischen gut aufgewärmt geht es weiter über einen 600 hm hohen Pass mit toller Abfahrt nach Rabinal, unserem heutigen Etappenziel. Wir finden unter Mithilfe eines Jungen ein kleines, sauberes Hotel für umgerechnet 8 €. Überhaupt sind die Preise hier sehr billig – wir sind weit weg von einem Touristenzentrum.
Die Etappe: RamTzul , Eco Reserva – Rabinal, 64 km, 806 hm, 5:20 unterwegs, max. 34°, Hotel Posada San Pablo, Rabinal

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16.3.2018  Durchs wilde Hochland Guatemalas

Nach ruhiger Nacht starten wir nach Sonnenaufgang ohne Frühstück. Es soll heiß werden und wir möchten den größten Teils des Anstiegs hinter uns haben, wenn die Sonne höher steht.

Schon vor wir den Ortsausgang von Rabinal  erreicht haben, beginnt die steinige Piste.  An einer kleinen Tienda nehmen wir am Vorbeifahren doch noch ein kleines Frühstück zu uns. Zu den frischen, warmen Tortillas gibt es sogar noch einen Kaffee. Es kommen uns viele vollbesetzte Collectivos entgegen – Kinder, die in die Schule gehen und Erwachsene, die ihrer Arbeit hier nachgehen. Schon bald ist Schluss mit Radfahren. Es geht steil bergauf bei katastrophalem Untergrund. Schlicht unfahrbar. Die vollbepackten Räder bergauf schieben – das kostet Kraft. Der Höhenmesser scheint stehenzubleiben – die Sonne steigt höher. Wir haben insgesamt knapp 1000 hm am Stück nach oben. Irgendwann zwei relativ frische Gräber am Wegesrand. Ein Motorradfahrer fährt an uns vorbei – mit Helm -das ist die Ausnahme. Er hält an, kommt auf uns zu. Wir merken – er hat keine schlechte Absicht. Er erklärt uns, das hier vor gut einem Jahr der Bürgermeister von Rabinal mit seinem Fahrer überfallen und erschossen wurde. Es selbst sei Polizist gewesen. Wir müssten aber keine Angst haben – die Gegend hier sei jetzt sicher. Das beruhigt uns.

Die Steigung nimmt etwas ab und wir können wieder fahren. Besser gesagt, uns einen Weg um die größten Löcher und Steine suchen. Der letzte Anstieg – wir glauben unseren Augen nicht zu trauen – geht die Piste in Asphalt über. Es ist geschafft – nach knapp 3 Stunden Aufstieg sind wir oben auf über 1800 m.

Auf der Abfahrt wechselt der Belag immer wieder von Asphalt zu Schotter – es heißt höllisch aufpassen. Wir sind fast unten in El Chol – das erwischt es Hermann nach knapp 1300 km mit dem ersten Plattfuß. Er kommt ordentlich ins Schlingern, kann sein Rad aber gottseidank noch beherrschen. Wäre er schneller gewesen – ein Sturz wäre kaum zu vermeiden gewesen.

Schnell haben wir den Schlauch gewechselt und noch vor 12 Uhr sind wir in einer kleinen Comida in El Chol, und lassen uns Eier mit Bohnen und Tortilla servieren. Eigentlich war ja das hier das Etappenziel. Aber wir können ja nicht schon um 12 Uhr Feierabend machen. Ich schaue bei Google Maps nach, ob noch eine Ortschaft mit Hotel kommt. Das scheint nach 11 km in Granados der Fall zu sein. Wir beschließen, bis dort hin weiterzufahren. Schon bald hört der Asphalt wieder auf und wir steigen nochmals um 300 m höher. Die Sonne brennt jetzt wieder gnadenlos – das Thermometer steigt auf 46°.  Noch ein paar Höhenmeter bei der Hotelsuche – dann haben wir es geschafft. Das Hotel ist ziemlich neu und liegt schön auf einem Berg. Eigentlich ist es noch gar nicht eröffnet. Wahrscheinlich sind wir die ersten Gäste.

Die Etappe: Rabinal –Granados, 36 km, davon 28 km unpaved, 1274 hm, 6:30 unterwegs, max. 46° Temperatur, Hotel  La Valle

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17.3. 2018  Kurz aber heftig

Heute klappt es, mit dem Morgengrauen, schon um 6:30 Uhr starten wir. Wir möchten heute nicht von der Sonne gegart werden. Von gestern Abend haben wir noch ein paar Pizzastücke, die essen wir heute morgen kalt. Nach einigen kurzen heftigen Abstiegen erfolgt eine lange Abfahrt zum tiefsten Punkt bei etwa 600 m. Nach der Flussüberquerung erfolgt der lange Aufstieg auf 1800 m , mit einigen kurzen Abfahrten zwischendurch. Schon um 10 Uhr haben wir heute die ersten 1000 hm geknackt. Während es morgens noch bedeckt war,  brennt die Sonne wieder  und erreicht die 40° Marke. Wir sind froh, schon kurz nach 12 Uhr unser heutiges Etappenziel – San Juan Sacatepequez erreicht zu haben. Beim Mittagessen überlegen wir kurz, ob wir bis Antigua weiterfahren sollen. Das wären zwar nur noch 24 km. Es würden uns aber weitere 400 hm erwarten und inzwischen heftiger Verkehr. Wir befinden uns im Einzugsbereich von Guatemala Stadt und Antigua. Wir verwerfen den Gedanken und beschließen, ein  Hotel zu suchen. Das ist gar nicht so einfach. Gottseidank sind wir jetzt auf Google Maps online. Welch ein Zufall. In 500 m Entfernung gibt es das Casa Damasco. Es liegt herrlich in einem ruhigen, schönen Park.  Während wir warten, bis die Zimmer gerichtet sind, schauen wir den Kolibris zu, wie sie die zahlreichen Blumen bestäuben. Nicht ohne dabei ein Cerveza zu trinken.

 

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Im Land des Quetzals

6.3. 2018 Schon wieder eine Grenze
Wir glauben unseren Augen gestern Abend nicht zu trauen: Die beiden Kanadier sind wieder aufgetaucht. Sie sind im selben Hotel. Wir treffen Sarah und Darsi beim Abendessen. Sie sind mit dem Schiff von Corozal nach Belize gekommen und waren vor Belize City auf dem nach dem Great Barrier Riff in Australien weltweit zweitgrößten in der Karibik vor Belize. Jetzt sind sie von Belize City nach Belmopan gekommen und werden morgen auf dem Hemmingbird-Highway nach Dagringa radeln, bevor es mit dem Flieger wieder in die Heimat geht. Sie hatten keine Pannen mehr!
Wir erfahren, dass Darsis Vater Deutscher ist und Alfred Hermann heißt! Welch ein Zufall. Darsi ist Ingenieur im Eisenbahnbau, Sarah ist Amerikanerin und Architektin. Möglicherweise treffen wir uns mal in Deutschland. Sein Onkel wohnt in Augsburg.
Heute fahren wir wieder ohne Frühstück los – es gibt nirgendwo eines. Es ist angenehm kühl und etwas neblig. Die Morgensonne versucht den Nebel zu vertreiben, was ihr nicht ganz gelingt. Es ist eine ganz besondere Stimmung, wenn die Sonne immer wieder die Sicht auf dichten Urwald freigibt. Es wird hügeliger, ja links und rechts tauchen die Mayan Mountains auf. Es geht stetig rauf und runter, die Fahrbahn immer wird schlechter. Es ist gefährlich, unsere Augen sind links und rechts der Straße und schnell hast du eins der vielen Schlaglöcher übersehen. Aber alles geht gut, wir verpflegen uns in San Ignacio nochmals am Straßenrand mit Früchten, dann sind wir auch schon an der Grenze. Ein junger Rennradfahrer mit einem Cannondale-Bike zeigt uns den Weg. Ich komme während der Fahrt mit ihm ins Gespräch. Er fährt internationale Rennen und hatte als Jugendlicher eine deutsche Radtrainerin mit Namen Karin Seiler. Neidisch schaut er auf mein Garmin – er würde auch gerne einen haben.

Wir verlassen Belize – das Land wird mir in Erinnerung bleiben als das Land der Schrottautos, der Schmuddeligkeit, aber auch als das Land der relaxten und freundlichen Menschen, in dem jeder männliche Bewohner ein Vorbild zu haben scheint: Bob Marley. Alle sehen ihm irgendwie ähnlich.
Die Grenzabfertigung ist problemlos. In einer halben Stunde sind alle Formalitäten erledigt. Jetzt werden wir für mindestens 14 Tage im Landes des Quetzals sein, dieses prachtvollen Vogels, der auch das Bild auf den Geldscheinen prägt.

Bienvenidos en Guatemala!

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7.3. 2018  80 km durch den botanischen Garten

Heute morgen um 5 Uhr werden wir aus unserem nicht sehr tiefen Schlaf geholt. Zuerst laute Musik, danach ein Bodenfeuerwerk mit lautem Krach direkt vor dem Hotel. Es stellt sich heraus, dass der Nachbar Geburtstag hat. Feliz Cumpleanos! So sind wir wenigstens früh beim Frühstück, das es wieder einmal im Hotel gibt. Wir verabschieden uns herzlich von den beiden Mädchen, die uns so gut bedient hatten.

Auch heute kämpft die Sonne mit aller Macht gegen den Nebel. Es ist ein mystisches Bild, wie immer wieder die Sonne durch den Nebel bricht und die Natur freigibt. Inzwischen wird es kupiert und wir fahren überwiegend auf einer Geländeschulter, links und rechts tolle Ausblicke. Hermann bringt es auf den Punkt: Es ist Fahren wie im botanischen Garten. Und dieser ist 80 km lang. Auf den letzten 20 km dann auch immer wieder tolle Lagunen, die tiefblau in der Sonne leuchten. Eigentlich ist so eine Fahrt ja vergnügungssteuerpflichtig. Gottseidank gibt es die in Guatemala nicht. Die Straße ist super, der Verkehr tendiert gegen Null und die kleinen Steigungen nehmen wir mit dem Schwung aus der Abfahrt. Erst kurz vor unserem Ziel in Flores nimmt der Verkehr zu. Das Ende der Etappe dann wieder ein Highlight: Von Santa Elena geht es auf einem Damm über den Lago de Peten  Itza´ auf die Insel Flores.

Mit uns kommt ein Wohnmobil an. Die Beifahrerin steigt aus und fragt uns nach dem üblichen woher und wohin. Wir fragen sie dasselbe. Sie sind Spanier aus Sevilla und haben ihr Haus auf Mallorca verkauft, dafür ein Campmobil gekauft und insgesamt 3 Jahre auf Weltreise. Derzeit von Ushuaia/Patagonien nach Alaska. Sie haben 2 schulpflichtige Kinder dabei.

 

Hotels gibt es genügend in Flores, es ist ja der Ausgangspunkt unter anderem für die Besichtigung der Ruinen in Tikal. Beim ersten, mondänen Hotel wollen wir erst mal den Preis checken. Dieser ist für eine Nacht umgerechnet 90€/Person. Das ist natürlich nichts für unseren Geldbeutel. Wir finden dann ein ansprechendes Hotel eine Reihe hinter denen mit Meerblick für 11€ die Nacht.

Schon für morgen früh haben wir ein Collectivo gebucht zu den Ruinen von Tikal, die ungefähr 30 km von Flores entfernt sind. Um 4.30 Uhr geht es los, um die berühmten Pyramiden im Sonnenaufgang zu erleben.

Die Etappe: Melchor de Mencos – Flores, 96 km, 670 hm, 5:30 unterwegs, max. 36 °, Hotel Green World, Flores

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8.3.2018  Tikal

Mit Ruhetag hat es eigentlich nichts zu tun. Immerhin, wir sitzen heute nicht auf dem Fahrrad. Um 4.00 Uhr klingelt der Wecker, um 4.30 Uhr ist Abfahrt mit dem Sammeltaxi zu den berühmten Pyramiden von Tikal, ca. 60 km von Flores. Eigentlich wollten wir bei Sonnenaufgang dort sein. Aber bis alle Leute eingesammelt sind, dauert es dann zu lange. Trotzdem ist die Besichtigung mit teilweiser Besteigung der Pyramiden beeindruckend. Hier lebten bis ins 9. Jahrhundert nach Christus  über 120 000 Mayas. Von der ganzen ursprünglichen Anlage sind gerade mal 20% freigelegt. Die restlichen 80% schlummern nach wie vor unter dem zugewachsenen Urwald. Es würde Jahrzehnte dauern, alles frei zu legen und auch zu viel kosten.

Im Gegensatz zu Chichen Itza in Mexiko ist hier viel weniger, bzw. kein Kommerz zu spüren und alles freigelegte sieht sehr ursprünglich aus. Pyramiden, königliche Paläste, Tempel und ehemalige Ballspieltempel schaffen ein lebendiges Bild der Maya-Kultur.

Nach über 4 Stunden Besichtigung mit einem guten Führer und Vogelkundler geht es zurück nach Flores. Der Nachmittag gilt den Vorbereitungen für die nächsten Etappen. Auch bleibt Zeit, um Kleidung zu waschen und die Räder zu warten.

Die nächsten Tage wird es ins guatemaltekische Hochland gehen. Möglicherweise besteht dort nicht die Möglichkeit, Tagesberichte abzusetzen. Wir bitten um Verständnis!

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9.3. 2018  Auf der Alternativ-Route nach Süden

Gestern Abend lernten wir noch  zwei Radtraveller Jana aus der Tschechei und Siemen aus Belgien kennen. Sie gingen an unserem Hotel vorbei und sahen die beiden Räder stehen. Da wollten sie auch die Besitzer kennenlernen. Zumal Jana auch ein Velotraum besitzt, allerdings ist das schon 17 Jahre alt. Die beiden sind vor 6 Wochen in Guadalajara im Norden Mexicos gestartet und sind auch auf dem Weg nach Panama. Sie fahren jetzt allerdings in die Richtung, aus der wir kommen – nach Belize. Es sind zwei leidenschaftliche Schnorchler und sie wollen unbedingt nach Belize an das Korallenriff. Von dort werden sie voraussichtlich mit dem Schiff nach Puerto Barrios fahren. Danach mit dem Bus Richtung Antiqua. Wir haben die Handy-Nummern ausgetauscht und wollen uns voraussichtlich in Antiqua wieder treffen. Sie wollen auch Ende April in Panama sein.

Wir haben uns entschieden, nicht auf der Hauptroute in Richtung Guatemala City zu  fahren, sondern eine kleinere Straße nahe der mexikanischen Grenze. Wenn alles klappt, können wir in 4 Tagen in Coban sein, unserem nächsten Ziel. Aber dazwischen liegen noch einige Kilometer und noch mehr Höhenmeter.

Heute morgen waren wir erst mal überrascht, als uns der Garmin auf eine Offroad-Piste schickte. Und dort verbrachten wir dann 24 km, bevor es auf guter Teerstraße mit wenig Verkehr weiterging. Wir treffen nochmals zwei Radtraveller. Das Mädchen aus Göttingen, der Junge aus England. Sie sind in Guatemala City gestartet und wollen nach Mexico City.  Sie kommen aus der Richtung, in die wir fahren wollen. Auf Radblogs wird die Strecke als übel beschrieben. Sie beruhigen uns mit einem „Alles halb so schlimm“-  Kurz vor unserem eigentlichen Etappenziel Sayaxche mussten wir dann mit einer kleinen Fähre noch über einen Fluss übersetzen. Nach einem kurzen Almuerzo beschlossen wir, nochmals bis Las Pozas weiter zu radeln. Es lief gut –sehr wenig  Verkehr, relativ gute Straße, teils Gegen- teils Rückenwind.  Die letzten 10 km ging es schnurgeradeaus, in der Kurve dann – sehr passend – das einzige Hotel mit dem Namen „La Curva“. Nach dieser Kurve geht es dann morgen für die ersten 30 km wieder wie mit dem Lineal gezogen weiter. Aber dann sind wir ja wieder frisch und hoffentlich gut erholt.

Die Etappe: Flores – Las Pozas, 99,7 km, 560 hm. 7:10 Std. unterwegs, max. 36°, Hotel La Curva

10.3. 2018 Den Bergen entgegen

Heute klappt es mit dem Frühstück vor der Abfahrt. Das ist auch gut so. Denn nach der Kurve geht es mit leichtem Gegenwind 30 km schnurgerade Richtung Süden. Und genau mit der ersten Kurve nach dieser Gerade sind wir in einer anderen Region. Die Region Peten ist ziemlich flach, jetzt sind wir in der Region Alta Verapaz und damit wird es zuerst hügelig und dann geht es ins Hochland. Wir merken es sofort, dass wir nicht nur geografisch in einem anderen Gebiet sind, sondern auch an den Menschen. Viele vorbeifahrende Autofahrer hupen  und in jeder kleineren Ansiedlung stehen vor allem die Kinder an der Straße und es tönt auch dutzendfach „Gringo“  aus den Behausungen. Wir verstehen das nicht als Schimpfwort, sondern für die Kinder scheinen wir eine Attraktion zu sein. Viele stehen auch am Straßenrand, wollen abgeklatscht werden oder ein Foto machen.

Nach etwa 55 km ist eine Abzweigung nach rechts und danach werden die Rampen etwas steiler. Zwischendurch aber immer wieder auch rasante Abfahrten. Jetzt kommt der Wind voll von hinten und hilft uns, den Schwung aus der Abfahrt für die nächste Steigung mitzunehmen. Die Sonne steht inzwischen wieder hoch und die Temperatur übersteigt in der Sonne wieder die 40° Grenze. Wir sind froh, schon um 14 Uhr unser Etappenziel Chisec erreicht zu haben und finden sogar ein Hotel mit Internet.

Das wird uns morgen voraussichtlich nicht gelingen. Es gibt jetzt keine größere Ansiedlung mehr zwischen Chisec und Coban. Dazwischen liegen zwar nur 75 km, aber über 2000 hm. Die werden wir auf 2 Tage aufteilen müssen.

Übrigens haben wir heute die ersten 1000 km überschritten. Darauf trinken wir ein Gallo (unsere Lieblings-Biermarke hier in Guatemala)

Die Etappe: Las Pozas – Chisec, 86 km. 560 hm, 6:45 unterwegs, max. 42° Hotel La Estancia, Chisec

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11.3.2018 Die Königsetappe ins guatemaltekische Hochland
Schon kurz nach 6 Uhr gibt es Frühstück im Hotel und so kommen wir zum ersten Mal pünktlich um 7 Uhr weg. Wir wissen bei der Abfahrt noch nicht, wie wir es machen wollen. Es gibt ja zwischen Chisec und Coban keine Übernachtungsmöglichkeit. Wir halten es aber für möglich, doch die ganze Strecke an einem Tag zu fahren. Auf der ersten Strecke, 38 km lang mit 860 hm geht es auch flott voran. Es sind zwar zwei Hammersteigungen mit 17% und 300 bzw. 200 hm dabei, aber unsere physische Frische und die kühlen Temperaturen am Morgen lassen uns diese Steigungen gut meistern. Die Guatemalteken haben ja ihre eigene Art, Straßen zu bauen: Immer die Diretissima den Berg hoch, auf der anderen Seite wieder steil hinunter. Das gibt viele Höhenmeter, aber du gewinnst nicht wirklich höhe. So sind wir am Ende des ersten Teils gerade mal 120 m höher.
Es ist ja heute Sonntag. Die Einheimischen sind alle in ihrer besten Kleidung, die Frauen tragen schöne Trachten, die jungen Männer schöne Hosen und taillierte Hemden. Aus den Kirchen der vielen Glaubensgemeinschaften tönt laute Musik. Aus einer Kirche hören wir ein Halleluja, gespielt von einer Band, so schön, wie ich es noch nie gehört habe. Wir nehmen kurz Platz hinten in der Kirche und werden von den Einheimischen herzlich begrüßt.
Auch das kleinste Dorf hat hier mindestens zwei Glaubensgemeinschaften. Aus allen tönt schöne Musik. So fahren wir teilweise im Rhythmus der Musik die Steigungen hoch.
Nachdem wir mit der ersten Etappe bereits um 10.30 fertig sind, gehen wir die nächste Etappe an, wohl wissend, dass uns nochmals über 1200 Höhemeter mit 36 km erwarten. Die Sonne brennt inzwischen richtig heftig und erreicht sogar 46°. Mehrere Verpflegungsstopps mit Getränkenachschub sind notwendig. Mehr und mehr muss ich die steilen Rampen schieben. Das Gepäck belastet schwer und noch ein kleinerer Gang wäre gut. Während wir im ersten Teil die steilen Rampen in Kurven hochfahren konnten und dabei die ganze Straße benutzten, war dies im zweiten Teil nicht mehr möglich, weil der Verkehr zunahm und wir auf unserer Seite rechts am Straßenrand bleiben mussten.
Es zieht sich endlos, aber nach knapp 9 Stunden sind wir in Coban. Ich hätte es nicht für möglich gehalten. Wir suchen ein Hotel und finden auch nach mehreren Rückfragen ein schönes. Gleich nach dem Check-Inn lassen wir uns die Cervezas schmecken, von denen wir schon die letzten 15 km geträumt haben. Hermann und ich sind stolz, diese Strecke an einem Tag geschafft zu haben. Nachdem wir einen Tag gespart haben, gibt es zur Belohnung morgen einen Ruhetag.
(Bilder zur Etappe folgen morgen) Verschoben wegen zu schlechtem Internet
Chisec – Coban, 72 km, 2142 hm, 9 Stunden unterwegs, max. 46°, Hotel Posada del San Antonio, Coban

12.3.2018 Ruhetag in Coban

Eigentlich war sowieso geplant, hier einen Ruhetag einzulegen. Nach der Riesenetappe von gestern hätten wir sogar zwei Tage verdient. Wir sind uns aber noch unschlüssig, ob es zwei werden sollen.

Ich habe hier geplant, Padre Godoy aufzusuchen, der in Coban eine Schule gegründet hat, um armen Indio-Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen.  Gerne würde ich in Zukunft seine Arbeit finanziell unterstützen. Für 60 € kann man einem Kind ein Jahr lang Schulbildung ermöglichen. Die staatlichen Schulen sind praktisch nicht existent, und auf eine gute private Schule kann nur die Oberschicht ihre Kinder schicken. Viele Kinder scheinen nur das Wort „Gringo“ zu kennen. Aus jeder Behausung, an der wir gestern vorbeikamen, schallte uns dieses Wort entgegen. Selbst Kleinkinder kennen es.

Coban liegt eigentlich in einer der reichsten Regionen Guatemalas. Der  deutsche Geograph Karl Sapper hat es hier im 19. Jahrhundert mit vielen anderen deutschen Auswanderern geschafft, eine ertragreiche Landwirtschaft aufzubauen. So gibt es jetzt rund um Coban viele Kaffeeplantagen, Kardamonfelder und Zuckerrohr.

Gestern Abend wurden wir zufällig Zeuge einer religiösen Prozession. Dabei trugen 39 Männer und 1 Frau ein Bildnis zum gekreuzigten Jesus durch die Gassen Cobans, begleitet von viel Weihrauch und Blasmusik. Wurde hier vielleicht schon die Karwoche begonnen?

Anschließend werde ich die Planung für die nächsten Etappen bis Antigua machen. Wir werden dafür 4-5 Tage einplanen müssen.

13.3. 2018 Von geheimnisvollen Mächten wunderbar getragen …..

Unser 4-Sterne Hotel in Coban ist eine mittlere Katastrophe. Sieht von außen super aus, innen passt aber gar nichts.  Ich höre einen Amerikaner sagen: Für die ist selbst ein Stern noch Zuviel.

Gestern am späten Nachmittag mache ich mich noch auf, um Padre Godoy in der Communidad La Esperanza aufzusuchen. War gar nicht so einfach, obwohl nur 5 km vom Hotel entfernt. Nachdem mich der Sicherheitsposten vorne an der Pforte tatsächlich nach vielen Rückfragen zu ihm vorlässt, kann ich diesen Menschen mit besonderer Aura treffen. Er kennt mich ja nicht und weiß nicht den Grund meines Besuches. Nachdem ich ihm meine Geschichte erzählt habe, wird er zugänglicher und wir sprechen in seinem Büro über die Communidad und ihre Geschichte. Er selbst spricht dasselbe „Spanglisch“ – eine Mischung aus Spanisch und Englisch, wie ich. Wir verstehen uns. Als ich ihn auf eine Patenschaft für ein Kind anspreche, sagt er gerne, aber die zuständige Person sei erst Morgen da. Da wollten wir eigentlich weiterfahren. Nachdem wir 8 Uhr verabredet haben, verabschiede ich mich. Ich habe ihn mit dem Rad besucht und muss mich auf die Socken machen. Es wird schon dunkel und beginnt zu regnen. Ziemlich nass gelange ich in das Zentrum von Coban, habe mich aber total verfahren, da ich einige Einbahnstraßen gegen mich hatte. Ich frage den nächsten, der mir begegnet, ob er mir helfen könne. Kein Problem – er läuft in strömenden Regen ca. 1,5  km neben mir her und ich erzähle ich ihm meine Geschichte. Wir verabschieden uns herzlich am Hotel nicht ohne die Handy-Nummern auszutauschen.

Ich erzähle Hermann die Geschichte und frage im Hotel, ob wir einen Tag länger bleiben können. Können wir nicht – alles belegt. Stimmt uns aber nicht weiter traurig. Hermann und ich sind uns einig – wir besuchen morgen erst die Schule und radeln dann los.

Nachts hören wir, wie der Regen gegen das Dach prasselt prasselt. Ganz ungewöhnlich. Am Morgen ist es zwar noch bewölkt, aber angenehm warm. Wir fahren nach dem Frühstück durch die Slums von Coban zu der Communidad. Padre Godoy  ist nicht da. Die Vizechefin erklärt uns, dass er einen Notfall habe und vielleicht später oder gar nicht komme. Sie spricht selbst kein Englisch, holt aber aus einer Mittelschulklasse einen Schüler namens Jorge. Er spricht ein sehr gutes Englisch. Senorita Maria führt uns durch die Einrichtung und wir werden von den kleinen Kindern genauso herzlich begrüßt wie von den älteren.

Die älteren Schüler erzählen uns, warum sie in dieser Einrichtung sind und wie gut sie betreut werden. Ein Schüler erzählt es auf Spanisch, der andere übersetzt auf Englisch. Ich erzähle ihnen meine und unsere Geschichte und ihre Gesichter werden immer ungläubiger. Es wird ein herzlicher Abschied. Nicht ohne dass noch einige Schüler mal auf mein schönes Rad sitzen wollen.

Ich verspreche Maria, ihnen in Zukunft zu helfen, wo es möglich ist. Der Schüler Jorge hat eine große Zukunft vor sich – da sind wir überzeugt. Wie souverän und empathisch er den Übersetzer gemacht hat – das war für einen vielleicht 15jährigen grandios.

Hermann und ich setzen unsere Tour fort. Die Einrichtung lag fast an unserer geplanten Strecke. Nachdem anfangs noch viel Verkehr herrscht, wird dieser allmählich weniger. Dafür wird die Umgebung immer beeindruckender. Wir steigen, ohne es groß zu spüren, auf 1750 Meter hoch. Die Temperaturen sind angenehm. Schon um zwei Uhr sind wir an unserem Etappenziel in Purulha. Wir erkundigen uns, ob es die nächsten zwanzig Kilometer noch Ortschaften oder Hotel gäbe. Ja, in ca. 15 km. Das passt uns gut, wir sind noch voll motiviert. Als das erste Hotel links der Straße auftaucht, frage ich einfach mal nach, ob es Zimmer gäbe. Der Mann sieht gleich, dass er einen Deutschen vor sich hat und antwortet auf Deutsch. Er stellt sich als Eduardo vor. Er hat nicht nur Zimmer, er bietet uns eine kleine Hütte an inmitten eines botanischen Gartens. Es ist unglaublich – wir scheinen im Garten Eden gelandet zu sein. In der Nähe sind viele Naturlandschaften und der Quetzal – Biosphärenpark. Anscheinend ist dieser besondere Vogel in  Guatemala am ehesten hier anzutreffen. Er war ja fast ausgestorben und fast zu spät wieder angesiedelt worden. Heute ist er nur noch an besonderen Plätzen in Costa Rica anzutreffen.

Wir werden voraussichtlich morgen hier einen Ruhetag einlegen, um eine Tour in den Naturpark per Pferd zu unternehmen.  Welch ein Tag! Von geheimnisvollen Mächten wunderbar getragen?

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Welcome to Belize

3.3. 2018

Ganz ungewohnt wird es gar nicht richtig hell heute. Als wir aus dem Fenster schauen, sehen wir Nebel. Aber schon nach einem schnellen Stehcafe hat er sich kurz nach dem Start verzogen und die Sonne brennt schon am Morgen wie auch die letzten Tage. Schon nach eineinhalb Stunden sind wir an der mexikanisch/belizischen Grenze. Die Grenzabfertigung ist problemlos und bald spüren wir, in einem anderen Land zu sein. Die Schilder sind auf Englisch, die Straßen schlechter und die Häuser verkommener. Wir sind im ehemaligen British Honduras. Von der Fläche her kaum größer als Hessen hat dieses Land gerade mal 500 000 Einwohner. Wir wechseln das Geld in Belize-Dollars, worauf  das Bild von der englischen Königin zu sehen ist. Die Leute scheinen nach der keep-cool Mentalität zu leben und sind wahrscheinlich nicht aus der Ruhe zu bringen. Ein Gtrund, warum viele Traveller Belize meiden, ist der, dass es im Verhältnis zu anderen zentralamerikanischen Länder relativ teuer ist.

Vom ersten Hotel rät uns eine Amerikanerin ab, da es nachts scheinbar ziemlich laut zugeht. Sie schickt uns in eine nobleres. Die 120 US-Dollar

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für eine Nacht sind uns dann doch zu teuer. So finden wir ein kleines, unseren Ansprüchen voll genügendes kleines Hotel direkt am Meer für ein Drittel des Preises.

Nach einem kurzen Bad im Meer trinken wir in relaxter Atmosphäre zwei Geburtstagsbiere – Hermann hat heute Geburtstag.

4.3.2018 Vom Highway in den Naturpark

Heute kommen wir endlich mal früh weg. Ein paar Fotos vom Sonnenaufgang über dem Meer und dann geht`s ohne Frühstück in die Pedale.  Leider folgen wir nicht dem Garmin-Track auf meinem Computer, sondern der Wegbeschreibung unserer Hotel-Gastgeberin. So sind wir plötzlich auf einer Erdpiste inmitten von riesigen Zuckerrohrplantagen. Es wäre eigentlich nicht weiter schlimm –  der Weg ist sogar ein wenig kürzer – wenn uns nicht der Untergrund trotzdem hindert, ein höheres Tempo zu fahren. Nach einer dreiviertel Stunde sind wir wieder auf der asphaltierten Straße. Ziemlich genau in der Mitte der geplanten Etappe, etwa bei 45 km,  nehmen wir heute gleichzeitig das Frühstück und Mittagessen zu uns. Der Verkehr ist mäßig, der Straßenbelag rauh, der Wind schläft heute und die Sonne brennt immer mehr. Endlos lange gerade Strecke, keine Ansiedlungen mehr, Sumpflandschaft wechselt sich ab mit landwirtschaftliche genutzten Flächen. Hier in diesem Gebiet haben sich vor allem die Mennoniten angesiedelt und betreiben Landwirtschaft. Sie sind uns schon in den Städten aufgefallen mit ihrer Kleidung und ihrem Aussehen. Bisher kannte ich sie eigentlich nur aus Pennsylvania.

Viele überfahrene Tiere liegen am Straßenrand. Sogar ein totes Pferd – eine sichere Beute für die vielen Aasgeier, die sich auch durch unser Vorbeifahren nicht an diesem üppigen Mal stören lassen.

Nach 85 km verlassen wir den Highway und biegen auf eine staubige Schotterstraße ab, die zum Naturpark Crooked Tree führt. Es ist die einzige Möglichkeit für uns, dort zu übernachten. Sonst müssten wir in der Mittagshitze nochmals 40 km bis Belize City weiterradeln. Doch wir finden in dem abgelegenen kleinen Ort schnell eine einfache Unterkunft direkt am See. Kein Auto stört hier die Ruhe, kein Hund bellt. Man hört und sieht nur viele Vögel in allen Farben. Der Ort scheint auch ein Geheimtipp für Vogelbeobachter zu sein.

Die Etappe: Corozal – Crooked Tree, 90 km, 240 hm, 5:10 unterwegs, max. 37 ° Unterkunft:

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Jacana-Inn,

5.3. 2018   Auf den Highways von Belize

Der Ort Crooked Tree dürfte nicht nur für Vogelbeobachter interessant sein, sondern auch für Freunde von Kleinlebewesen. Am frühen Morgen entdeckt Hermann zuerst eine Kakerlake und gleich darauf einen Skorpion.  Gut, dass wir das nicht am Vorabend gesehen hatten, sonst hätten wir nicht so gut geschlafen…

Wir benötigen eine halbe Stunde bis wir den Ausgang aus dem Dorf gefunden haben. Dann geht es in der Morgensonne  auf der Piste zurück auf den Highway. Nach etwa 20 km gibt es das Frühstück am Straßenrand bei einem Bob Marley-Fan, der von jedem Motorradfahrer und Radfahrer, der bei seinem Kiosk Halt gemacht hat, ein Bild an der Wand hängen hat. Jetzt hat er auch eines von uns. Es geht weiter auf dem rauhen Highway, der Verkehr nimmt zu und der Gegenwind auch. Wir lassen Belize City links liegen und nehmen die Umgehung nach Belmopan. Von dort, wo die Straßen zusammenführen sind es immer noch 50 km bis zum Ziel in Belmopan. Aber wir haben zuerst leichten, dann starken Rückenwind und legen die letzten 30 km in etwas mehr als einer Stunde zurück. Erstmals  ist die Straße nicht mehr komplett eben, sondern leicht hügelig. Aber wir können diese Gegensteigungen mit dem Schwung und dem Rückenwind leicht nehmen. So sind wir doch noch vor 14 Uhr am Etappenziel.

Die Etappe: Crooked Tree – Belmopan, 116 km, 260 hm, 5.20 unterwegs, max. Temp. 42° Hotel : Yim Saan, Belmopan

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Mexiko

 

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ein paar Tage mit viel „tranquillo“ in einer Stadt an der Karibik, in der nur Taxifahrer das Wort Eile oder rapido kennen – sind hinter mir. Habe heute meine Begleiter auf der Kaffeefahrt – Michael und Herbert auf dem Flughafen verabschiedet. Am Freitag starte ich selbst nach Cancun/Mexiko und treffe dort meinen neuen Begleiter Hermann. Wir kennen uns gut, er ist mein Nachbar in Vogt.

Noch weiß ich nicht, ob wir so regelmäßig von unserer Reise berichten können, wie im ersten Teil. Es sind auch einige Campübernachtungen geplant. Da wird es mit dem Internet schwierig sein. Trotzdem werde ich versuchen, euch auch hier an der Reise teilhaben zu lassen.

Als Appetithappen lasse ich euch ein paar Bilder von Cartagena und den Islas del Rosario zukommen. Ich werde mich voraussichtlich am Samstag aus Cancun melden, wenn alles wie geplant läuft.

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23.2.  und  24.2.2018

Das Gute vorneweg – Hermann und ich haben uns getroffen wie geplant. Es war eine herzliche Begrüßung – nach schmerzlicher Reise beiderseits. Beide dachten wir an diesem Tag, das würde nie klappen.

Bei Hermann ging es los mit Problemen beim Radtransport im ICE und mit der Immigration in Houston/Texas. So war es nicht verwunderlich, dass er zwar ankam, nicht aber sein Fahrrad. Das sollte heute nachkommen.

Bei mir fing es damit an, das das bestellte größere Taxi nicht kam. So mussten wir den Karton in das kleinste Taxi von Cartagena  quetschen.Der hing zur Hälfte hinten raus. Auf der Fahrt zum Flughafen (8 km) musste ich ihn festhalten, dass wir ihn bei der Fahrt nicht verlieren würden.

Beim Check-Inn am Flughafen hatte ich Pech – die Seniorita  war sichtlich schlecht gelaunt. Die Miene verdüsterte sich noch mehr, als sie feststellte, dass mein Ticket auf Alfred Maehr ausgestellt war und in meinem Pass Alfred Mähr stand. Ich versuchte ihr zu erklären, dass bei Computerbuchungen von fluege. de keine ä sondern nur ae möglich ist. Für sie war das nicht das gleiche. Sie ließ ihren Chef kommen. Der sagte mehr oder weniger, sie solle sich nicht so anstellen, was sie noch sturer machte. So musste das Ticket umgeschrieben werden, was etwa anderthalb Stunden stehen am Check-Inn bedeutete. Letztendlich hatte sie Recht und ich mein Ticket. Am Gate wurde ich nochmals ausgerufen, wahrscheinlich hatten sie jetzt zwei Passiere – Maehr und Mähr. Aber zum Schluss war ich dann doch „on tiempo“ am Ziel. Allerdings am Terminal 1 und Hermann sollte am Terminal 3 ankommen, etwa 3 km entfernt. Also nochmals ein Taxi – aber letztendlich klappte es ja doch.

Wir bauten diesen Endorphinüberschuss, der sich über den ganzen Tag  aufgebaut hatte, bei 2 sehr guten Indio-Cervezas, einem Tequila und  Quichamole ab.

Heute, nach einem ausgiebigen, sehr guten Frühstück bauten wir erst mein Rad zusammen, was problemlos war und warteten dann auf das Eintreffen von Hermanns Rad. Tatsächlich stand das Taxi mit dem Rad schon um 11.30 Uhr vor der Tür. Allerdings hatte der Radkarton unübersehbare Transportschäden und war aufgerissen. So war es nicht verwunderlich, dass einige Teile fehlten. Unter anderem der Schnellspanner.

Wieder einmal kamen wir in den Genuss großer Hilfsbereitschaft. Ein Mexikaner, bei dem wir für morgen eine Reise nach Chichen Itza gebucht haben, fuhr mit uns zu einem Radgeschäft und wir kauften einen neuen Shimano-Schnellspanner. Jetzt konnte auch Hermann sein Fahrrad ganz zusammenbauen und wir können  heute noch eine kleine Runde am Meer fahren, um unsere Räder zu testen und die Knochen wieder ans Radfahren gewöhnen.

Morgen sind wir 8 Stunden unterwegs mit einem Bus zu den berühmten Pyramiden von Chichen Itza. Erst wollten wir sie mit dem Rad besuchen, da sie aber nicht auf der vorgeplanten Route liegen, machen wir es mit einer Reisegesellschaft für einen guten Preis. Damit gewinnen wir trotzdem einen Tag. Am Montag geht es dann mit dem Rad am Meer entlang nach Tulum.

Heute mal ohne Bilder, die gibt’s ab morgen wieder.

25.2.2018

Der Reisetag mit langer Busfahrt ist nicht minder strapaziös. Schon früh um sieben werden wir im Hotel abgeholt und dann geht es nach einem Frühstück Richtung Valladolid. Nach einer kurzen Begrüßung im Maya-Land durch einen Schamanen mit Segnung es weiter zu einer Tequila-Verköstigung und anschließend zu einem erfrischenden Bad in einer Cenote. Das ist eine Tropfsteinhöhle mit unterirdischem kleinen See. Nach einer weiteren Stunde Busfahrt erreichen wir dann die Pyramiden von Chichen Itza. Bei der Führung erfahren wir, wie die Mayas ihre Zeitrechnung mit Sonne und Mond errechneten und welche Bedeutung dabei die Pyramiden hatten.  Jedes Jahr am 21.März, wenn die 7-stufige Schlange auf der Wand der Pyramide sichtbar wird, wohnen ca.       25 000 Mexikaner diesem Schauspiel bei.

Danach geht es nach einem kurzen Abstecher zur spanischen Kolonialstadt Valladolid wieder zurück nach Cancun. Ziemlich müde sind wir erst gegen 22 Uhr wieder zurück im Hotel.

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Auf jeden Fall freuen wir uns, wenn wir morgen wieder auf dem Rad sitzen und uns den Tag selbst gestalten können.

26.8.2018 An der Riviera Maya
Endlich wieder auf dem Rad! Aber bevor wir starten können, gibt es noch einige kleinere Reparaturen zu erledigen. So können wir nicht wie geplant schon um 8 Uhr starten, sondern es wird eine Stunde später, bis wir uns in das Verkehrsgetümmel von Cancun stürzen können. Auf den ersten 10 km auf 6spuriger Schnellstraße in dichtem Verkehr. Da ist es gut, dass ich die letzten 5 Wochen mit den Asphaltcowboys Michael und Herbert viel Praxis sammeln konnte. Nach dem Motto: Jede Lücke ausnützen, schlängeln wir uns durch die Autos, die allerdings auch sehr rücksichtsvoll mit uns umgehen. Die Temperatur ist bei angenehmen 25°, vor uns aber dunkle Gewitterwolken. Und so erwischt es uns dann auch nach 20 km. Es beginnt heftig zu regnen. Wir suchen am Wegesrand einen kurzen Unterschlupf. Klatschnass starten wir nach einer knappen Viertelstunde Unterbrechung wieder. Schon nach ca. 10 km hat uns der warme Fahrtwind wieder getrocknet. Nach weiteren 10 km sind wir wieder nass – diesmal allerdings vom Schweiß. Es geht ohne Steigung immer geradeaus auf einem angenehm breiten Seitenstreifen, vorbei an vielen Luxusresorts links und rechts der Straße. Hier dieser Teil soll der am schnellsten wachsende Touristenmagnet werden. Es rollt sich mit leichtem Rückenwind angenehm – störend ist nur der Verkehrslärm. Schon kurz nach 12 Uhr sind wir am Etappenziel in Playa del Carmen, trotz einem kurzen Reparaturstop an einem Shimano-Bikeladen, wo Hermann sein Schutzblech richtig befestigen konnte.
Nach kurzer Suche fanden wir ein ansprechendes kleines Hotel für 17€ pro Person. Die Leute – meistens Amerikaner zahlen hier für ihre Luxusunterkünfte wahrscheinlich das zehnfache. Vom Hotel waren es nur 5 Minuten Fußmarsch – und wir waren am Karibikstrand. Dort genossen wir noch den Nachmittag.

27.2. und 28.2. 2018 Auf der Mex 307

Dasselbe wie gestern: Die ersten 10 km dichter Verkehr, danch erträglich. Sehr breiter Seitenstreifen. Gut zu fahren, eigentlich stört nur der permanente Verkehrslärm. Ist aber nicht mehr so stark wie am Vortag. Sind schon bald in Tulum. Erkundigen uns zuerst über die Öffnungszeiten der Ruinen. Es tummeln sich aber so viele Leute am Eingang, dass wir beschließen, diese erst morgen zu besuchen. Jetzt gilt unsere Suche einem Hotel. Ist keines zu finden. Wir entscheiden uns für einen herrlich gelegenen Zeltplatz, nur eine Gehminute vom Strand und im Schatten von Palmen. Wir können da nicht widerstehen. Bei ein, zwei ,drei Cervezas lassen wir den Tag ausklingen und hoffen, die nötige „Isomatten-Schwere“ erreicht zu haben. Das stellt sich aber schnell als großer Irrtum heraus. Nicht weil wir zu wenig Bier getrunken haben . nein, weil bis 2 Uhr nachts laute Karibik-Musik mit dumpfem Bass uns nicht schlafen lässt. Anscheinend sind hier alle vollgetröhnt von Marihuana. Es gibt eine Nacht mit wenig bis gar keinen Schlaf. Schon ab 6.30 Uhr brechen wir unsere Zelte ab. Wollen eigentlich noch die Ruinen besuchen, was aber anlässlich der bevorstehenden 100 km Tour bei hohen Temperaturen eigentlich nicht sinnvoll ist. Daher verzichten wir darauf, verlieren aber beim Frühstück trotzdem 1,5 Stunden, weil nichts vorwarts geht. Aber die Mexikaner haben eben kein deutsches Arbeitstempo. Auch verständlich …

Als wir endlich loskommen, läuft es wie geschmiert, schon nach guten 2 Stunden haben über 50 km geschafft. Der Verkehr tendiert gegen Null. Der Seitenstreifen ist teilweise 2m breit. Blumen blühen am Straßenrand. Richtig schönes Radfahren. Wir wollen gerade nach einer kurzen Rast weiter, als ein kanadisches Pärchen, auch auf Reiserädern in die gleiche Richtung unterwegs, die Räder zu uns herschiebt. Das Rad des Mädchens hat Plattfuß, sie hat bereits 4 Schläuche verschlissen und keinen neuen mehr dabei. Auch die Flicken haben sie alle schon verbraucht. Wir versuchen mit unseren Ersatzteilen zu helfen, auch mit Dichtmilch. Nichts hilft. Nach über 1,5 Stunden in der glühenden Mittagssonne nimmt sie ein zufällig vorbeikommender Bus mit bis zum Etappenziel.

Wir verlieren dadurch viel Zeit und müssen in der glühenden Hitze – bis 37° – die zweite Hälfte der Strecke absolvieren. Auf der letzten Rille komme ich ziemlich dehydriert an, Hermann scheint es noch besser zu gehen.

Aber ein tolles Hotel mit Swimming-Pool und 1,5 liter Cerveza-Flaschen lassen die Strapazen schnell vergessen.

1.3. 2018 Ein langer Tag in Quintana-Roo

Wieder mal wollten wir früh wegkommen, und wieder einmal klappte es nicht.  Zwar waren um 8 Uhr die Räder gepackt, das Frühstück hielt uns aber wieder einmal eine Stunde auf. Die Mexikaner kennen einfach keine Eile. Trotz alledem lief es wieder prima, trotz leichtem Gegenwind und Temperaturen weit über 30°. Die Etappe sollte 90 km lang sein. Etwa bei der Hälfte gab es am Straßenrand ein kleines Restaurant. Und wer war bereits hier? Unser kanadisches Paar von gestern. Sie hatten tatsächlich in Felipe Camillo Puerto einen neuen Schlauch bekommen. Sie waren aber bereits wieder am Flicken. Diesmal hatte es ihn getroffen. Ein australischer Motorradfahrer gesellte sich dazu und es wurden viele Erlebnisse ausgetauscht. Der Junge startete in Costa Rica und sein Ziel ist irgendwo in Mexico.

Erstmals blies der Wind heute von vorne. Trotzdem hatten wir schnell die 90 km geschafft. Mitten auf der Schnellstraße sagte dann mein Garmin „Ziel erreicht“. Eingegeben hatte ich Laguna de Bacalar. Weit und breit war aber keine Lagune. Wir fragten einen Einheimischen , der zufällig vorbeikam. Er sagte, das sind noch 30 km. Wir kehrten um und fuhren zurück zur letzten Ansiedlung. Das war die Laguna de siete Colores. Hier trafen wir wieder unsere kanadischen Freunde.  Sie wollten eine kurze Erfrischung in der tollen Lagune nehmen und dann weiterfahren nach Laguna de  Bacalar. Und so machten wir es dann auch. Ein nicht so sehr erfrischendes Bad bei 26° Wassertemperatur und es ging zurück auf die Schnellstraße für weitere 30 km  Richtung Bacalar. So wurde es doch relativ spät, obwohl es weiter zügig voranging. In Bacalar dauerte es aber über eine Stunde, bis wir ein passendes Hotel fanden. Kurz vor Dunkelheit, nach 136 km Fahrt, waren wir dann froh, eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden zu haben.

Morgen werden wir nach 350 km Fahrt in 4 Tagen einen Ruhetag einlegen. Ich hoffe, dass ich dann ein Internet finden werde, um euch auch wieder Bilder zukommen lassen zu können.

Wir werden dann am Samstag gegen Mittag die Grenze zu Belize überqueren.

Hasta Luego

2.3. 2018 Adios Mexiko

ersten und einzigen Ruhetag in Mexico möchte ich noch ein paar Gedanken loswerden. Für mich ist Mexiko das Land der Hängematten, der Gastfreundlichkeit, der keinen Stress kennenden Menschen. In den Großstädten ist die Nähe zu den USA spürbar. Die meisten Menschen sprechen auch Englisch. Auf dem Land und in kleineren Städten scheint aber die Zeit seit meinem letzten Besuch vor ca. 30 Jahren stehengeblieben zu sein. Hauptverkehrsmittel ist das Fahrrad mit einem Gepäckträger auf dem Vorderrad. Hier wird manchmal auch die Frau und die ganze Familie transportiert. Die meisten Autos nehmen es vom Alter her mit mir auf. Unser TÜV würde sie keines Blickes würdigen. Die Autofahrer waren uns gegenüber sehr rücksichtsvoll. Oft fuhren sie auch vorbei, kurbelten die Scheibe runter und hielten den Daumen hoch.

Der Verkehr war nur in den Städten etwas lästig, überwiegend war er aber gar nicht vorhanden. Die ganze Halbinsel Yucatan ist flach, man sieht praktisch nicht über die vorderste Bewachsung hinaus. Höchstens auf einem Turm oder einer Pyramide. Die meisten Etappenziele lagen an der Karibik mit ihren traumhaften Stränden. Zwischendrin immer wieder Cenoten. Das sind die Tropfsteinhöhlen mit ihren unterirdischen Seen. Heute an unserem Ruhetag sind wir an der Laguna de Bacalar, Urlaubsziel auch vieler Europäer. Das ist ein 42 km langer und 2 km breiter See, der unterirdisch gespeist wird von7 Cenoten. Er heißt daher auch Laguna de siete Colores, weil er von den verschieden tiefen Cenoten gespeist wird.  Ein überwältigender Anblick. Wir haben heute noch bei einer Bootsfahrt zu verschiedenen Cenoten nochmals das glasklare, aber badewannenwarme Wasser genossen.

P1010851
Mexiko – Hängematten-Land

 

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Cartagena

18.2.2018 Cartagena
Endlich mal ausschlafen, nachdem die letzten Tage meistens schon um 5 Uhr der Handy-Wecker klingelte. Trotzdem waren wir schon um 10 Uhr mit dem Taxi unterwegs zum Centro Historico, um das Büro von Torsten zu suchen. Denn der hatte uns ja versprochen, wir könnten dort die Radkartons für den Heim- bzw. Weiterflug abholen. Aber auch der Taxifahrer fand die Straße nicht. Wir fanden später die Straße, aber nicht das Büro. Wir werden morgen die Suche fortsetzen. Bei einem Rundgang auf der Stadtmauer bekamen wir einen Überblick über die koloniale Altstadt, wo die Spanier seinerzeit sich gegen die Piraten von Francis Drake wehren mussten.
Das Centro Historico beeindruckt durch die vielen kolonialen Bauten mit den vielen Holzbalkonen in verschiedenen Farben und den tollen Innenhöfen – heute befinden sich hier meistens tolle Restaurants oder Hotels.
Unterwegs lernen wir die Geschwister Alfredo und Nancy kennen. Sie wohnt in Barranqullo in Kolumbien, ihr Bruder ist Venezolano und versucht als Englischlehrer in Kolumbien eine Arbeit bzw. die Staatsbürgerschaft zu bekommen. Es fällt auch hier auf, dass sehr viele Venezolaner flüchten und sich erhoffen, in Kolumbien eine neue Existenz aufbauen zu können.
Am Nachmittag testete ich erstmals den Karibikstrand. Die Lufttemperaturen waren durch die frische Brise vom Meer her angenehm, die Wassertemperatur mit 26° noch angenehmer.
An dieser Stelle möchten wir erwähnen, dass wir uns über die vielen positiven Kommentare auf meinem Blog sehr freuen. Es ist und war für uns immer Bestätigung, Ansporn und Freude und die Gewissheit, ca. 12 000 km von der Heimat entfernt, doch nicht allein zu sein. Muchas gracias!
Für mich beginnt schon morgen die Planung für das nächste Abenteuer

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Macondo

14.2.2018  Vom Chicamocha-Canyon zum Rio Magdalena

Nestor hat uns genau an der richtigen Stelle abgeladen. Das Hotel sieht von außen super aus, innen ist es aber very, very Basic. Nachts ein einziges Brummen von den vorbeifahrenden Trucks. Dafür können wir morgens fast ohne eine Pedalumdrehung an die Abfahrt in den Chicamocha-Canyon gehen. Anfangs ist es noch ziemlich wolkenverhangen, doch die Sonne gewinnt mehr und mehr die Überhand. Dieser Canyon ist gigantisch. Selbst der Grand Canyon stellt sich nicht so wild dar wie diese Schlucht. Über 1700 hm geht es in die Tiefe. Wir halten an vielen Stellen immer wieder an, um die überwältigende Aussicht zu genießen. Hier sind wir mit unseren Rädern im Vorteil gegen die Trucks, die permanent auf der Bremse sind. Nach der Überquerung ganz unten über den Rio Chicamocha geht es wieder 700 hm bergauf. Die Steigung ist moderat, der verkehr lästig und gefährlich. Immer wieder müssen wir aufs Bankett, wenn uns ein Truck oder Bus den Weg abschneidet.  Es läuft trotzdem gut und nach 2 Stunden sind wir auf der anderen Seite oben. Jetzt geht es Richtung Bucamaranga, eine der größeren Städte mit 300 000 Einwohnern. Der Verkehr wird wieder dichter und wir sind für 15 km auf einer 4spurgien Schnellstraße. Wie eine Erlösung kommt es uns vor, als wir das Schild „Terminal de Transportes „ sehen.  Habe heute wieder mein „James“-Shirt an. Immer wieder fahren Motorräder bis auf meine Höhe und sagen „Vamos James“ oder fangen ein Gespräch an: Woher, wohin? Wir wissen es inzwischen schon: Nach dem „Alemana“ hellt sich ihr Gesicht auf.

Wir finden den Busterminal dann problemlos und können sofort die Räder in den Bus nach Barancabermejo verladen. Das war eine Punktlandung. Nach 126 km Busfahrt treffen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit in der Stadt am Rio Magdalena ein. Sofort erkundigen wir uns nach der Abfahrt einer Chalupe auf dem Rio Magdalena nach El Banco. Wir müssen morgen früh um 5.30 Uhr an der Ablegestelle sein, um sicher einen Platz zu bekommen.

Es ist sogar abends noch  schwülheiß und wir sind froh, ein Hotel mit Klimaanlage gefunden zu haben.

 

Die Daten mit dem Fahrrad: 72 km, 1080 hm, 6:10 unterwegs, 36° Temp. Max.

Voraussichtlich in zwei Tagen werden wir in Mompox sein. Das ist das fiktive Dorf MACONDO, das Gabriel Marquez in seinem Buch „Hundert Jahre Einsamkeit“ beschreibt

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15.2.2018  Die Fahrt auf dem Rio Magdalena

Im Hotel bekamen wir schon um 5 Uhr Frühstück, da wir ja um 5.30 Uhr bei der Schiffsanlegestelle sein sollten. Waren wir auch. Leider umsonst. Wir bekamen erst um 8.45 Uhr einen Platz für und unsere Räder auf der Chalupe. Das ist ein ziemlich altertümliches Boot mit 15 Sitzplätzen und Stauraum auf dem Dach. Dort wurden unsere Räder und unser Gepäck festgezurrt. Vor der Abfahrt konnten wir uns nicht vorstellen, dass dieser Kahn 6 Stunden später im 270 km entfernten El Banco sein sollte. Aber als der „Capitano“ einen Kavalierstart hinlegte, waren wir äußerst beeindruckt. Schnell war er bei fast 70 km/h. Und so bretterte er stundenlang über den Rio Magdalena. Da das Boot keine Scheiben hatte, kühlte der Fahrtwind angenehm. Manchmal gab es auch eine lauwarme Dusche, wenn das Boot quer zu einer Welle fuhr. Mindestens 12 Stationen fuhr er an, dabei Leute aus- und einsteigen zu lassen.  Oft war es eine Slalomfahrt, Treibholz und Sandbänken ausweichend. Kurz hinter Barrancabermejo führte eine ganz neue Brücke über den Magdalena-Fluss. Das war aber die einzige Brücke für die nächsten 260 km. Wir sahen keine mehr. Offenbar gibt es nur die Möglichkeit, mit Booten oder kleinen Fähren über den Rio zu kommen.

Die Stimmung auf dem Boot war prima. Auch hier nur freundliche Leute. Mehrere Selfies mussten zur Erinnerung an die „Alemanes“ herhalten.

Nach tatsächlich knapp über 6 Stunden Fahrt legten wir in El Banco, der Endstation, an. In 50 m Entfernung war dann auch schon ein passenden Hotel mit Klimaanlage gefunden. Auf dem Thermometer waren 42° abzulesen.

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16.2.2018 Die Fahrt neben dem Rio Magdalena

Früh wollten wir heute wegfahren wegen der drohenden Hitze. So stand ich kurz nach 6 Uhr schon auf der Dachterrasse des Hotels, um den Sonnenaufgang über dem Rio Magdalena zu fotografieren. Und tatsächlich saßen wir um 8 Uhr nacheinem kurzen Frühstück am Wegesrand auf unseren Rädern. Es war im ersten Teil ein reines Genussradeln – tolle Straße und kaum Verkehr. Und die Sonne stand auch noch nicht sehr hoch. Nach ca. 35 km kam wie angekündigt der Offroad-Abschnitt, diesmal gepaart mit tiefem Sand. Gut für meine breiten Reifen. Nach einer kurzen Pause am Wegesrand ging es flott weiter. Die Straße blieb für die nächsten 15 km schlaglöcherig. Allmählich brannte die Sonne im Genick. Die Temperaturanzeige stieg auf 48°. Ziemlich froh nahmen wir das Schild „Santa Cruz de Mompos“ zur Kenntnis. Ziemlich schnell hatten wir auch das empfohlene Hotel „La Casona“ gefunden und noch schneller waren wir im erfrischenden Swimmingpool des schönen Hotels.
Da am 21.2. der Rückflug für Michael und Herbert gebucht ist, werden wir jetzt eine Busverbindung Richtung Cartagena finden müssen. Wir sind noch ca. 300 km von unserem Ziel entfernt.

17.2.2018 Eine lange Busfahrt nach Cartagena

Am Vorabend noch konnten wir in Erfahrung bringen, dass es heute nur die eine Möglichkeit um 6 Uhr gibt um mit dem Bus nach Cartagena zu kommen. Und so war schon um 5 Uhr ein kleines Frühstück angesagt. Die Räderverladung in den Bauch des Busses klappte gut und pünktlich um 6 Uhr dann der Start Richtung Cartagena. 7 Stunden sollte die Busfahrt gehen. Wir waren gezwungen, schon in Mompox einzusteigen, da es später keine Zustiegsmöglichkeit  mehr gegeben hätte. So wird unser Aufenthalt in Cartagena eben einen Tag länger sein. Aber besser zu früh dort als zu spät.

Die Busfahrt war ziemlich entspannt bis ca. 130 km vor Cartagena. Dann stotterte der Bus und stand. Damit fiel auch die Klimaanlage aus und alle fingen mächtig an zu schwitzen. Der Busfahrer und sein Copilot am meisten. Nach ca. 20 Minuten in der Hitze stand aber schon ein Ersatzbus bereit und alle stiegen um – außer uns. Dieser Bus war wesentlich kleiner und konnte unsere Räder nicht transportieren. Während wir uns überlegten, mit dem Rad weiter zu fahren, kam die kolumbianische Ausführung des ADAC mit einem Abschleppkran. Der Pannenhelfer schaffte es aber innerhalb einer Viertelstunde, den Bus wieder flott zu bekommen. Es konnte also weitergehen. Für weitere 40 km. Dann stand der Bus wieder. Der Fahrer und sein Beifahrer bekamen  ihn wieder flott. Die Fahrt konnte weiter gehen. Das Spiel wiederholte sich noch zweimal, bevor wir dann tatsächlich kurz vor 15 Uhr in Cartagena eintrafen. Der Busfahrer und sein junger Kollege hatten einen super Job gemacht. Sie waren verschwitzt und verdreckt, aber glücklich, es doch noch geschafft zu haben. Insgesamt 9 Stunden Fahrt lagen hinter uns.

Vor uns standen noch 16 km mit dem Rad durch die Millionenstadt Cartagena an. Die ersten 4 km in dichtem Verkehr auf einer dreispurigen Straße hieß es Slalom fahren um einigermaßen vorwärts zu kommen. Unser „Asphaltcowboy“ Michael  machte es uns vor, wie es geht. Der Adrenalinspiegel stieg nochmals an, wenn wir mit unseren Satteltaschen uns gerade so durch die Autos quetschen konnten. Dann endlich waren wir auf einer weniger befahrenen Straße und kurz darauf bekamen wir die ersten Gischtspritzer der Karibik zu spüren, als die Wellen gegen das Ufer schlugen.

Vor der Reise hatte ich das Motto ausgegeben: Lieber mit dem Fahrrad an die Karibik als mit dem Daimler zu Arbeit. Michael und Herbert konnten es jetzt bestätigen.  Bald darauf hatten wir auch das Hotel gefunden, in dem wir bis zur Heim- bzw. Weiterreise bleiben werden.

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Bogota

8.2.2018    Bogota

 Wir haben gestern noch einen VW-Transporter für heute 9 Uhr beim Busterminal gebucht. Pünktlich sind wir dort und alles klappt wie am Schnürchen. Wir haben den 8-sitzer ganz für uns. Das brauchen wir auch. Bis die Räder und das Gepäck verladen sind, ist der Kleinbus voll. Der Fahrer ist so wortkarg wie er schnell fährt. Eigentlich hätten wir es gar nicht so eilig gehabt. Aber dieser VW hatte es dem Fahrer wohl angetan. Bei uns wäre er auf den gut 100 km wohl 10mal den Führerschein los gewesen. Fast die ganze Strecke war Autobahn, aber das darf man nicht mit einer deutschen Autobahn vergleichen. Das einzige was gleich ist: Es gibt keinen Gegenverkehr, also zwei getrennte Fahrbahnen.  Aber es gibt Ortsdurchfahrten, Zebrastreifen und Bushaltestellen. Rechts überholen ist Standard. Nach gut 3 Stunden stiegen wir ziemlich gestresst am Busterminal in Bogota aus. Jetzt hatten wir noch ca. 10 km mit dem Rad durch den Stadtverkehr zu navigieren. Dies war weniger anstrengend als die Busfahrt. Viele Radwege, Fußgängerbrücken über Kreuzungen und gesitteter Verkehr erleichterten uns die Fahrt ins Herz Bogotas zur Calendaria /Altstadt. Hier erwartete uns im Hotel Gran Park schon freundliches Personal und ein nicht mehr gewohnter Luxus.

Morgen werden wir Torsten Trempin treffen um mit ihm das weitere Programm in Bogota und danach zu besprechen. Er arbeitete früher bei Miller-Reisen und war mit Manuel Federau befreundet. Jetzt ist er Miteigentümer einer Reise-Agentur in Bogota.

 

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9.2. 2018
Heute seit langer Zeit mal kein Rührei mit Würstchen und Reis, sondern im Hotel Gran Park ein Frühstücksbüffet, für das manche sogar einen Urlaub buchen sollen. Wir genießen es und auch Urlaubsgefühle kommen heute auf. Es zeigt sich, dass die Lage des Hotels günstig gewählt ist. In zwanzig Minuten Fußmarsch sind wir an der Talstation des Montserate-Schrägaufzuges. Nach einer halben Stunde anstehen geht die außergewöhnliche Fahrt auf 3150 m des bekannten Aussichtsberges von Bogota – den Montserate. Schon von unten sieht man die leuchtend weiße Kirche, deren Turm in den blauen Himmel ragt.
Die Aussicht von oben auf die 9 Millionenstadt ist gigantisch. Wir haben Glück, die Sicht ist klar, was nicht immer der Fall ist. Oft verschwindet die Stadt in einer Dunstglocke. Trotz der Höhe ist alles Grün und Sträuche, Bäume und Blumen leuchten in allen Farben.
Die Stimmung ist trotz der vielen Leute sehr entspannt. Wir genießen den Ausblick mehr als eine Stunde, bevor uns wieder der Lärm der Großstadt einfängt. Mit dem Taxi geht es ins Goldmuseum. Wahrscheinlich hat noch keiner von uns so viel Gold in allen Facetten gesehen. Wir versuchen zu verstehen, welche Rolle dieses Edelmetall in Südamerika und speziell in Kolumbien gespielt hat. Wieviel davon ist jetzt auf unserem Kontinent? Wie viele Menschen mussten dafür ihr Leben opfern?
Nachmittags fahren wir mit dem Taxi zu Torsten Krempin, der bei Miller-Reisen in Schlier eine Lehre zum Reisekaufmann absolviert hat und seit 22 Jahren eine eigene Reiseagentur in Bogota hat. Gerne erinnert er sich an die Zeit in Schlier zurück. Er gibt uns wertvolle Tipps für die weitere Reise nach Cartagena. Für die Hinfahrt benötigen wir mit dem Taxi für ca. 15 km Stadtfahrt eine Stunde und 15 Minuten. Für die Rückfahrt nur 45 Minuten. Nicht weil der Verkehr nachgelassen hat, sondern weil wir wieder mal einen Taxifahrer haben, der sich für Ayrton Senna hält. Nach dem Motto: Wer 25 cm Platz lässt, ist selber schuld. Das ist wie Boxauto fahren auf der Kirmes.
Da wir den autofreien Sonntag für die Weiterfahrt nützen wollen, haben wir morgen nochmals einen „Urlaubstag“ eingelegt. Am Sonntag ist wie in vielen südamerikanischen Großstädten „CICLOVIA“. Das heißt, da gehören die Straßen den Radfahrern.

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10.2. 2018

Diesen „Urlaubstag“ nützen Michael und Herbert, um mit dem Rad eine ca. 40 km Runde in den angrenzenden Bergen um Bogota zu drehen.  Ganz begeistert kehren sie zurück. Kaum zu glauben, dass man aus einer solchen Millionenstadt heraus tolle und ruhige Radtouren machen kann. Sie waren wohl nicht die einzigen unterwegs. Viele Bogotaner waren vor allem mit ihren Rennrädern unterwegs. Man kann wohl von der Fahrrad-Hauptstadt Südamerikas sprechen.

Ich nutzte den Vormittag, um mein und Herberts „Übergepäck“ bei der Transportfirma Servientrega aufzugeben. Da wir die Campingausrüstung auf dem letzten Teil der Reise nicht mehr brauchen werden, fahren wir mit rund 5 kg weniger nach Cartagena.

Außerdem habe ich jetzt endlich einige Sportgeschäfte gefunden, die das offizielle Trikot der kolumbianischen Nationalmannschaft verkaufen. Ich habe mir natürlich das von James mit der Nummer 10 gesichert.

Nachmittags unternahmen wir dann zusammen einen Spaziergang durch den botanischen Garten und zum Museum der modernen Künste. Wir waren sehr beeindruckt von der fast überbordenden Kreativität der jungen Kolumbianer.

Zum letzten Mal können wir uns auf das komfortable Hotel freuen, bevor es morgen wieder in die Provinz geht.

11.2.2018
Nach einer komplizierten Abrechnung der Frühstücke im Hotel kann es endlich losgehen. Sofort sind wir mitten im Ciclocvia. Wie in vielen anderen südamerikanischen Städten sind auch in Bogota jeden Sonntag viele Straßen gesperrt für Radfahrer. Ich habe solche Ciclovias schon in Quito und Santiago erlebt. Aber sowas wie in Bogota habe ich noch nicht gesehen. Da sind die Stadtmarathons in Berlin oder New York Kirmesveranstaltungen gegen den Ciclovia in Bogota. Geschätzte 1 Million Menschen, von Kleinkindern bis zum 85jährigen Radrennfahrer, nützen jeden Sonntag die Gelegenheit, auf bis zu 25m breiten Straßen zu radeln, zu joggen oder zu inlinern. Ca. 25 km lang sind wir Teil dieser Veranstaltung. Dann sind wir am Nordrand dieser 9Millionenstadt. Jetzt geht es wieder im normalen Verkehr weiter. Das erste Ziel ist Zipaquira mit seiner berühmten Salzkathedrale. Eigentlich müssten wir uns am Eingang in der Schlange anstellen, denn heute am Sonntag ist dieses kolumbianische Heiligtum Ziel vieler in- und ausländischer Touristen. Wir machen dem Personal klar, dass wir mit dem Rad da seien und noch weiter müssten. Es klappt, wir dürfen nach vorne. Diese Kathedrale ist tief in einem Salzbergwerk. Viele Gänge in dem Salzstollen führen zu einer beeindruckenden Kathedrale. Dies ist auch ein Wallfahrtsort für viele Katholiken. So ist auch ein Kreuzweg Jesu angelegt. Tief beeindruckt von diesen unterirdischen, religiösen Kunstwerken verlassen wir nach gut 90 Minuten die unterirdischen Gänge.
Nach einem Mittagessen geht es weiter auf den zweiten Teil dieser Etappe. Da wir den zweiten Ruhetag in Bogota wieder reinholen müssen und der verbleibende Zeitplan ziemlich eng ist, haben wir uns entschlossen, noch bis Ubate` weiterzuradeln. Das sind nochmals 42 km mit einem 500 hm langen Anstieg auf letztmals über 3000 m. Knapp vor Dunkelheit erreichen wir ziemlich ausgepumpt Ubatè.
Die Zahlen: 96 km, 700 hm, 9 Stunden unterwegs, max. 28° Temperatur

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12.2.2018
Jetzt hat es mich also doch noch erwischt. Musste nachts mehrere Male die Toilette aufsuchen wegen Durchfalls. Eigentlich dachte ich, dass sich meine Verdauung den südamerikanischen Verhältnissen angepasst hat. Gottseidank habe ich in meiner Reiseapotheke Immodium-Tabletten.
Lange berieten wir die Strecke nach Villa de Leyva, unserem heutigen Etappenziel und Ziel vieler Touristen. Fast jede Reisegesellschaft hat diese ursprüngliche Kolonialstadt in ihrem Programm.
Den weiteren, aber durchweg asphaltierten Weg über Chiquinquira wollten wir nicht nehmen, da wir den starken Verkehr ohne Seitenstreifen fürchteten. So mussten wir auch gestern einige Male die Flucht aufs teilweise 30cm tiefere Bankett wählen, wenn uns Trucks oder Busse einfach den Weg abschnitten.
Die Alternative war kürzer, aber über 50 km üble Piste. Trotzdem entschieden wir uns für diese Variante, was sich bald als Fehlentscheidung zeigte. Der Untergrund war grausig, viele Trucks unterwegs, die uns immer wieder in Staubwolken verschwinden ließen und trotz Navi kamen wir von der Route ab. So blieb nur eine Möglichkeit: Umkehren und auf die offizielle, asphaltierte Straße zurück. Total verstaubt kehrten wir nach knapp 2 Stunden und 18 km an den Stadtrand von Ubatè zurück.
Wie falsch die Entscheidung war, sahen wir auf den 50 km nach Chiquinquira. Kaum Verkehr und eine herrliche Strecke, vorbei an Lagunen.
Inzwischen war es 14 Uhr und wir waren noch knapp 50 km von unserem ursprünglichen Etappenziel Villa de Leyva entfernt.
So entschlossen wir uns, in Chquinquira zu bleiben und eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Voraussichtlich werden wir morgen vormittag dorthin radeln. Oder wir lassen es ganz weg, da es eigentlich nicht auf unserer vorgesehenen Route liegt.

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13.2.2018

Haben gestern Abend noch Milton kennengelernt. Er arbeitet als Maler im Gran Hotel, wo wir übernachteten. Er wollte uns noch die mächtige Kathedrale von Chiquinquira zeigen. Wir waren sehr beeindruckt von diesem mächtigen Bauwerk, um einiges größer als die Basilika in Weingarten. Danach lud er uns zu einem Cerveza ein. Es wurden mehrere. Er klärte uns auf, dass diese Stadt die kolumbianische Metropole für Smaragde ist. Wir konnten uns davon überzeugen beim Besuch mehrerer Geschäfte, die diese verarbeiteten oder verkauften. Wir fragten ihn, wie wir unsere Pläne am besten verwirklichen konnten: Villa de Leyva besuchen und anschließend einen Bustransfer nach St. Gil. Sofort hatte er sein Handy zur Hand und telefonierte mit seinem Amigo. Und prompt hatten wir die Lösung: Sein Freund Nestor würde uns morgen früh zuerst nach Villa de Leyva fahren, anschließend zum Hotel zurück, den Fahrradträger montieren und uns dann nach St. Gil fahren. Das war ein Angebot, dem wir nicht widerstehen konnten. Auch der Preis war okay. Das Ganze würde jeden 50€ kosten für mehr als 300 km Fahrt. Wir verabredeten uns auf 7.30 am nächsten Morgen.

Und ganz entgegen südamerikanischen Gepflogenheiten stand sein Freund Nestor pünktlich mit seinem Mazda 2 vor dem Hotel.

Er fuhr mit uns nach Raquira und Villa de Leyva, beides imposante Reiseziele fast jeden Kolumbien-Reisenden. Zwar hat der Kommerz auch hier mächtig Einzug gehalten, aber irgendwie haben beide Städte ihren kolonialen Charme nicht verloren. Diese  Art der Bauweise mit den vielen Holzbalkonen und den herrlichen Innenhöfen habe ich sonst nur in Cusco/Peru gesehen. Hier in diese Orte bringen auch die vielen Touristen keine Hektik – alles ist tranquillo.

Nach einer kurzen Mittagpause verluden wir die Räder auf den inzwischen montierten Fahrradträger, was sich nicht ganz einfach gestaltete. Würde der die Fahrt überstehen? Schon beim ersten „Pump“ war ein Schlag zu hören und das Auto hatte eine Delle im Koffe

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rraumdeckel. Doch danach ging es ganz gut. Auch aufgrund der sehr sicheren Fahrweise von Nestor.

Die Fahrt war  für ihn zwar anstrengend, wir konnten uns jedoch an der tollen Landschaft mit vielen Canyons erfreuen.

Nach genau 4 Stunden Fahrt waren wir sogar noch eine Station weiter als St. Gil gefahren. Ansonsten wäre morgen die Etappe durch den Chicamocha-Canyon nicht möglich gewesen. Diese wird uns zwar nochmals alles abverlangen. Aber wir sind jetzt fest im Zeitplan. Am 19. Februar, zwei Tage vor dem Rückflug von Herbert und Michael wollen wir ja in Cartagena sein.

 

 

Trampolin de la Muerte

29.1. 2018  Über alle Berge in den Urwald

Es hat nicht ganz gereicht mit 7 Uhr, Aber eine halbe Stunde später starten wir nach einem improvisierten Frühstück. Die ersten 6 km bis San Francisco ist einrollen angesagt. Dann wechselt der Untergrund für die nächsten 65 km. Grober Schotter mit unzähligen Schlaglöchern ist jetzt angesagt. Eigentlich hatten wir aber hier mit weniger Verkehr gerechnet. Aber vom Moped bis zum Truck tümmelt sich alles auf dieser Piste. Es ist die einzige Verbindung von Pasto nach Mocoa und weiter nach Bogota. Der Respekt ist gewaltig. Es kursieren viele Videos im Internet. Anscheinend fordert diese Straße jährlich mehr Todesopfer als irgendeine andere Straße. Große Plakate kündigen den Neubau einer gigantischen Trasse an. Sie soll bald beginnen und für den Bau sind 18 Jahre eingeplant. Wir werden sie also nicht mehr erleben…

Erstmal geht es 600 hm nach oben. Danach 900 hm nach unten. Immer dem 400m tiefen Abgrund entlang. Rad, Gepäck und Fahrer werden bis aufs Mark durchgeschüttelt. Danach geht es für weitere 10 km immer auf und ab, bevor der nächste steile Anstieg ansteht: Nochmals geht es für 500 hm auf sehr schottrigem Untergrund bergauf. Danach steht die lange Abfahrt von 2250 m auf 700 m an. Die Szenerie ist mystisch: Die Sonne wird immer wieder durch hereinziehende Nebelschwaden verdeckt, die Wolken erscheinen in allen Farben Formen. Neben der oft nur 3,5 m breiten Piste entweder Abgrund oder Urwald.

Zwischendrin müssen wir die Gepäckträger von Herbert und Michael reparieren, zu groß ist die Beanspruchung. Auch bei mir rüttelt sich eine Schraube bei der Rohloff-Schaltung los. Aber bald ist alles wieder behoben. Unzählige Spitzkehren und Wasserbäche müssen wir durchqueren, bevor es nach 2-stündiger Abfahrt erstmals wieder auf Asphalt weitergeht. Wie eine Erlösung sehen wir ein Schild: Mocoa 10 km.  Mit Einbruch der Dunkelheit rollen wir in Mocoa ein. Die Hotelsuche stellt uns dann zusätzlich noch auf die Probe. Aber auch dieses Problem können wir noch lösen.

Der Tag in Zahlen: 11 Stunden unterwegs,, keine größeren Pausen, 82 km, 1615 hm bergauf,  2400 hm bergab.

30.1.2018

Nachts noch über 30° – da brauchst Du keine Zudecke. Und morgens erst mal kalt abduschen. Schon beim Frühstück läuft Dir der Schweiß  in Strömen. Eigentlich steht wieder eine Etappe mit 1600 hm an. Wir sind schon beim Start sicher, dass wir das heute nicht schaffen werden. Gut versorgt mit Wasser geht es dann gleich richtig bergauf. Das Thermometer zeigt in der Sonne über 40°, im Schatten so bei 36°. Bei der ersten Trinkpause hält  gleich ein Militärfahrzeug. Drei junge Burschen fragen sehr freundlich, woher wir kommen und wohin wir fahren. Sie erklären uns, dass sie für die Sicherheit in dieser Region zuständig seien.

Schon nach 5 km wieder eine Militärkontrolle. Es sind wieder die Gleichen. Sie wollen unbedingt ein Foto mit uns machen. Freundlich verabschieden wir uns nach einigen Selfies.

Die Sonne brennt, Schatten gibt es nur ganz vereinzelt. Nach 35 km und 800 hm machen wir wieder an einem kleinen Imbissstand Pause. Dann hält ein Truck. Er scheint leer zu sein. Wir fragen, ob er uns ein Stück mitnimmt. Kein Problem. Wir wollen nach Bruselas. Er sagt, dort gäbe es kein Hotel. Also dann nach Pitalito.

Schnell sind die Räder auf der Pritsche verladen. Wir ebenfalls. Es gibt natürlich luxuriösere Fahrten als auf so einer Pritsche. Der Fahrer nimmt  auf uns keine Rücksicht. Es fühlt sich an, als ob er 2 Stunden durch wildes Gelände fahren würde. Zentimeterweit schweben wir bei jedem Schlagloch in der Luft. Und der Aufprall auf der harten Pritsche raubt dir den Atem. Aber wir wollen uns nicht beklagen…. Zweimal hält er an. Militärs schauen unter die Plane, sehen uns. Fragen wieder nach dem woher und wohin. Wir zeigen die Pässe. Es endet wieder mit Selfies und Händeschütteln. Ziemlich durchgeschüttelt, aber trotzdem happy, diesen Teil hinter uns zu haben, verabschieden wir uns vom Fahrer und geben natürlich ein Trinkgeld. Nach kurzer Suche haben wir ein adäquates Hotel gefunden.

 

 

31.1.2018

Wir sind wieder 500 m höher und das macht sich auch bei der Temperatur bemerkbar.  Es ist nachts nicht mehr so warm und wir schlafen gut. Nach dem üblichen „Getränkefassen“ geht es in toller Landschaft auf und ab bei wenig Verkehr. Auch die Temperaturen sind erträglich bei ca. 27° Den Helm brauchen wir heute eigentlich mehr, um keine von den vielfarbigen, reifen Früchten auf den Kopf zu bekommen. Bei einer kurzen Trinkpause klettert ein junger Kolumbianer flugs auf einen Baum und gibt uns leckere Früchte, die wir noch nie gesehen, geschweige gegessen haben.  Überall an der Straße werden diese Früchte angeboten.

Nach einem harten Schlussanstieg erreichen wir kurz nach Mittag San Agustin, auf 1580 m gelegen. Der Ort ist touristisch voll erschlossen. Es gibt hier viele interessante Ausflugsmöglichkeiten, das bekannteste ist das archäologische Museum. Auch werden Wanderung oder Pferdeausritte zum Ursprung des Rio Magdalena angeboten.

Wir sind also hier an der Quelle des bekannten kolumbianischen Flusses. Ihm werden wir jetzt mehr oder weniger folgen bis zur Mündung in der Karibik. Der Flusslauf soll 1545 km lang sein.

Bei der Quartiersuche ist uns eine Dame von der Tourist-Info behilflich. Wir finden eine familiäre, ruhige Unterkunft etwas außerhalb der Ortschaft.

Morgen, an unserem 2. Ruhetag werden wir auf Erkundung gehen.

 

 

1.       2.2018 Ruhetag in San Agustin

 

Eigentlich sollte man hier 2-3 Tage Zeit haben, um die ganzen Sehenswürdigkeiten rund um San Agustin zu erkunden. Da wir aber nur einen (Ruhe)Tag eingeplant hatten, mussten wir uns auf das wesentliche beschränken. Es werden 4-6stündige Ausritte zu Pferd zu einigen Besichtigungsstätten angeboten. Wir nutzten aber unseren Drahtesel, um einige Orte und den Parque Arqueologico zu besuchen.  In der Gegend rund um San Agustin wurden über 500 verschiedene Skulpturen aus Lavagestein gefunden. Man schätzt dass die Funde auf 5000 v. Christus zurückgehen.  Nicht bekannte Kulturen haben hier im Quellgebiet der beiden großen Flüsse Rio Magdalena und Rio Cauca Figuren aus dem Lavagestein gehauen. Diese stellen Götter oder auch Tiere dar.

Bei der spanischen Eroberung im 16. Jahrhundert waren diese Kulturen aber vollkommen ausgestorben. Erst im letzten Jahrhundert fanden Forscher diese Spuren einer frühen Kultur.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft bereiteten wir uns wieder auf die nächsten Tage vor.

 

2.2. 2018  Richtung Bogota

Es ist eine herzliche Verabschiedung von unserer kolumbianischen Gastgeberin. Sie hat uns nicht nur 2 Nächte Quartier gegeben, sondern uns tolle Frühstücke gemacht und die Wäsche gewaschen. Muchos gracias.

In rasanter Abfahrt geht es die ersten 5km hinunter an den Rio Magdalena. Danach zurück nach Pitalito. Die Strecke kennen wir ja schon. Vor zwei Tagen sind wir sie in umgekehrter Richtung gefahren. Es geht meistens steil bergab oder steil bergauf. Trotzdem sind wir in eineinhalb Stunden schon in Pitalito. Unser Komoot-Routenplaner schickt uns auf einer schönen Variante an der verkehrsreichen Stadt vorbei. An einem schattigen Imbissstand lassen wir uns einen köstlichen Jugo pressen und füllen die Wasserflaschen auf. Im Nu sind wir umringt von interessierten jungen Kolumbianern. Wie üblich bildet sich gleich eine Traube um mein rotes Fahrrad mit den dicken Reifen. Wir erklären ihnen, woher wir kommen und wohin wir wollen. Unglaubliche Gesichter. Irgendwann kommt das Gespräch natürlich auch auf James, den kolumbianischen Bayern-Spieler. Jetzt leuchten ihre Augen. Sie erklären uns, dass sie hier ganz schwer Arbeit finden. Nur Gelegenheitsjobs. Gerne würden sie nach Europa kommen. Michael erzählt ihnen, dass seine Tochter in Frankfurt studiert und sich das Geld fürs Studium auch durch Aushilfsjobs verdient. Unter anderem arbeitet sie als Kellnerin mit zwei Kolumbianern zusammen.

In stetigem Auf und Ab geht es durch ein landwirtschaftlich geprägtes Tal nach Timana, der einzigen Ortschaft zwischen Pitalito und Altamira.  Die Abfahrt endet in einem Canyon. Von hier aus geht es steil bergauf bis Altamira, unserem heutigen Ziel.

Die Zahlen: 78 km, 850 hm bergauf, 1450 hm bergab,  Fahrzeit mit Pausen 6.18 Std.,

Höchste Temperatur: 45°

 

3.2.2018 Entlang des Rio Magdalena
Um heute nicht so sehr von der Sonne gebraten zu werden, verlegen wir das Frühstück nochmals um eine halbe Stunde nach vorne. So denken wir, um 8.30 Uhr auf die bisher längste Etappe starten zu können. Es wird jedoch eine halbe Stunde später bis alle wieder startklar sind. Ist nicht so schlimm, denn es ist stark bewölkt und hat angenehme Temperaturen. Schon fast optimal für Radler: Immer zwischen 23 und 27°. Bis zur Mittagspause in Gigante schaffen wir fast einen 20er Schnitt, trotz 600 hm bergauf. Es gibt wieder viele Verkaufsstände am Straßenrand. Einmal werden wir schwach: Geschälte Ananasstücke leuchten uns entgegen. Ich schnappe mir ein mindestens 5cm dickes Stück. Es ist so saftig und wohlschmeckend, dass es mir fast wie Doping vorkommt. Die nächsten Berge fliege ich förmlich hinauf. Immer wieder gibt es tolle Ausblicke auf den Rio Magdalena, der inzwischen zu einem riesigen Fluss angewachsen ist. Mal ist er aufgestaut, mal windet er sich durch felsige Canyons. Nachmittags scheint wieder die Sonne und das Thermometer steigt auf 35°.
Trotzdem läuft es prima und schnell haben wir am Etappenziel das in meinem Bikeführer angegebene Hotel gefunden.
Die Zahlen: 91 km, 1080 hm bergauf, 1480 hm bergab, Unterwegs 6:15 h, Temp: max. 35°

 

 

4.2.2018 Auf dem Weg zur Wüste

Wieder gibt es um 7 Uhr Frühstück. Wir wollen  früh los, trotzdem wird es wieder halb neun, als wir aus diesem lärmigen, lausigen Ort wegkommen. Es ist wieder bewölkt, die Temperaturen halten sich entsprechend um 25°. Es ist Sonntag und spürbar weniger Lastverkehr. Wir kommen gut vorwärts mit einem über 25er Schnitt. Allerdings bremst uns dann am Stadtrand von Neiva ein Gewitterregen aus. Es regnet so stark, dass wir so wie viele Motorradfahrer auch, Unterschlupf suchen müssen. Nach einer knappen Stunde geht es  12km lang durch diese Stadt, die manche als die langweiligste in ganz Kolumbien bezeichnen. Uns stört das nicht, wir wollten hier sowieso keine Pause machen. Der Verkehr wird immer weniger, die Landschaft immer interessanter und ähnelt jetzt fast schon einer Wüste.

An unserem Etappenort in Villavieja müssen wir die Erfahrung machen, dass wir in einem Touristenort gelandet sind. Dementsprechend sind die Übernachtungspreise. Haben wir tags zuvor noch umgerechnet 8 € für die Übernachtung bezahlt, sind wir jetzt bei 30 €. Wir bezahlen es, weil wir ja zwei Nächte hier bleiben wollen und an unserem Ruhetag nicht eingepfercht sein wollen.

Es ist sogar ein Swimmingpool inbegriffen, den wir natürlich sofort nach der langen Fahrt in Beschlag nehmen.

Morgen werden wir vermutlich mit dem Rad einen Abstecher in die Wüste Tatacoa machen

 

5.2. 2018 Am Ruhetag zur Tatacoa-Wüste

Wie geplant geht es nach einem späteren Frühstück zur Wüste. Meine beiden Begleiter Michael und Herbert sind gespannt. Sie können es sich nicht vorstellen, dass es hier eine Wüste geben soll. Es ist zwar ganz schön  heiß, aber alles eigentlich grün. Auf einer schmalen asphaltierten Straße geht es einen kleinen Berg hinauf. Von dort bekommt man einen Überblick über diese außergewöhnliche Landschaft. Überall Kakteen, rote Felslandschaft, reliefartig geformt durch den doch immer wieder fallenden Regen. Es soll hier 72 Vogelarten geben. Einige davon bekommen wir zwischen abgemagerten Rindern zu Gesicht. Natürlich gibt es hier auch Skorpione und Schlangen, davon sehen wir aber keine.

Eine Besonderheit aber stellen die „Schwiegermutterstuhl-Kakteen“ dar. Diese am Boden wachsende Kakteenart trägt purpurleuchtende Blüten. Diese kann man essen. Man sollte aber mindestens eine Blühte dran lassen, sonst stirbt der Kaktus. Das machen wir auch, wir sind ja schließlich keine Kaktusmörder. Die Blüten schmecken wirklich gut, machen aber nicht satt.

Ein Observatorium bietet die Möglichkeit der Sternbeobachtung. Anscheinend soll man hier in klaren Nächten einen tollen Sternenhimmel haben.

Wir sind aber vor Einbruch der Dunkelheit wieder in unserem Hotel zurück und bereiten uns für die nächsten Tage vor.

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6.2. 2018 Durch die Wüste über den Rio Magdalena
Gestern Abend noch hatten wir auf dem Heimweg vom Essen zum Hotel ein längeres Gespräch mit einem kolumbianischen Polizisten. Er zeigte uns auf seinem Handy, wo er schon überall auf der Welt war und dass er selbst auch Rad fährt. Wir kamen auch auf die politische Situation in Kolumbien zu sprechen. In zwei Monaten finden ja Präsidentschaftswahlen statt. Es stellte sich heraus, dass auch er kein Anhänger vom noch amtierenden Präsidenten und Nobelpreisträger Santos ist. Er ist, wie so viele hier, Uribe-Fan. Aber dass das Friedensabkommen zwischen der FARC und der Regierung ein großer Fortschritt ist, bezweifelte er wie viele andere nicht.
Bei der Abfahrt heute morgen aus Villavieja treffen wir Ihn nochmals und verabschieden uns herzlich. Michael tauscht seine Handy-Nr. mit ihm aus – er will in Kontakt mit ihm bleiben.
Die ersten knapp 40 km geht es heute offroad auf übler Piste durch die Wüste. Wenige Fahrzeuge begegnen uns. Wir kommen lediglich durch zwei kleine Pueblos, in denen die Uhr stehengeblieben zu sein scheint. Hier lebt man noch so wie vor 50 Jahren. Die Leute staunen über die bunten Ciclistas und sind scheu, aber keineswegs feindselig.
Nach über 3stündiger, holpriger Fahrt steht eine feuchtdreckige Überquerung des Rio Magdalena an. Zuerst geht es durch einen stockfinsteren Tunnel, in dem das dreckige Wasser kniehoch steht, dann über eine alte Eisenbrücke über den Rio Magdalena, um danach nochmals durch einen feuchtdunklen Tunnel auf die andere Seite des Ufers zu kommen. Anschließend sehen wir aus wie das Team aus dem Dschungelcamp. Die Pampe trocknet und ist kaum mehr vom Fahrrad und den Satteltaschen wegzukriegen.
Wir selbst können dann nach einer knapp 20km langer Fahrt auf schöner Asphaltstraße in einem klimatisierten Hotel unter die- gottseidank- kalte Dusche gehen. Inzwischen scheint wieder die Sonne und die Temperatur steigt auf über 40°.
Heute haben wir, genauer gesagt Herbert, den ersten Plattfuß. Zwei lange Dornen stecken im Vorderreifen.
Der Tag: 58 km, 430 hm bergauf, 470 hm bergab, 4:50 unterwegs, Temp: max. 42

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7.2. 2018 Immer geradeaus bei brütender Hitze

Kleiner Schreck beim morgendlichen  Zusammenpacken: Herbert löste aus Versehen die Pfefferspray-Patrone aus und bekommt eine Ladung ab voll gegen die Brust – das hätte leicht ins Auge gehen können. Mit komplizierten Folgen. So konnten wir trotzdem rechtzeitig abfahren,  er hatte zwar auf den ersten 20 km noch Atembeschwerden und ein Brennen auf der Brust, danach war aber alles wieder in Ordnung. Es ging immer schnurgeradeaus, mit wenigen Anstiegen und Abfahrten. Während es die letzten Tage vormittags öfters bewölkt war, schien heute von Beginn an die Sonne. Ab 11 Uhr waren es konstant über 42°. Trotzdem konnten wir einen über 20er Schnitt fahren, sodass wir schon um 14 Uhr unser Ziel in Girardot erreicht haben Wieder quartierten wir uns in ein Hotel ein mit Swimmingpool.

Am späten Nachmittag wanderten wir zum Bus-Terminal, um für morgen einen Bus nach Bogota zu buchen. Wir sind jetzt noch etwa 100 km von der Hauptstadt entfernt und allmählich kommen wir in Zeitnot. Zuviel erwartet uns noch in den letzten knapp 2 Wochen.

Der Tag: 86 km. 370 hm bergauf, 420 hm bergab, 5:30 unterwegs,

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Temp.  max.45°

Bienvenidos en Colombia

24.1.

Das Hotel war gut, allerdings gab es einen kleinen Haken: No Desayuno – kein Frühstück. Es war dann gar nicht so einfach, einen Schnellimbiss zu finden, der um 8 Uhr schon auf hatte. So gestaltete sich der Start heute sehr zäh. Immer noch Husten bei Herbert und mir, dazu kamen Magenprobleme bei Michael. Aber wir hatten ja eine relative Kurzetappe mit wenigen Anstiegen vor uns. Nach den üblichen Problemen beim Herausfahren aus der großen Stadt – ein langer Anstieg inmitten von qualmenden Trucks und Bussen verbesserte unsere Laune nicht – ging es dann hinunter in einen beeindruckenden Canyon. Schnell waren wir über 1000 m tiefer, die Landschaft wurde grüner und die Temperatur stieg immer mehr an. Es ist unglaublich, was hier 1000 Höhenmeter ausmachen. Auf 2700 m bist du immer leicht am Frieren, auf 1700 m kannst Du alles ausziehen und kommst sofort ins Schwitzen.

Zusätzlich ins Schwitzen brachten uns die kolumbianischen Truck- und Busfahrer. Waren wir von Ecuador her eine eher defensive Fahrweise gewohnt, änderte sich das jetzt schlagartig. Diese Fahrer haben schon eine gewisse masochistische Fahrweise – wegen einem Radfahrer bremsen die nicht oder brechen ihren Überholvorgang ab. Da müssen wir uns wohl schnell darauf einstellen.

Schon um kurz nach 13 Uhr waren wir am Etappenziel in Pedregal. Ein Hotel war schnell gefunden. Die zwei am Ort hatten beide den gleichen miesen Standard. Egal, morgen sind wir wieder weg.

25.1.2018

Aber so einfach war es gar nicht, das Wegkommen. Trotz der eigentlich traumhaften Fahrt durch den Canyon resignierten wir wegen der langen Auffahrt in dichtem Truck- und Busverkehr. Da diese Straße eine Hauptverbindung von Ecuador nach Kolumbien darstellt und es keine Ausweichmöglichkeit gibt, sahen wir nur einen Ausweg: In einen Pickup oder Bus die letzten 24 km bis Pasto einzusteigen. Wieder spürten wir die Gastfreundschaft der Kolumbianer: Die Companeros des Ortes kümmerten sich intensiv um eine Mitfahrgelegenheit. Letztendlich klappte es doch mit einem Bus. Kaum zu glauben, aber wir brachten die Räder alle im Stauraum unter, ohne viel zerlegen zu müssen.  So konnten wir uns für umgerechnet 10€ (alle zusammen) den Aufstieg in dichten Abgaswolken sparen. Nach eineinhalb Stunden Fahrt waren wir in Pasto. Nach mehreren Anläufen fanden wir ein passendes Hotel – billig, aber guter Standard. Wir werden erstmals zwei Nächte dort bleiben, weil für morgen ein Ruhetag eingeplant ist zum Besuch des Missionsprojekts meiner ehemaligen Schule St. Konrad in Ravensburg.

 

26.1. 2018

Nach einem kurzen Frühstück gleich um die Ecke des Hotels fuhren wir mit dem Taxi in den Ortsteil La Rosa. Schon auf der Hinfahrt mit dem Taxi ahnten wir, dass dieser Teil Pastos wohl nicht zu den wohlhabenderen gehört. Schon um 9.30 Uhr hatten wir per Mail einen Termin bei der Leitern Luz Nelly Rengifo bekommen.

Wie alle anderen Schulen ist auch diese mehrfach mit Zaun und Pforte gesichert. Bald sickerte wohl durch den Zaun und die verschiedenen Gebäude, dass der angekündigte Besuch vor der Pforte stand. So wurden wir direkt zur Leiterin Luz Nelly geführt, die uns zusammen mit einer weiteren Repräsentantin und Otto, einem 84jährigen Deutschen, herzlich empfing. Da weder unser Spanisch noch die Englischkenntnisse von Frau Nelly für eine gute Kommunikation ausgereicht hätten, waren wir froh, dass Otto als Dolmetscher zur Verfügung. Normalerweise arbeitet er täglich noch in einer Autoreparaturwerkstatt. Hat er mal bei Deutz in Köln gelernt. Jetzt ist er seit 40 Jahren in Pasto.

Nach einer kurzen Führung durch die Administration plauderte man bei einem Cafesito über die Lage in Kolumbien und speziell über Probleme  in dieser Region. Obwohl sich die Lage in den letzten 3-5 Jahren wesentlich verbessert hat, sind die Probleme mit Drogen, Gewalt und Kriminalität noch lange nicht behoben.

Es folgten mehrere Besuche in den Kleinkindergruppen. Es war rührend. Sehr diszipliniert wurde gespielt. Aber nach einem Buenos Dias von mir stürmten sie auf mich los und ich musste gleich 5-6 Kinder gleichzeitig umarmen. War das so mit den Kindern abgesprochen oder war es eine spontane Reaktion? Jedenfalls waren wir überwältigt, von den Kindern so empfangen zu werden.

Der nächste Besuch galt der „Casa de Joven“, wo Jugendliche eine handwerkliche Ausbildung erfahren können. Die Leiterin, eine Nonne,  führte uns durch die verschiedenen Werkstätten. Da der Betrieb erst zum 1.Februar wieder startet, waren leider keine Jugendlichen da. Wir konnten dafür aber einige ihrer Werke bestaunen.

Zum Abschluss konnten wir noch erleben, wie ca. 100 Kinder im Speisesaal sehr diszipliniert ihr Essen zu sich nahmen. Auch wir wurden noch zu einem Mittagessen eingeladen.

Danach verabschiedeten wir uns, dankten wir die freundliche Aufnahme und bescheinigten dem gesamten Team eine sehr gute,  erzieherisch wertvolle Arbeit, teilweise im Ehrenamt zum Wohle dieser Kinder. Sister Luz Nelly war während ihrer aktiven Zeit Ministerialbeamtin und macht ihre Arbeit als „Jubiladora“ ehrenamtlich. Und das ist kein Nebenjob bei ca. 700 Schülern und Jugendlichen. Solche Menschen sind die wahren Helden.

Tief beeindruckt fuhren wir nach über 4 Stunden in diesem Centro Comunitario – wie sie es auch ähnlich in anderen Städten und Regionen Südamerikas gibt – zurück ins Hotel. Jetzt hatte LAS MESAS ein Gesicht für mich.  Ich bin froh, hier Station gemacht zu haben.

 

 

27.1.2018

 

Ziemlich problemlos kamen wir dieses Mal aus der 300 000 Einwohner-Stadt. Die ersten knapp 16 km ging es bergauf. Plötzlich kam uns ein kolumbianischer MTB-Fahrer entgegen. Er wollte uns warnen, da ein 1 km weiter vorne eine kleine Ortschaft kam, wo es scheinbar schon Überfälle gegeben hatte. Er meinte, wir sollten zügig durchfahren und uns nicht ansprechen lassen. Es funktionierte. Er fuhr voraus, wir dicht hinterher. Dass es wirklich ernst war, sahen wir an den Gestalten, links und rechts an der Straße. Danach verabschiedete er sich wieder von uns.

Das Wetter konnte sich wieder einmal nicht entscheiden. Nachdem zwar immer wieder die Sonne hervorkam, machte es dann weiter oben ganz zu und begann zu nieseln. Dazu kam auch noch böiger Wind von vorne. Wir genossen am höchsten Punkt nur kurz die Aussicht auf die Lagune Cocha und das Tal, dann gings in zügig runter nach El Encano, das am Rand der Lagune liegt. Nach kurzem Suchen fanden wir eine schöne, rustikale Unterkunft. Nach dem Einquartieren rollten wir  mit dem Rad noch kurz zum See. Links und rechts der Straße gab es viele  Restaurants, alle wegen dem sumpfigen Gebiet auf Stelzen stehend. Überall wurde die gleiche Hauptspeise angeboten: Truchas – gegrillte Forellen aus der Lagune. Die ließen wir uns dann auch in unserem Hotel mit angeschlossenem Restaurant schmecken.

 

28.1.2018

Nach einem leicht verspäteten Frühstück und dem „Wasserfassen“ ging es gleich voll in die Pedale. Auf den ersten 10 km standen gleich 500 hm mit einigen über 10%igen Rampen an. Ein letztes Mal auf unserer gesamten Tour sollte es über 3000 m gehen. Nach etwa 1,5 Stunden oben das übliche Bild: Kalt, regnerisch, Nebel. Eine Gruppe junger Kolumbianer ist mit mir oben. Ein kurzes „mucho frio“ wird ausgetauscht. Dann wollen alle mit mir aufs Foto.  Danach geht’s 1200 hm, teils steil und sehr kurvig, bergab. Zwischendurch ist die Straße ungeteert und mit Schlaglöchern übersät. Die 4 kolumbianischen Jungs und 1 Mädchen tun mir leid. Mit ihren dünnen Rennradreifen und schlechten Felgenbremsen „eiern“ sie förmlich durch den Nebel. Hier macht sich zum ersten mal so richtig meine Rad Technik bemerkbar. Mein Velotraum hat weder ein Problem mit Schlaglöchern noch mit steilen, kurvigen Abfahrten. Selbst mit großem Gepäck lässt es sich leicht händeln und mit zwei Fingern bremsen.

Je tiefer wir kommen, desto mehr steigen die Temperaturen und die Natur wandelt sich.  Palmen und tropische Pflanzen  haben die Sträuche und Bäume verdrängt. Sehr bald können wir unsere warme Kleidung ausziehen – die Temperatur zeigt jetzt 28°. Es geht noch fast 15 km flach weiter bis zum Etappenziel in Sibundoy. Zum ersten Mal kommt bei uns richtig Urlaubsstimmung und Sonntagnachmittag-Radfahren auf. Tolle Straße, wenig Verkehr – keine nennenswerten Steigungen – so könnte es bis Bogota weitergehen…. Wird es aber leider nicht!

Sehr schnell finden wir das im Radführer empfohlene Hotel. Es entspricht voll unseren Erwartungen. Morgen steht dann die Hammeretappe und eines der Highlights der ganzen Tour an: Sibundoy – Mocoa 70 km, 1710 hm, offroad auf der Trampolina de la muerte.  Wir wollen schon um 7 Uhr starten.

 

 

 

 

Vom Äquator zur kolumbianischen Grenze

20 .1.
Leider klappte es nicht mehr mit einem Besuch bei Marc. Gerd versuchte vergeblich, ihn zu erreichen. Vielleicht wollte er einfach niemandem nach der Nasen-OP sein lädiertes Gesicht zumuten. Schade, aber verständlich.
Nach einem letzten reichhaltigen Frühstück bei Gerd brach die Hektik aus. Würde alles in die Taschen passen und das Rad noch beherrschbar sein? Herbert und ich hatten unsere Zweifel. Aber irgendwie ging es doch. Michael hatte gar kein Problem mit seinem spartanischen Gepäck.
Die ersten 10 km ging es durch die 4-Millionenstadt. Es war Samstag und der Verkehr zu unserem Vorteil daher ruhig. Sofort außerhalb von Quito ging es entweder steil bergauf oder steil bergab. Es standen uns 70 km mit knapp 1500 hm bevor. Eine stramme Angelegenheit zum Auftakt. Nachdem sowohl Herbert wie auch ich stark unter einer Erkältung litten, beschlossen wir nach ca. 30 km, uns von einem Pickup zum Etappenziel in Cayambe bringen zu lassen. Michael wollte die gesamte Etappe fahren. Knapp vor Einbruch der Dunkelheit hatte er es dann tatsächlich geschafft. Müde und mit erstem Sonnenbrand traf er im Hotel ein.
Das Abendessen ließen wir dann zu 2/3 zurückgehen. Wir waren alle zu kaputt um richtig essen zu können.
21.1.
Ich fühlte mich noch nicht wirklich besser. Herbert schien sich wieder zu erholen. Heute hatten wir nur eine Kurz-Etappe mit 46 km und 500 hm geplant. Es lief gut, in knapp 2 Stunden waren wir am höchsten Punkt mit 3120 m, wo uns heftiger Gegenwind erwartete. Hatte es kurz vorher noch über 24°, so kam jetzt immer mehr Wind und Bewölkung auf. Trotzdem schafften wir dann die über 1000 hm bergab ohne nennenswerten Regen. In Ibarra, knapp unter 2000 m gelegen, spürten wir dann schon wieder die Kraft der Sonne. Problemlos fanden wir ein ansprechendes Hotel

22.1.

Wie so oft waren auch diesmal die ersten 7 – 8 km die schlimmsten. In dichten Diesel-Abgaswolken ging es gleich steil bergauf. Bald wurde der Verkehr aber ruhiger und eine imposante Abfahrt mit über 1000 hm  ins Chota-Tal hinab begann. Es folgte stetiges auf und ab entlang dem Rio Chota.  Wir waren im Tal der ecuadorianischen Schatzkammer der Fußballtalente. Fast alle ecuadorianischen Nationalmannschaftsspieler kommen aus diesem Tal, das vor allem von afrikanischen Nachkommen der Sklaven bewohnt ist. Ein toller Kunstrasen-Fußballplatz zeugte vom Stellenwert des Fußballs in dieser Region. Das Thermometer zeigte bei einem längeren Aufstieg 38.8.° an. Ein Pickup brachte uns 24 km weiter nach Bolivar. Von dort ging es in über 400 hm nach San Gabriel. Hier fanden wir mit Polizeibegleitung ein schönes Hotel.

23.1.

Das Wetter sah nicht vielversprechend aus, als wir nach einem kargen Frühstück weiter Richtung kolumbianischer Grenze fuhren. Nach einigen Auf und Abs wartete dann ein 700 Hm langer Aufstieg auf 3300 m auf uns. Nur kurz genossen wir von hier aus die Aussicht Richtung Kolumbien – zu kühl war der Wind. Auf der Abfahrt hinunter nach Tulcan schien uns der Regen doch noch zu erwischen. Wir bekamen aber nur einige Tropfen ab.

Von Tulcan waren es nur noch 11 km zur Grenze an der Puente Rumihacha. Hier kamen wir aber schnell ins Grübeln – damit hatte niemand gerechnet.  Eine mehrere hundert Meter lange Menschenschlange wartete auf Abfertigung. Wir sahen uns schon dabei, hier die Nacht zu verbringen. Anscheinend waren das zu 80% Flüchtlinge aus Venezuela, die größtenteils weiterreisen wollten. Auf Nachfrage von Michael bei einem Beamten sagte dieser, Senioren dürften nach vorne kommen. Zum ersten Mal freute ich mich, Senior zu sein. Die Grenze lag bei 65. Aber was sollte mit Herbert und Michael passieren? Beide versuchten sich dann auch als „Etad“ nach vorne zu schmuggeln, was Gott sei Dank auch gelang. So waren wir mit zweieinhalb Stunden Wartezeit noch gut bedient. Die kolumbianische Einreise war dann in 5 Minuten erledigt. Wir waren in Kolumbien.

Noch ein kurzes Stück bergauf, dann waren wir im Grenzort Ipiales. Sehr schnell fanden wir ein ansprechendes Hotel mit Aussicht auf den Hauptplatz.